SCHREIBERTREFF
Noch kein Mitglied?
Dann werde doch eines - ganz bequem, einfach und kostenlos registrieren

SCHREIBERTREFF

GRÜSS EUCH , 'Liebe Tastentalente und Buchstabeninhalierer!!! Wir freuen uns,dass du unseren SCHREIBERTREFF besuchst. Viel Spaß und Herzliche Grüße - Das Administratorenteam!
 
StartseitePortalFAQAnmeldenLogin

Teilen | 
 

 AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"

Nach unten 
Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3, 4, 5 ... 11, 12, 13  Weiter
AutorNachricht
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Feb 09 2013, 21:29

das Eingangsposting lautete :


(Da muss ich doch gleich mal die neuen Icons probieren. )

So, jetzt ernsthaft.

Viele von euch wissen schon, was hier jetzt passiert, da ich diese Story bereits im AudL-Forum gepostet habe (bzw. noch fertig stellen werde), aber für alle anderen sei es kurz erläutert.

AnTom II Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück? ist eine weitere Fan-Fiction von mir, die sich von der Telenovela "Anna und die Liebe" ableitet. Und wäre das nicht schon Vorgabe genug, ist sie noch ein zweiter Teil, der unmittelbar an meine erste FF AnTom I "Irrgarten - Start - Ziel - und Neubeginn" anschließt, so dass es förderlich ist, diese gelesen zu haben.

Wenn ihre diese begünstigende Bedingungen erfüllt habt, gibt es eigentlich nichts mehr zu sagen, außer vielleicht ..., dass ich hoffe, auch bei dieser zweiten FF, euren Zuspruch zu finden.

Liebe Grüße von mir, und ganz viel Spaß!

Katha

Ach so, da fällt mir noch was ein.
Es sei noch gesagt, dass ich die Teile, die ich hier poste zuvor nochmal überarbeite, so dass sich leichte sprachliche Veränderungen ergeben können, oder auch mal ein Satz hinzugefügt oder weggelassen wird. Die Handlung bleibt aber die gleiche. Wink

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...


Zuletzt von katha am Sa Feb 09 2013, 22:44 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten

AutorNachricht
Carla3939

avatar

Anzahl der Beiträge : 217
Anmeldedatum : 09.05.13

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Sep 29 2013, 00:24

Hallo liebe Katha, ich freue mich das du so schön weiter schreibst.Das ist eine tolle ff danke dafür brav sonst ist hier in Moment ja leider nicht viel los.Ich wünsche dir noch ein schönes Restwochenende. Lg. Carla Razz 

_________________
"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Sep 29 2013, 08:26

Hey Carla,
schön, dass du dich hier nochmal meldest. Tut doch gut, mal irgendeine Rückmeldung zu bekommen.
Ja, du hast Recht. Es ist gerade tatsächlich ziemlich mau hier, aber solche Zeiten gibt es immer mal und vielleicht kann ich dir ein wenig Hoffnung machen.
Ich selbst merke gerade, dass eine Überarbeitung der bereits geschriebenen Teile gar nicht so verkehrt ist und ich schreibe tatsächlich auch gerade daran, die Story hier zum Ende zu bringen. Und glaub mir, da tut sich noch ein bisschen was. Und außerdem habe ich mit einer Zweiten begonnen. Die Ideen sind da, die Anfänge sind da, aber leider fehlt mir die Zeit, sie so schnell zu schreiben, wie ich es gerne machen würde. ... Aber, ich bin dran ... Embarassed 

Und was Mini anbelangt, kann ich zu ihrer Entschuldigung sagen, dass sie die letzte und die kommende Woche nicht weiterschreiben kann, da sie anderweitig beschäftigt ist. Sonne lässt grüßen, sage ich nur ... sunny 
Ach so, ich weiß ja nicht, ob du die Fantasy Story von Mini schon gelesen hast ... und glaube mir, eigentlich habe ich auch gedacht, es wäre nicht so mein Genre Embarassed  , aber ich kann sie wirklich nur empfehlen. Ist echt der Hammer. super Na ja, ist ja auch von unserer Mini geschrieben ... Und da hättest du tatsächlich ein bisschen was zu lesen. readcoffee Sind ja schon ein paar Teile.

So, ich wünsche dir einen schönen Sonntag, und ich hoffe, du bleibst uns trotz der Flaute treu. super 
LG, Katha
LG

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
Carla3939

avatar

Anzahl der Beiträge : 217
Anmeldedatum : 09.05.13

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Sep 29 2013, 16:41

Aber klar bleibe ich euch treu,bin eine ganz treue Seele Embarassed .Und nein Minis Fantasy Story habe ich noch nicht gelesen,weil ich dachte das wäre nicht's für mich.Werde es aber jetzt doch tun, ich vertraue dir wenn du mir sagst das die so toll ist.Dann habe ich ja erstmal reichlich Lesefutter Smile 
Ich freue mich natürlich immer wenn auch was von dir kommt Very Happy  Lg.Carla


_________________
"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Di Okt 01 2013, 21:21

Und Carla?
Experiment gestartet? Ich habe noch mal überlegt, anfangs ist es keine ganz leichte Kost, weil man erst einmal versucht, zu durchschauen, was da so los ist, aber nach und nach wirds klarer, wenn sich die Geheimnisse auch bis zum jetzigen Teil nicht wirklich aufgelöst haben. Aber dann wäre es ja vermutlich auch nur halb so spannend. Smile 

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "34"   Di Okt 01 2013, 22:20

So, ein bisschen anders in der Reihenfolge, als beim ersten Posting. Weiß nicht genau, ob es besser ist ... Auf jeden Fall viel Spaß!
******************************

Tom saß, nach seinem gerade noch verhinderten Unfall, immer noch in seinem mit dem LKW verkeilten Porsche und schaute in den Rückspiegel, Verdammt, wo ist der Fahrer?, dachte er verzweifelt, denn der Kleinlaster, der auf ihn zugerast kam, war führerlos, sah aus als sei er einer Geisterbahn entkommen. Tom drehte instinktiv den Zündschlüssel seines Autos und blickte panisch von rechts nach links, um einen Ausweg zu finden. Der Motor des Autos orgelte kurz auf, aber dann war der Versuch auch schon abgebrochen. „Mist“ fluchte Tom erneut und sah sich noch einmal hilfesuchend um, aber sein Auto stand eingeklemmt unter einem LKW, was versuchte er da eigentlich … Im Rückspiegel erkannte er endlich den Fahrer, der wohl aus den Tiefen des Führerraumes aufgetaucht war, vermutlich hatte er etwas gesucht oder aufgehoben. War aber auch völlig egal, denn alles was zählte war, dass das Fahrzeug zu schnell war, viel zu schnell … Der Abstand würde niemals reichen, um das Fahrzeug zum Stillstand zu kriegen. „Scheiße, Scheiße, Scheiße …“ brüllte Tom voller Panik, und in allerletzter Sekunde, bevor es zu dem lauten Zusammenstoß kam, der in der ganzen Straße die Menschen zusammenzucken ließ, kam ihm, die hoffentlich erfolgversprechende, Idee.

Paloma versuchte die ungewöhnliche Situation bestmöglich zu organisieren. Sie schaute, während sie den kurzen, verbliebenen Weg zur Messe zurück legten, in die verschiedenen Kleidersäcke und verteilte sie auf die Damen, die diese mit immer noch verstörten Gesichtern entgegennahmen. Als Paloma die Mimik ihrer Kolleginnen registrierte, hielt sie schließlich in ihrer Tätigkeit inne und betrachtete sie prüfend. Sie sahen tatsächlich immer noch geschockt aus. Keine sprach und ihre Gesichter waren immer noch leichenblass. Ich muss sie überzeugen, dass es weiter geht, dachte sie verzweifelt. Sie war die Einzige die wusste, was Anna im letzten Jahr passiert war und wie schlecht es der für die Show verantwortlichen Designerin heute Morgen ging. „Mädels," begann sie eine kleine Ansprache, "Ich weiß, ihr habt euch erschreckt und wahrscheinlich steht euch gerade nicht wirklich der Sinn danach, euch auf eine Bühne zu stellen, aber ... Anna braucht uns.“ Sie blickte von einer zur anderen, sah ihnen flehend in die Augen und versuchte schließlich sie weiter zu motivieren. „Meint ihr, es geht? Für Anna hängt wahnsinnig viel davon ab. Sie baut auf euch ... “ Die weiteren Worte blieben ihr im Halse stecken, während sie bangend die Gesichter ihrer Kolleginnen betrachtete. Ihre Gedanken waren ganz bei Anna und der ihr drohenden Katastrophe.
Jasmin, die sich auch unter den Models befand, riss sich als erste zusammen. „Du hast recht, uns ist ja Gott sei Dank nichts passiert, also ... Ich bin dabei. Ich zieh mich schon mal um.“ Sofort begann sie sich in der Enge des Autos die Klamotten auszuziehen. Die anderen schauten einen Moment irritiert zu, begannen dann aber ebenfalls sich umzukleiden. Offensichtlich waren sie dankbar eine Aufgabe erhalten zu haben, die sie von dem gerade Erlebten ablenkte. Paloma schloss einen Moment erleichtert die Augen, wendete sich dann aber sofort ihrer nächsten Aufgabe zu.
Sie telefonierte mit Lanford. Nach kurzem Überlegen hatte sie beschlossen Natascha anzurufen, da Tom ja bereits unterwegs zur Messe war, Bruno eh nicht telefonieren würde und Virgins sensibles Herzchen eine solche Nachricht wohl nur schlecht vertragen würde. Also klingelte in Nataschas Büro das Telefon. „Lanford“ meldete sich eine weibliche, junge Stimme und Paloma schaute kurz irritiert auf ihr Display. Sie hatte die richtige Nummer gewählt. Dann fiel ihr ein, dass Paule ja häufiger für Natascha arbeitete und es somit auch nicht verwunderlich war, sie in diesem Büro anzutreffen. „Paule, bis du das?“, fragte sie nach und als das schließlich geklärt war, berichtete sie von dem Unfall und bat darum, dass Natascha doch dringend zum Unfallort fahren solle, damit Carsten, der ja lediglich Praktikant war, Unterstützung erhielt. Paule beruhigte ihrer Kollegin und versprach sich sofort persönlich darum zu kümmern.
Ein weiteres Stück entlastet, legte Paloma auf, als das Taxi auch schon vor der Messe, dem Veranstaltungsort des Foto-Calls, hielt. Sie bezahlte den Fahrer, während die anderen alle Kleidungsstücke, die herumflogen, zusammenrafften und in die Kleidersäcke stopften. Die Passanten vor dem Gebäude sahen erstaunt auf die Fracht, die das Fahrzeug transportiert hatte, spie es doch nur einen Moment nach dem Halt, sechs, nur im groben bekleidete, hübsche junge Damen aus, die schnell ins Gebäude liefen, um dort Schutz vor den interessierten Blicken zu finden. Paloma achtete darauf, dass alle beisammen blieben und dirigierte sie zu den Räumen, in denen sie sich eigentlich hätten umziehen sollen. Sie wurden von einem großen "Hallo", der Visagisten begrüßt, die bereits völlig ungeduldig und nervös von einem Fuß auf den anderen traten. Sie hatten nur noch eine halbe Stunde Zeit.
„Wo ist Anna?“ fragte Paloma sofort, nachdem sie einen suchenden Blick durch den Raum geschickt hatte, sie aber nirgends entdecken konnte. „Ich bin hier“, hörte sie Annas schwache Stimme aus der hintersten Ecke des Raumes, und als die Brünette hinter die vorbereiteten Schminkspiegel schaute, sah sie besorgt, dass Anna offensichtlich ziemlich erschöpft auf einem Stuhl saß. Sie hatte die Beine auf einen zweiten Stuhl gelegt und lehnte den Kopf gegen die Wand. Ein gequältes Lächeln überzog ihr Gesicht. „Gott sei Dank, seid ihr endlich da,“ sagte sie mit erleichterter Stimme, als sie sich mit Mühe aufrichtete und die Füße wieder auf den Boden stellte. „Ich habe schon befürchtet, dass sich das Desaster des letzten Jahres wiederholt.“ Paloma hockte sich vor ihre Freundin. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich mich um alles kümmere. … Wir wurden aufgehalten, aber jetzt sind wir ja hier.“ Nach einer kurzen Umarmung und einem aufmunterndem Blick versicherte sie Anna „Wir bekommen das hin.“ Dass sie einen Unfall hatten musste Anna ja nicht erfahren, zumindest jetzt noch nicht. „Aber was ist mit dir los? Bist du etwa schon wieder umgekippt?“ Ihre Stimme wurde zunehmend besorgt und ihr musternder Blick ebenfalls. „Na ja …“, Annas Gesichtsausdruck nahm wieder völlig ermattete Züge an. „Sagen wir, fast. Enrique hat mich aufgefangen, als mir schwindelig wurde und mich schnell hier her gebracht.“ Paloma war erschüttert. „Anna, das gefällt mir alles gar nicht. Ist denn irgendwas passiert?“ Anna zuckte mit den Schultern und schüttelte verwirrt den Kopf, während sie die Arme vor der Brust verschränkte und sich langsam zu Wiegen begann. „Ich weiß nicht. Ich habe mit Tom telefoniert, und alles war gut, und dann … Ich weiß es einfach nicht ... Aber ich hatte plötzlich so ein schlechtes Gefühl …“ Sie machte eine kurze Pause in ihrer stereotypen Bewegung. „Er ist immer noch nicht hier. Hast du ihn vielleicht gesehen? Weißt du etwas?“ Annas Stimme klang ängstlich, als sie mit gequältem Gesichtsausdruck hoffnungsvoll in Palomas Augen sah. Aber diese konnte erneut nur mitleidig mit dem Kopf schütteln. Annas Körper nahm den beruhigenden Rhythmus wieder auf, während ihr Blick stetig umher irrte. Sie hoffte wohl, dass der von ihr so sehr vermisste Mann, doch noch vor ihr auftauchte. Dann hielt sie erneut einen Moment inne und schaute Palome völlig hilflos an. „Es fühlt sich fast an wie letztes Jahr, als Jonas …“ Ihre brüchige Stimme versagte. "Zwei Tage noch" zogen die Worte, die ihr die grausame Wahrheit des letzten Jahres vor Augen führte, wieder einmal durch den Kopf. Sie schloss die Augen um gegen die Tränen anzukämpfen, die sich unaufhaltsam ihren Weg bahnen wollten.
Paloma war völlig entsetzt als sie begriff, wass Anna ihr da erzählte, sie nahm ihre Freundin erneut in die Arme und strich ihr beruhigend über den Rücken. Ihr kam das unterbrochene Gespräch mit Tom wieder in den Sinn, das sie bei der ganzen Aufregung völlig vergessen hatte, und sie wurde selber total unruhig. Hoffentlich ist da nichts passiert … Das würde Anna nicht überstehen. Als Anna sich wieder etwas beruhigt hatte, legte sie ihre Hand auf Annas Bein und sah sie eindringlich an. „Anna, es ist bestimmt alles gut. Wahrscheinlich steht Tom einfach im Stau, du kennst doch die Berliner Straßen. Süße, ich bin gleich wieder da, ich muss mal gerade sehen, wo Enrique ist, damit gleich alles glatt läuft. Und du ruhst dich einfach noch was aus,“ fügte sie mit strengem Ton hinzu. Aber hatte sie Protest erwartet, war sie in diesem Moment völlig falsch gewickelt. Anna nickte wie in Trance und wiegte sich weiter, vor und zurück, vor und zurück ... Mit einem bedrückten Blick auf ihre Freundin, verließ Paloma schnell den Raum, zückte ihr Handy und versuchte Tom zu erreichen, aber was sie da hörte, konnte sie nicht von ihren Sorgen erlösen. „The number you have dialed is temporarily unavailable.“

Paloma eilte den Korridor entlang und stand nur einige Sekunden später, in panischer Haltung, an der Tür des Raumes, indem der Empfang des Foto-Calls stattfand. Wo ist er denn, wenn man ihn mal braucht? fragte sie sich voller Ungeduld und scannte die Menschenmenge nach ihrem Freund und Vorgesetzten ab, der sich vermutlich inmitten dieses Trubels befand. Da löste sich jemand aus einer kleinen Menschentraube und kam auf sie zu. Gott sei Dank! dachte sie, als sie ihn erblickte. „Hey Paloma, da seid ihr ja, ist in der Umkleide alles in Ordnung? Gleich geht’s los!“ begrüßte Enrique sie strahlend und wollte ihr einen kurzen Kuss zur Begrüßung geben. Aber diese winkte ungeduldig ab, „Weißt du wo Tom ist? Hat er sich bei dir gemeldet?“ Der Marketing-Chef musterte sie. Was ist denn mit der los? Sie lässt sich doch sonst nicht aus der Ruhe bringen. Er kramte in seiner Hosentasche und warf einen Blick auf sein Handy. Stirnrunzelnd sagte er, „Tom hat versucht mich anzurufen. Das habe ich wohl überhört.“ Paloma stieß erleichtert die Luft aus „Gott sei Dank. Wann war das?“ Enrique rief die Daten ab und blickte verlegen. „Oh, das ist wohl schon länger her, hoffentlich war es nichts Dringendes.“ Sogleich drückte er die Rückruf-Taste und wartete auf das Signal, während er gebannt beobachtet wurde. „Er ist nicht erreichbar. Na ja, er müsste ja eigentlich gleich hier sein,“ antwortete er gelassen. Palomas Augen waren mittlerweile weit aufgerissen und kohlrabenschwarz vor Sorge. „Hey, was ist denn los?“ Enrique, der durch ihre Mimik verunsichert,  mittlerweile auch von Unruhe erfasst wurde, nahm sie in den Arm und ging mit ihr vor die Tür. „Ich weiß es nicht“, flüsterte sie stockend, als sie sich haltsuchend an die Wand fallen ließ. „Ich habe eben, als wir auf die Polizei und das Taxi gewartet haben, mit ihm telefoniert und dann hörte ich ein lautes Quietschen, … und dann war das Gespräch weg.“ Sie schaute ihn verzweifelt an. „Danach konnte ich ihn nicht mehr erreichen.“ Enrique fühlte sich schon wieder, als würde gerade alles an ihm vorbei laufen, denn er verstand gar nichts mehr. „Warum habt ihr auf die Polizei und ein Taxi gewartet? Und was soll das mit dem Telefonat?“ Paloma wurde völlig ungehalten, kapierte der Typ denn überhaupt nichts? „Wir hatten einen Unfall, aber das ist jetzt egal, uns geht’s gut und wir sind hier,“ antwortete sie unwirsch, „aber … Anna, ihr schlechtes Gefühl. Oh Gott ...“ Paloma riss die Augen auf und presste sich die Hand auf ihren Mund. "Der Knall, da war kurz nach dem Telefonat dieser irrsinnig laute Knall. Hoffentlich ... Wir haben ja mit unserem Auto die ganze Straße blockiert." Enrique schwante so langsam was Paloma ihm da gerade sagen wollte, denn auch Anna hatte, als es ihr so schlecht ging und er sie mit Mühe und Not aus dem Presseraum in die Umkleide gebracht hatte, etwas davon gefaselt, dass da etwas passiert war. Sie hatte auch mehrfach nach Tom gefragt. Aber er hatte ihre Bemerkungen nicht für so ernst gehalten, ihrer Nervosität zugeschrieben und sie daher etwas beruhigt und letztlich auf einem Stuhl abgeladen, damit sie wieder zu Kräften kommen konnte.
Paloma hatte während seines Gedankenausflugs weiter geredet. „Das abgebrochene Telefonat und die Tatsache, dass Tom noch nicht hier ist und wir ihn auch nicht erreichen können …“ Auf den Boden blickend versuchte sie die Tränen zurück zu halten, denn jetzt hatte sie selbst ein verdammt schlechtes Gefühl und sie spürte, wie ihr die Angst die Kehle zuschnürte. Angst davor, dass Tom was Schlimmes passiert war, und Angst davor was das für Anna bedeuten würde, wenn es der Wahrheit entspräche. Enrique stellte sich vor sie und hob ihr Kinn, damit er sie ansehen konnte. „Du glaubst ernsthaft das ihm was passiert ist?“ Jetzt schaute er voller Panik in die Augen seiner Freundin, die vorsichtig nickte. Nein, nicht Tom … Und ich habe Anna eben einfach alleine gelassen. Sorge und ein unglaublich schlechtes Gewissen ereilten ihn, aber er wollte stark sein. Irgendjemand musste schließlich ruhig bleiben. Er umarmte Paloma und strich ihr kurz über das Haar. Seine Gedanken rotierten, aber er wollte den Gedanken nicht an sich heran lassen. Seinem besten Freund sollte etwas zugestoßen sein? … Nein das konnte nicht sein, er würde sicherlich gleich kommen. „Wir wissen doch gar nichts. Weißt du was? Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren. Wir kümmern uns jetzt erst mal um unseren Termin und dann werden wir Tom aufspüren, ok?“ Er nahm sie an den Schultern und schob Paloma ein Stück von sich weg. Die Brünette schloss nochmal einen Moment die Augen und nickte schließlich. Sich eine Träne wegstreichend versuchte sie sich zu sammeln. „Gut, dann geh ich jetzt zu Anna und versuch sie auf den Termin einzustimmen und du bereitest hier alles vor und holst die Models ab?“ Sie schaute, noch einmal tief Luft holend auf ihre Uhr. „Wir haben nur noch eine viertel Stunde.“ Enrique nickte dankbar, und auch wenn aus seinen Augen auch ein kleiner Funke Verzweiflung blinkte, nickte er ihr zuversichtlich zu. „Alles wird gut“, flüsterte er leise, als sie im Halbdunkel des Korridors in verschiedene Richtungen davon gingen um sich schweren Herzens ihrer Aufgaben zu stellen.

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "35"   Sa Okt 05 2013, 10:09

Oh Mann, jetzt habe ich die letzten Teile ja noch einmal neu sortiert und ein bisschen umgeschrieben. Embarassed Ich bin nicht ganz sicher, ob ich es damit besser gemacht habe, aber ich hoffe zumindest, dass ihr der Story folgen könnt.
Vielleicht gebt ihr mir mal eine kleine Rückmeldung ...
Ein schönes Wochende!
************************************
Derweil lief Tom plan- und ziellos durch Berlin. Sein Kopf kannte nur einen Gedanken. „Anna.“ Aber wie er zu ihr kommen sollte, wo er war, wo sie war, wie er sie finden sollte? Das alles waren ungeklärte Fragen, die er sich aber auch gar nicht stellte. Viel zu weit war er der Realität entronnen, als das solch logischen Gedankengänge in seinem Gehirn hätten ablaufen können.

Ihn hatte, während er schon fast die Engelchen hatte singen hören, die Einsicht ereilt, seine Fahrtür zu öffnen und sich ohne sein geliebtes Auto zu retten. Aber sie war verklemmt gewesen, so dass er sich in einem zweitern Versuch mit seinem ganzen Körper gegen die Tür geschmissen hatte ... und Gott sei Dank, sie war aufgeschwungen, so dass er sich mit einem beherzten Satz auf die Straße hatte retten können, um sich dort sofort auf die Seite zu rollen und schützend die Arme über seinen Kopf zu halten. Und schon hatten ihn die Geräusche  der Zerstörung überrollt. Ein ohrenbetäubender Knall und Geräusche von zersplitterndem Glas und berstendem Metall hatten in seinen Ohren geschmerzt. Dann war Stille eingetreten. Wieder diese unnatürliche Stille, die einem nur dann in den Ohren schrie, wenn man zuvor von Reizen überfordert war. Ganz langsam hatte er seinen Kopf gehoben und gewagt einen Blick zurück zu werfen. Zurück auf den Ort, an dem er vermutlich sein Leben gelassen hätte, wenn er nicht doch noch rechtzeitig weg gekommen wäre. Zurück auf sein Auto, na ja, auf das was von ihm übrig geblieben war. Unter Schmerzen hatte er sich aufgerichtet und sich hingesetzt, den Blick unentwegt auf die Überbleibsel seines geliebten Porsches gerichtet. Er war vielleicht noch halb so lang, wie vor dem Unfall und sah aus wie ausversehen in die Presse geraten. Die Motorhaube war komplett unter dem LKW verschwunden und der Innenraum begann praktisch erst hinter den Vordersitzen. Erstarrt hatte Tom dagesessen, mitten auf der Straße … die sich nähernden Sirenen, ebensowenig realisierend, wie die zwei Männer, die offensichtlich unverletzt aus den beiden Fahrzeugen entflohen waren, die sein Auto zu Brei gemacht hatten. Gott sei Dank hatten die Fahrzeuge, die dieses ganze Desaster ursprünglich ausgelöst hatten, die Fahrbahn immer noch komplett blockiert, so dass Tom zumindest nicht in den entgegen gesetzten Verkehr gesprungen war und auch jetzt nicht mehr in Gefahr schwebte.
Die Situation und das Geschehene waren für ihn völlig unbegreiflich gewesen, doch hatte er sofort gewusst, dass er einen verdammt guten Schutzengel gehabt hatte. Er rappelte sich auf und stand letztlich, wenn auch etwas wackelig, auf seinen Füßen. Erneut waren ihm spotmäßig Bilder der Menschen vor Augen erschienen, die er liebte, und die er fast verloren hätte. Seine Freunde, seine Familie, seine Liebe. Anna hatte es ihn durchzogen wie ein Blitz. Sein eigenes Leben, seine große Liebe, ihre gemeinsame Zukunft ... fast hätte er alles verpasst. Und das, wo er sich doch seinem Leben gerade erst wieder geöffnet hatte. Bei dieser Erkenntnis war der Schock endgültig angekommen. Er hatte begonnen unkontrolliert zu zittern und schlagartig war es ihm bitterkalt geworden. Fröstelnd hatte er die Arme vor der Brust verschränkt, um sich vor der sich ihm unaufhaltsam überstülpenden Überforderung zu schützen.
Die Männer, die ihn mittlerweile erreicht hatten, redeten mit dem Willen ihn zu beruhigen auf ihn ein, wollten ihn dazu bringen sich hinzulegen und auszuruhen, so wie man das für die Erstversorgung eines Schockpatienten gelernt hat, aber Tom hatte sich geweigert, hatte  die Menschen abgeschüttelt, die es gut mit ihm meinten, und ehe sie sich versahen war er plötzlich verschwunden. Die Männer hatten in ihrer aufgeregten Hilflosigkeit wild darüber diskutiert, was jetzt zu tun sei, und währenddessen war Tom einfach losgelaufen. Als die Polizisten hinzukamen, die eigentlich zu dem Ursprungsunfall eilen wollten, war er nicht mehr aufzufinden.
Und jetzt lief Tom also durch die Straßen der Stadt, rempelte Menschen an, die hinter ihm her schimpften und kreuzte Straßen, ohne mit ausreichender Vorsicht zu sehen ob sie auch wirklich frei waren. Dass er nur knapp dem Tod entgangen war, hatte ihn in einen Zustand versetzt, der ihn nur noch funktionieren ließ. Allerdings war gerade nicht ganz erkennbar war, worin dieses Funktionieren bestand.
---------------

Begeisterter Applaus beantwortete die Zauberhaft-Entwürfe, die von Annas Kolleginnen so eben vorgeführt worden waren. Jetzt kam der schwerste Teil der Presse-Konferenz. Anna musste sich den Fragen der Presse stellen. Aber die Präsentation, die ihren Stolz geweckt hatte und die ganz offensichtlich positiven Reaktionen des Publikums hatten sie wieder zum Leben erweckt. Also begab sie sich vom Rand der kleinen Bühne in deren Mittelpunkt und lächelte freundlich in die Runde.
Paloma war es zu verdanken, dass Anna nun wirklich dort auf der Bühne  stand. Sie hatte es mit einiger Mühe tatsächlich geschafft Anna aus ihrem Trübsinn und ihren verzweifelnden Gedanken und Gefühlen zu reißen. Als sie in die Garderobe getreten war, hatte Anna immer noch wie ein Häufchen Elend in der hintersten Ecke des Raumes gesessen, aber die Brünette hatte ihre Freundin ohne zu Fragen an die Hand genommen und einer Visagistin übergeben. Während sie nachgeschminkt wurde hatte sie sie dann auf die Show eingeschworen. Sie hatte Anna gedrängt sich an die Ursprünge ihrer Kollektion zu erinnern. Sich noch einmal darauf zu besinnen was sie ihren Kundinnen für eine Botschaft vermitteln wollte und nach einiger Zeit des inneren Widerstands hatte diese sich endlich darauf einlasse können. Nach und nach waren ihre Gesichtszüge entspannter geworden und ein zaghaftes Lächeln war auf ihrem Gesicht erschienen. „Anna, es ist soweit. Lass uns gehen, und du erzählst den Menschen dort draußen von deiner Idee! Ok?“ hatte Paloma noch ein weiteren Motivationsversucht unternomenn. Anna hatte die Augen geöffnet und Paloma nervös, aber zugleich dankbar angelächelt. „Ja du hast recht ... los geht´s!“
Als sie dann den Presse-Raum betraten kündigte der Moderator gerade Zauberhaft an und gespannte Stille erfüllte den Raum. Enrique eröffnete. „Wir sind stolz ihnen heute einen Vorgeschmack auf die morgige Modenschau geben zu können. Die erste Kollektion von Zauberhaft by Lanford.“ Er lächelte Anna an, die gerade an die Bühne heran trat. „Begrüßen sie mit mir die Designerin, die uns ihre Gedanken und Ideen geschenkt hat, Anna Broda! Sie wird ihnen mehr erzählen können.“ Anna stieg nun ebenfalls auf die Bühne, trat zu Enrique, der sie kurz umarmte und sie noch einmal aufmunternd anschaute. „Danke", sagte sie leise. Sie wand sich dem Publikum zu und stieß die Luft aus. Anna sah in die erwartungsvollen Gesichter und begann zögerlich zu sprechen, aber als sie von ihrer Grundidee berichtete, kehrte ihre Sicherheit langsam zurück. Ihre Begeisterung, und ihre Überzeugung von ihrer Idee, waren deutlich zu spüren und damit überzeugte sie die Menschen. „Sich wohl zu fühlen ist doch die Grundlage seinen eigenen Weg und sich selbst zu finden, und das will ich mit meinen Kleidungsstücken unterstützen.“ Das waren die abschließenden Worte, mit denen sie beiseite getreten war und Platz für ihre Kolleginnen gemacht hatte, die ihren ersten Auftritt als Models ausgezeichnet erledigten.

Anna blickte nun erneut in die Runde. Vor ihr standen die vielen Journalisten und Fotografen, die ihre Stifte gezückt hielten und ihre Fotoapparate bereits eifrig klicken ließen. Ihr Herz pochte deutlich, aber das war in Ordnung, schließlich machte sie so etwas nicht alle Tage. Sie holte tief Luft. So Anna, deine Show, deine erste Zauberhaft-Kollektion. Stell dich der Meute. forderte sie sich noch einmal auf. „Vielen Dank." bedankte sie sich für den Applaus. "Ich hoffe, sie konnten sich einen ersten Eindruck von meiner Kollektion bilden. Was darf ich ihnen noch dazu erzählen?“ eröffnete sie die Gesprächszeit. Es wurden einige Fragen gestellt, die Anna alle routiniert beantwortete. Sie macht einen guten Eindruck. Sie wirkte souverän, aber natürlich und herzlich, wie es ihrer Natur entsprach. Enrique und Paloma, die neben der Bühne standen, lächelten sich erleichtert zu. Und da war die Zeit auch schon um. Der Moderator signalisierte der jungen Designerin, dass sie zum Ende kommen sollte. Anna nickte ihm verstehend zu und wollte gerade einige verabschiedende Worte sprechen, als eine weitere Frage an ihr Ohr drang. „Sagen sie, wie ist es für sie, jetzt ihre erste Zauberhaft-Kollektion vorzustellen? Eigentlich sollte das Label doch im letzten Jahr schon das Licht der Welt erblicken.“ Annas Blick schoss durch den Raum und eigentlich war es ja klar gewesen. Es war der Journalist, der sie zuvor schon mit so hämischen Fragen bedacht hatte und jetzt wiederholte er sie hier in aller Öffentlichkeit. Sie spürte wie ihr Puls in die Höhe schnellte und ihr die Röte ins Gesicht stieg. Was sollte sie sagen? Sie schaute kurz zu Enrique, aber der lächelte sie auffordernd an. Dann sah sie wieder auf. „Ja sie haben recht. Meine erste Kollektion sollte vor einem Jahr vorgestellt werden. Aber … „ sie senkte noch einmal kurz die Lieder,  „wahrscheinlich wissen sie alle, dass meine Kollektion im letzten Jahr gestohlen wurde und sie ist auch bis heute nicht wieder aufgetaucht.“ Sie machte erneut eine kurze Pause, versuchte die Worte sorgsam zu wählen. „Ich bin sehr froh, … und sehr dankbar, dass ich bei Lanford die Chance bekommen habe, meine Arbeit, die ich wirklich sehr liebe, fortführen zu können. Nur so ist es möglich geworden, dass ihnen Zauberhaft heute seine erste Kollektion „My way“ präsentieren kann.“ Sie stieß unauffällig die Luft aus, erleichtert, eine passende Antwort gefunden zu haben, die den Unfall und Jonas außen vor ließ. „Also, ich …“ begann sie ihre Verabschiedung, aber wieder schoss eine Frage dieses Schmierfinken dazwischen. Sie wollte eigentlich sofort unterbrechen, und auf die Zeit verweisen, aber seine Worte trafen bei ihr auf vorbereiteten Boden, so dass sie quasi erstarrt, nicht in der Lage war sich früh genug dagegen zu wehren. „Und wie geht es ihnen sonst? … Nur noch ein Tag …“ Der schmierige Typ legte eine kurze Pause ein, die seiner Frage die nötige Dramatik verlieh, die er offensichtlich erschaffen wollte. „Dann jährt sich der Todestag ihres Mannes. Er ist doch bei diesem Raub gestorben, wenn ich recht informiert bin.“ Anna riss die Augen auf und der letzte Rest ihrer Souveränität war dahin. „Nur noch ein Tag“, die Worte waren gewählt wie auf der Karte des makaberen Blumengebindes. Ihr schossen wieder einmal die verschiedenen Bilder von Jonas, Jonas Tod und von Jonas Beerdigung durch den Kopf, die sich mittlerweile fast in ihr Hirn eingebrannt hatten. Anna wurden die Knie weich und sie blieb bewegungslos stehen, um ihre Standfestigkeit ja nicht zu verlieren. In ihrem Kopf war außer Rauschen kaum noch was zu vernehmen und ihr Herz raste in wahnsinniger Geschwindigkeit. Erneut ließ sie heftig atmend ihren hilflosen Blick zu Enrique wandern, der ihr mit knappen Gesten signalisierte, dass sie sich Zeit lassen und die Ruhe bewahren sollte. Also versuchte sie sich nicht von ihren Gefühlen in die Knie zwingen zu lassen. Sie schaute über die Menschenmenge, blickte in mitleidige Gesichter von Gästen, die diese Frage scheinbar sehr unpassend fanden. Gleichzeitig ersah sie aber, dass sie von den meisten sehr genau beobachtet wurde. Schließlich war es die Presse, die da vor ihr stand, und die natürlich nur auf eine Sensation, eine Katastrophe oder eine herzzerreißende Geschichte wartete. Sie stockte einen Moment, war da nicht…? Das war doch Carla? aber da war die Frau auch schon wieder weg. Sie schüttelte sich innerlich, um sich wieder auf die Antwort zu besinnen, die man von ihr erwartete, als sie von einer Bewegung im Hintergrund abgelenkt wurde. Ihr Blick erhellte sich. Tom, da stand tatsächlich Tom und lächelte sie voller Liebe an. Dass der Mann, der dort gerade den Raum betreten hatte, völlig fertig aussah, realisierte sie nicht. Sie sah nur seine Augen und verspürte eine unglaubliche Erleichterung darüber, dass er da war. Dieses Gefühl verdrängte sogar ihre Panik. Sie wollte von dieser Bühne runter, zu ihm, also musste sie hier schnell zum Ende kommen. Sie wendete sich also wieder den Menschen zu, Gott sei Dank schnell genug, dass keiner der Pressefuzzies ihrem Blick gefolgt und den völlig zerschundenen Tom Lanford erblickt hatte, denn dann hätten sie ihre Story wohl gefunden und Zauberhaft wäre nur noch eine kleine Randnotiz gewesen. „Wie es mir geht, fragen sie? Na ja, das letzte Jahr war nicht ganz einfach, und gerade jetzt und hier, ist es sicherlich keine leichte Zeit für mich ... aber ich habe wunderbare Menschen in meiner Nähe, die immer für mich da sind und mich begleiten …“ Ihr Blick strich mit einem zaghaften Lächeln erneut kurz zu Tom, und bevor sie etwas hinzufügen konnte oder wiederum in eine unangenehme Frage verwickelt werden konnte, sprang Enrique herbei, bedankte sich für die Aufmerksamkeit und lud alle Anwesenden zur morgigen Show ein. Dann legte er den Arm um Anna und begleitete sie die Bühne herunter. Paloma fiel ihrer Freundin in den Arm und diese spürte, wie die Anspannung plötzlich abfiel und ihr die Kräfte endgültig schwanden. Paloma merkte, wie sich Anna an ihr festklammerte und führte sie, immer noch stützend zur Tür, bei der ihr Chef immer noch unbewegt stand und seine Freundin voller Stolz und Liebe betrachtete. Er hatte die Worte über Lanford und die lieben Menschen in ihrer Umgebung gehört, und es machte ihn stolz, denn manchmal konnte selbst Tom zwischen den Zeilen lesen.

Anna blickte auf und wollte nichts sehnlicher, als sich in seine Arme fallen zu lassen, aber in diesem Moment wurde die Tür aufgerissen und eine völlig aufgelöste Paule schoss in den Raum. „Tom, was machst du hier!“ rief sie aufgebracht. Enrique und Paloma sahen sich einen kurzen Moment verwirrt an, nickten sich dann aber entschlossen zu. Sie schoben alle Beteiligten zur Tür und schlossen diese schnell hinter sich, ehe die Pressemeute, die glücklicherweise gebannt auf die nächste Präsentation schaute, etwas von dem Trubel mitbekommen konnten. Ihnen war im Gegensatz zu Anna nämlich nicht entgangen, dass Tom ziemlich abgerissen aussah. Und Paules Auftritt ...? Zumindest standen sie nicht mehr in aller Öffentlichkeit, sondern in einem Korridor, in dem die Journalisten nichts zu suchen hatten. Und alles andere würde sich hoffentlich jetzt aufklären.

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...


Zuletzt von katha am Di Okt 08 2013, 21:14 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
Carla3939

avatar

Anzahl der Beiträge : 217
Anmeldedatum : 09.05.13

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Okt 05 2013, 17:41

huhu Katha ich finde deine umgeschriebenen Teile richtig super super aber bei dir könnte ich suchen ohne Ende und würde sowieso nicht's mieses finden idontknow . Also von mir ein fettes
Dankeeeee Alles liebe und ein schönes Wochenende Embarassed Carla

_________________
"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
Nach oben Nach unten
Carla3939

avatar

Anzahl der Beiträge : 217
Anmeldedatum : 09.05.13

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Okt 05 2013, 17:50

Ach ja bin dabei Minis Fantasy Story zu lesen hast Recht der Anfang ist etwas schwierig aber sehr schön geschrieben werde es auf jeden fall weiter lesen.Danke für den Tipp Razz Lg. Carla

_________________
"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Sa Okt 05 2013, 20:29

Hey Carla,
danke für dein Lob Embarassed , und schön, dass du die Fantasystory liest. Ich finde sie hat es verdient gelesen zu werden. super 

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "36"   Di Okt 08 2013, 22:57

Ok, und schon wieder sind 1 1/2 Stunden rum. Und ich habe lediglich einen bereits bestehenden Teil überarbeitet. Rolling Eyes  Aber jetzt muss ich dringend schlafen. Also, Gute Nacht!  Sleep
*********************************
Da standen sie also im dämmrigen Flur und wurden für einen Moment von einer völligen Stille eingenommen, während sie versuchten die verwirrende Situation irgendwie zu begreifen. Anna und Tom waren beide völlig erledigt und lehnten sich ermattet gegen die gegenüber liegenden Wände des Ganges, während Paule aussah, als ob sie jeden Augenblick explodieren würde. Sie beobachtete Tom sprachlos, der seine Augen starr auf Anna gerichtet hatte. Er hatte sein Ziel erreicht. Er hatte Anna gefunden, aber obwohl er sich an ihrem Anblick festhielt, begriff er die Situation nicht wirklich. Er registrierte nicht, dass sie nicht gut aussah, wie sie ihm dort gegenüberstand und sich mit zittrigen Händen über das Gesicht rieb, ehe sie fast panisch die Luft einsog, und er war sich wohl auch seiner eigenen Verfassung nicht bewusst. Enrique und Paloma warfen sich einen ahnungslosen Blick zu und zuckten ratlos mit den Schultern und dann hielt Enrique diese Ungewissheit nicht mehr aus und durchbrach als erstes die seltsame Stille. Er war es leid, ständig der Depp zu sein, der nicht wusste was gerade passierte, und so drückte sein Gesicht auch völliges Unverständnis aus. „Also, kann mir jetzt mal jemand sagen, was hier eigentlich los ist?“, fragte er ungehalten, aber ehe seine Frage die Umstehenden wirklich erreichen konnte, hatte auch Paule ihre Sprache wieder gefunden. „Tom, was machst du hier?“ wiederholte Paule ihre schon einmal gestellte Frage fassungslos. Ihre Stimme war nach wie vor mit Dramatik unterlegt, wenn sie auch etwas an Lautstärke verloren hatte. „Ich habe dein Auto gesehen. Du hättest tot sein können ..." Sie schüttelte ungläubig den Kopf",und ich finde dich hier auf der Pressekonferenz Lanfords?“ Paule brach ihre versuchte Standpauke ab und beobachtete Tom plötzlich voller Sorge, denn der hatte bei ihrer Ansprache zwar seinen Kopf zu ihr gedreht, bedachte sie jedoch mit einem völlig ausdruckslosen Blick, der sie aufschrecken ließ. Was macht Paule denn hier für einen Wind? fragte sich Tom gerade. Er fühlte sich, als ob er, sich selbst total entrückt, neben sich stände und diese Situation von außen betrachtete. Ein seltsames Gefühl. Erst nachdem er sich ihre Fragen durch den Kopf gehen ließ, fiel es ihm wieder ein. Der Unfall, ich hätte tatsächlich tot sein können ... Und wieso bin ich hier? Bruchstückhafte Bilder der letzten Stunde durchfluteten seinen Kopf, fügten sich aber dummerweise zu keinem kompletten Film zusammen. Trotzdem näherte er sich langsam seiner selbst wieder an. Sein Blick glitt zu der jungen Frau, die ihm gegenüber an der Wand lehnte und er wusste zumindest eines. Wegen ihr bin ich hier. Ich habe zwar keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, aber sie ist der Grund, warum ich her gekommen bin. Ehe er weiter darüber nachdenken konnte, was wirklich alles passiert war, seit er seinem eigenen Inferno entkommen war, fühlte er wie Paule ihre Arme um seinen Hals schlang und sich an ihn schmiegte. „Ich bin so froh, dass dir bei dem Unfall nichts passiert ist … Dass du noch da bist.“, flüsterte sie mit zitternder Stimme. Ihre Aufregung war mittlerweile der unendlichen Erleichterung gewichen, ihren Bruder leibhaftig vor sich stehen zu haben. Tom zögerte noch einen Moment irritiert und betrachtete die Umstehenden mit skeptischen Blicken, aber langsam fanden seine Gedanken und Gefühle wieder Eingang in seinen Körper und ihm wurde bewusst, was hier gerade passierte. Er legte die Arme um seine Schwester und zog sie eng an sich. Für einen Moment schloss er die Augen und genoss es, ihr so nah zu sein wie ewig nicht mehr. „Ich bin hier“, flüsterte er immer wieder, um sie und gleichsam sich selbst zu beruhigen, denn mit der Auflösung seines Schockzustandes wurde er spontan von seiner eigenen Erschöpfung überrollt. Als er die Augen wieder öffnete, schaute er geradewegs auf Anna und ein schwaches Lächeln erschien auf seinen Lippen. Da war sie, die Frau die ihm das Wichtigste war, weswegen er scheinbar Strapazen auf sich genommen hatte, die man nur im Zustand geistiger Umnachtung auf sich nehmen konnte, wenn man gerade fast zermalmt worden wäre. Er wollte in ihre wunderbaren Augen sehen, um sich die Sicherheit zurückholen, die er brauchte, um wieder ganz in die Realität einzutauchen, aber als sie ihn endlich ansah, ließ ihn ihr Blick erschaudern.
Anna hatte zuvor ihren Kopf gegen die Wand gelegt und die Augen geschlossenen. Sie hatte krampfhaft versucht auf den Beinen zu bleiben, obwohl sie die Ohnmacht, die nach ihr greifen wollte, fast als verführerische Alternative begrüßt hatte. Endlich alles ausblenden und sich der völlig überfordernden Welt entziehen, das hatte was ... aber dann waren die die Worte Paules an ihr Ohr gedrungen. Sie hatte schockiert die Augen geöffnet und Tom einer genaue Musterung unterzogen. Sein Gesicht, das trotz eines vorsichtigen Lächelns eine gewisse Ausdruckslosigkeit in sich trug, war blass und am Kinn zierte eine unschöne Schürfwunde sein Antlitz. An seiner Schulter war der Ärmel seines Jacketts ausgerissen und der ganze Anzug war irgendwie schmuddelig, zerknittert und von Flecken übersät. Die Handgelenke Toms waren aufgeschürft und mit gerade getrocknetem Blut bedeckt, und auch auf seinen Schultern zeigten sich Risse und Löcher in seiner Bekleidung, die zum Teil mit mittlerweile braun geronnenem Blut umrändert waren. Was hat Paule gesagt, er hätte tot sein können? Panik überflutete Anna, trieb ihren Blutdruck, der sich eben noch so angefühlt hatte, als wolle er schlafen gehen, wieder zu Höchstleistungen an. Mein Gefühl hat mich nicht betrogen, ihm ist wirklich was Schlimmes passiert … durchzog es ihre Gedanken, und der Adrenalinstoß, der ihren Körper überflutete, ließ sie wieder zu Kräften kommen. Ich will das alles nicht mehr. Ich kann das nicht mehr. Ich muss hier raus, schrie es in ihr und ohne weiter darüber nachzudenken, nahm sie ihre Beine in die Hand und verschwand, ohne noch einmal zurückzublicken durch die Glastür am Ende des Korridors.

Tom war Annas musternden Blicken gefolgt, hatte sich selbst inspiziert und war völlig perplex, wie er aussah und welche Blessuren er davon getragen hatte, denn bislang hatte er nichts davon wahrgenommen. Aber ehe er intensiver in sich hinein horchen konnte, ob er sonst noch Schmerzen hatte, realisierte er die Panik, die Anna ins Gesicht geschrieben stand, und dann lief sie auch schon davon. „Nein!“ schoss es aus seinem Mund und sogleich schob er Paule, die noch immer an seiner Brust lehnte, ein Stück von sich fort, um seiner Freundin hinterher zu laufen. Aber Paule hinderte ihn mit eisernem Griff daran. Vermutlich hätten ihn seine Beine auch nicht mehr weit getragen. Tom sah verzweifelt von dem jetzt leeren Flur zu seiner Schwester und dann Hilfe suchend zu seinen Freunden. Aber diese waren ebenfalls völlig entsetzt. Sie hatten sich absichtlich im Hintergrund gehalten um Tom und Paule erst einmal Zeit zu lassen, denn offensichtlich hatten sich ja tatsächlich dramatische Dinge ereignet, aber dabei war auch ihnen entgangen, wie schlecht es Anna ging und wie überfordert sie auf die gehörten Worte reagiert hatte.  Erst als Tom hinter ihr hergerufen hatte, war ihnen bewusst geworden, dass ihnen erneut einer ihrer Freunde abhanden kam.
„Ich kümmere mich um sie!“, rief Paloma nach dem sie die neue Situation erfasst hatte, während sie auch schon den Gang hinunter lief und versuchte Anna einzuholen. Aber als sie den Korridor verlassen hatte, war von ihrer Freundin schon nichts mehr zu sehen. Sie wollte bestimmt raus an die frische Luft, ging es ihr durch den Kopf und sie rannte die Treppen hinab. Als sie hinaus in die Sonne trat, kniff sie die Augen zusammen um sich an das helle Licht zu gewöhnen. Sie sah von rechts nach links, sah sich suchend um, aber von Anna war nichts zu entdecken, sie war wie vom Erdboden verschluckt. „Verflucht“ stieß sie aus und ging zügig auf ein paar Leute zu, die vor der Tür standen. Aber auch diese Hoffnung wurde enttäuscht, Keiner hatte die kleine blonde Frau gesehen. Mit schüttelndem Kopf und sorgenvoller Miene ging sie zurück zu den anderen und der Anblick, der sich ihr hier bot, zog ihr das Herz zusätzlich zusammen.
Tom saß an die Wand gelehnt auf dem Boden und weinte verzweifelte Tränen. Paule hatte ihn in den Arm genommen und versuchte ihn zu trösten, während Enrique hilflos davor hockte und mit einer tröstenden Hand auf Toms Rücken immer noch versuchte, das alles zu verstehen. Als Paloma herantrat, hob Tom voller Hoffnung den Kopf, aber diese zuckte nur entschuldigend die Schultern, und so wurde er von einer neuen Flutwelle von Tränen überrollt. Alles, was er seit dem Unfall im Schock gefangen gehalten hatte, prasselte nun, nachdem Anna weggelaufen war, in voller Wucht auf ihn nieder. Sie war sein einziger Gedanke gewesen, nachdem er sich schon im Nirwana gesehen hatte. Sie war doch der Grund warum es sich zu leben lohnte ... und jetzt war sie einfach weg.
Paule drückte Tom fest an sich und strich ihm immer wieder beruhigend über den Rücken, bis das Beben des großen zusammengesunkenen Bündels, das sie im Arm hielt, etwas nachließ. Erst dann traute sie sich die Frage zu stellen, die sie und auch die anderen Beiden schon die ganze Zeit  beschäftigte. „Was ist denn überhaupt passiert?“  Tom setzte sich langsam auf. Er wischte sich verlegen über sein gerötetes, von Tränen genässtes Gesicht und schniefte einige Male, bis ihm Paloma ein Taschentuch hinhielt, das er dankend annahm und sogleich benutzte. Er schaute von einem zum anderen und versuchte seine Gedanken zu sortieren, versuchte den Anfang dieser ganze Tragödie zu erkennen, der nach seinem persönlichen Empfinden bereits eine Ewigkeit zurücklag, obwohl es sich doch eher um einige Stunden handelte.
„Da war dieses Friedhofsgebinde …“ begann er zu erzählen. „Welches Friedhofsgebinde?“ fragte Enrique sofort nach, dieses Mal wollte er es wirklich verstehen, aber sofort erntete er einen bösen Blick von seiner Freundin, denn Tom sollte doch erst einmal erzählen. Aber der sah ihn nur kurz an und gab ihm die gewünschte Erklärung. „Anna hat gestern ein Blumengebinde geliefert bekommen. Eine schwarze Rose und weiße Lilien. Ich habe es erst heute Mittag durch Zufall entdeckt." Er ignorierte die entsetzten Blicke der Umstehenden und redete weiter. "Ich bin dann voller Sorge losgerast, wollte möglichst schnell hier sein ... Bei ihr sein. Und dann waren da plötzlich die roten Lichter …“ Er brach ab und durchlebte die Situation des Unfallhergangs noch einmal. Sein Brustkorb begann sich hektisch zu heben und zu senken und Paule legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. Die Drei warteten völlig angespannt darauf, dass er wieder zu ihnen zurückkam. Tom atmete einige Male tief ein und aus, legte seine Hand auf Paules und sah sie dankbar an. „Was war mit den roten Lichtern?“, fragte sie sanft nach. „Ich hatte gerade mit Anna telefoniert.“ Toms Lippen verzogen sich zu einem kurzen Lächeln, „und dann waren da die Lichter. Ein LKW stand plötzlich vor mir." Er schloss einen Moment die Augen und sagte dann leise. "Ich dachte schon, jetzt wäre es vorbei. … Aber ich konnte gerade noch Bremsen. Mein Auto hatte sich zwar mit dem LKW verkeilt, aber mir war nichts passiert. Und dann, als ich gerade verstanden hatte, dass tatsächlich alles gut war und ich aussteigen wollte, sah ich den Kleinlaster von hinten auf mich zurasen.“ Erneut schoss sein Puls in die Höhe und forderte seine geschwächte Konstitution. Und erst nach einigen Sekunden brachte er die nächsten Worte unter äußerster Anstrengung heraus. „Ich bin in letzter Sekunde aus dem Auto gesprungen.“ Er brach seine Erzählung ab und versuchte sich zu beruhigen, während Paule ergänzte. „Der Porsche sieht aus, wie in die Presse geraten.“ Sie wendete sich Paloma zu. „Der LKW musste wegen eures Unfalls stehen bleiben, deshalb habe ich Toms Auto überhaupt gesehen. Ich war gerade mit Natascha auf dem Weg zu Karsten.“ Paloma riss die Augen auf und dieses Mal war es Tom, der völlig verwirrt war. Noch ein Unfall? fragte er sich, als Paule ihn sanft anstieß, offenbar hatte sie ihn was gefragt. „Was?“ fragte er ausdruckslos. „Wie bist du eigentlich hierher gekommen?“ Tom überlegte einen Moment, aber er wusste lediglich, dass er irgendwann losgelaufen war. „Ich weiß nicht genau … Ich glaube ich bin gelaufen.“ antwortete er ratlos. „Aber wovon hast du gerade geredet?“ Er richtete seinen fragenden Blick auf Paloma. „Ihr hattet auch einen Unfall?“ Sie nickte fast verlegen, war ihr Unfall doch im Gegensatz zu seiner Tragödie eine wirkliche Lappalie, und dass er außerdem der Auslöser für die dramatischen Folgeerscheinungen war, machte es auch nicht besser. „Auf dem Weg hierher ist uns ein Auto in die Fahrerseite geknallt. Karsten hat noch versucht auszuweichen, aber da war es schon zu spät.“ Sie sah ihn mit bedrücktem Blick an. Tom erwiderte diesen aber ohne jede Spur von Groll, was sie scheinbar erwartet hatte. Ganz im Gegenteil sah er eher sorgenvoll aus. „Und? Ist euch etwas passiert?“, fragte er vorsichtig, und hoffte nicht noch eine schlechte Nachricht zu erhalten. „Uns geht es so weit allen gut. Karsten tat die Schulter weh, aber sonst …  Deshalb habe ich auch gedacht, dass wir trotzdem herfahren sollten. Ich wollte Anna ersparen erneut ohne Models hier zu stehen.“ Da fiel ihr ein, dass ihre jungen Kolleginnen bestimmt noch in der Garderobe saßen und auf eine Rückmeldung und weitere Anweisungen warteten. „Oh Gott, ich muss mal in die Garderobe zu den anderen.“ Und schon war sie verschwunden. Tom sah ihr gedankenverloren hinterher. Bei der Erwähnung von Karstens Namen hatte er einen Moment skeptisch die Augen zusammen gezogen, aber er ließ den Gedanken, der sich ihm aufdrängen wollte, schnell wieder fallen, nicht zuletzt, weil er gerade gar keinen Nerv hatte sich mit dem Praktikanten zu beschäftigen.

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Fr Okt 11 2013, 22:01

Na, da habe ich doch gerade den letzten Teil noch einmal gelesen und einen dicken Bock gefunden. Da waren wohl irgendwie Textteile durcheinander geraten. Embarassed 
Ich hoffe, jetzt stimmt wieder alles Smile

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "37"   Fr Okt 11 2013, 22:34

So, und noch ein kurzer Teil hinterher!
*****************************

Enrique stieß geräuschvoll die Luft aus, auch ihm war das alles was viel. „Und jetzt?“, fragte er zögerlich. Tom rappelte sich mühevoll auf. „Ich muss Anna finden“, versuchte er seinen Abgang dieses Mal vorzubereiten, aber Paule war immer noch in keinster Weise bereit ihn gehen zu lassen. Sie hakte sich bei ihm ein und sagte mit bestimmtem Ton, „Du fährst jetzt mit mir ins Krankenhaus und lässt dich ordentlich durchchecken und vorher machst du mit Sicherheit nichts anderes. Wenn ich ohne dich, oder zumindest der Nachricht, dass es dir gut geht, zurück zu Lanford komme, reißt mir Papa den Kopf ab. Der macht sich bestimmt sowieso schon verrückt.“ Sie schaute Tom tief in die Augen und dieser sah ein, dass er gegen den sturen Kopf seiner Schwester sowieso keine Chance hatte. Aber trotzdem machte es ihn wahnsinnig, dass er nicht wusste, wo Anna war. Hilfe suchend schaute er in die Augen seines besten Freundes, der ihn verstehend anlächelte. „Ich werde Paloma gleich losschicken Anna zu suchen und ich kümmere mich hier um alles andere. Fahrt ihr mal ins Krankenhaus. Und Tom ...", fügte er hinzu, "Ich bin froh, dass dir nichts passiert ist.“ „Danke“, sagte Tom leise, als sich die Freunde kurz in den Arm nahmen, dann ging Enrique zur Garderobe und ließ die Lanford-Geschwister zurück.
----------------

Die Sonnenstrahlen, des wettertechnisch gesehen schönen Tages, verflüchtigten sich bereits, als Tom endlich hoffnungsvoll die Goldelse betrat, obwohl es realistisch betrachtet unwahrscheinlich war, dass Anna in der Zwischenzeit aufgetaucht war. Man hätte ihn ja sicherlich informiert. Er sah sich suchend um, aber als er dem sorgen- und zugleich hoffnungsvollen Blick von Annas Mutter begegnete, die nach dem Öffnen der Tür sogleich ihren Kopf durch die Anreiche gesteckt hatte, wusste er, dass es noch keine Entwarnung gab. Anna war immer noch verschwunden. Mit einem tiefen Seufzen ließ er sich neben Enrique und Paloma auf einem Stuhl nieder. „Nichts?“, fragte er resigniert. „Nichts“, antwortete Paloma leise. Sie schaute ihn entschuldigend an. „Aber was ist mit dir? Ist alles in Ordnung?“

Im Krankenhaus hatten sie ewig warten müssen, was Tom fast in den Wahnsinn getrieben hätte, nur um dann nach einer viertel Stunde wieder vor dem Behandlungszimmer zu stehen. Bis auf einige kleinere Abschürfungen und oberflächliche Fleischwunden, die von herumfliegenden Glas- und Metalllacksplittern rührten, hatte man ihm völlige Gesundheit bescheinigt. Allerdings hatte man ihn ermahnt, sich auszuruhen. Ein solch traumatisches Erlebnis mit einem anschließenden Schock, den er ganz sicher gehabt hatte, wie seine immer noch vorhandenen Erinnerungslücken an seinen Weg zum Messezentrum belegten, wäre für einen Körper eine wahrliche Strapaze, die irgendwann ihren Tribut zollen würde. Aber diese strengen Worte waren natürlich völlig an Tom abgeprallt. Ausruhen würde er sich, sobald er Anna gefunden hatte, aber vorher bestimmt nicht. Er hatte sich von Paule noch nach Hause bringen lassen, wo er sich vorsichtig neue Klamotten über seinen geschundenen Körper gezogen hatte und war dann sogleich ins bereitstehende Taxi gestiegen, um hier her zu kommen. Zwischendurch hatte er mindestens 10 Mal versucht Anna telefonisch zu erreichen, aber jedes einzelne Mal war, nachdem er mit klopfendem Herzen auf den Klang ihrer Stimme gewartet hatte, nur die Mailbox angesprungen.

Tom bestätigte Palomas Frage mit einem Kopfnicken. „Bei mir ist alles gut“, sagte er wortkarg, ehe er sein Gesicht in seinen Händen verschwinden ließ.
Oh man, dem geht es aber überhaupt nicht gut, dachte sie, als sie ihren Chef genauer betrachtete, und hätte auf ihrer Prioritätenliste die Sorge um Anna nicht ganz oben gestanden wäre er sicherlich ein Kandidat für die Spitzenposition gewesen. Seine folgenden Worte verfestigten ihren Eindruck noch. „Mann, ich mach mir solche Sorgen um Anna … Es ist erst ein paar Tage her, da waren wir so glücklich, und jetzt? Diese komischen Vorkommnisse, die alle mit Jonas zu tun haben, ihre ständigen Schwindelattacken, ihr Rückzug von mir und jetzt taucht sie völlig unter …  Hoffentlich geht es ihr gut.“ Paloma dachte an den Morgen zurück, und ehe sie es zurückhalten konnte, hatte sie ihre Gedanken bereits ausgesprochen. „Und sie ist ja heute schon mal zusammengebrochen.“ Tom sah sie entsetzt an. „Wann“, flüsterte er leise und kämpfte gegen den dicken Kloß an, der sich in seinem Hals bildete. Paloma schallte sich innerlich für ihre Dummheit. „Anna ist heute Morgen in Ohnmacht gefallen, deshalb habe ich sie auch abgeholt.“, gab die Brünette beschämt zu verstehen. „Du solltest dir keine Sorgen machen, deshalb wollte sie nicht, dass ich dir etwas erzähle“, ergänzte sie ihre Ausführungen und sah verzweifelt zu Enrique, der ihr tröstend die Hand auf den Arm legte, bevor er das Sprechen übernahm. „Und heute Nachmittag beim Empfang hatte sie einen erneuten Schwindelanfall. Ich glaube sie hat gespürt, dass du ...“ Er stockte kurz, suchte andere Worte, „Sie hat die ganze Zeit davon gesprochen, dass was passiert sei und ständig nach dir gefragt.“ fügte Enrique hinzu, und als Paloma jetzt das Glitzern in Toms Augen vernahm, wollte ihr gutes Samariterherz mit ihrem Verstand um die Neuverteilung ihrer tröstenden Anteile feilschen. Er tat ihr so leid.
Tom schüttelte den Kopf und schloss kurz die Augen. Konzentrier dich, Anna braucht dich, versuchte er sich auf die aktuelle Situation zu konzentrieren. Sie mussten sie einfach finden. „Wo warst du überall?“, fragte er mit etwas festerer Stimme als zuvor, fest entschlossen selber aktiv zu werden. „In der Firma, in der Ego-Bar, auf dem Dach, im Park, bei deiner Wohnung, hier … Mir fällt einfach nichts mehr ein und ich habe überall Bescheid gegeben, dass man mich anruft, wenn sie auftauchen sollte.“ „Und ans Telefon geht sie auch nicht“, fügte er ihrem Bericht noch hinzu. Paloma schüttelte den Kopf und hob Annas graue Tasche von dem Stuhl neben sich und hielt sie in die Höhe, „das kann sie auch nicht. Die lag noch in der Garderobe.“ Tom rieb sich noch einmal angestrengt die schmerzenden Augen und überlegte. Was würde ich tun? Er versuchte nochmal nachzuvollziehen, was alles passiert war, um zu verstehen, was in ihr vorging, und so langsam fügte sich ein Bild zusammen. Nachdem was Anna die letzten Tage bereits durchgemacht hatte, war die Nachricht von seinem „Fast-Tod“ vermutlich der berühmte Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hatte. „Sie muss völlig verzweifelt sein.“ kam es ihm über die Lippen und er dachte daran, wie lange er selbst vor seiner Angst davon gelaufen war, und diese war nie so konkret geschürt worden, wie bei Anna in den letzten Tagen. Da hatte er plötzlich einen Gedankenblitz. "Ich weiß, wo sie ist!"

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "38"   So Okt 13 2013, 22:25

Es klingelte, und klingelte, und klingelte … Doch das störte die brünette Designerin nicht, die gerade in ihrem Badezimmer stand und ihr Gesicht einer genaue Musterung unterzog. Das sieht doch alles sehr passabel aus, dachte sie und lächelte sich zufrieden an, nachdem sie Fältchen gezählt, vereinzelte falsch liegende Härchen gezupft und jede einzelne Zone ihres Gesichtes nach Unreinheiten abgesucht hatte. Ich hab jetzt keine Zeit dachte sie genervt, war die Person, die vor der Tür stand und um Einlass bat, doch mehr als hartnäckig. Carla ignorierte es weiterhin und trug eine Gesichtsmaske auf. Eigentlich ging sie ja lieber in ihr favorisiertes Studio um sich in die Hände ihrer fachkundigen Kosmetikerin zu begeben, aber da sie mit ihrem selbst auferlegten Zwangsurlaub nicht so recht was anzufangen wusste, außer, ihrer Meinung nach, geniale Pläne zu schmieden und die entsprechenden Aufgaben zu delegieren, damit sie selbst nicht in die Schusslinie geriet, hatte sie heute, nachdem sie völlig gefrustet von ihrem kleinen Ausflug zurückgekommen war, beschlossen sich etwas Gutes zu tun. Wenn schon ihr Seelenleben nicht die Genugtuung erhielt, die sie seit Tagen erwartete, sollte wenigstens ihr Körper vor Perfektion glänzen. Und wenn sie sich damit auch ihrer inneren Ruhe wieder annähern würde, wäre das ja eine prima Begleiterscheinung. Sie wendete sich schließlich von ihrem Spiegelbild ab und prüfte die Temperatur des Badewassers, das sie sich gerade eingelassen hatte. Da zerstörte ein weiteres Klingeln nun doch ihre mühsam aufgebaute Fassade der Zufriedenheit und ihre vor Zorn und Verzweiflung kochende Verfassung trat wieder ungehindert zum Vorschein. „Verfluchte Scheiße, kann man nicht einmal hier seinen Frieden finden? Welcher Idiot wagt es, mich so zu bedrängen.“ Sie schoss durch ihre Wohnung und riss die Wohnugstür auf.

„Sie?“, keifte sie den jungen Mann an, der sie ebenfalls wutentbrannt anschaute und dabei ihren mehr als komisch wirkenden Aufzug ignorierte. Bevor sie ihre Salve an Beleidigungen, die ihr auf der Zunge lagen, abfeuern konnte, drängte sich Carsten durch die Tür und begann seinerseits sie anzufahren. „Sind sie eigentlich völlig bescheuert? Was ist ihr Plan? Wollen sie uns alle umbringen, nur damit sie ihrer Rache bekommen? Anzeigen sollte ich sie, das grenzt an Körperverletzung, was sie hier veranstalten.“ Carla schaute perplex hinter ihm her, traute sich doch selten jemand, so einen Ton gegen sie zu richten und dann noch jemand, den sie völlig sicher in der Hand zu haben schien. Sie schloss beiläufig die Tür und nach einem kurzen Moment, in dem ihr tatsächlich die Worte fehlten, zogen sich ihre Augenbrauen gefährlich zusammen, was durch die weiße Creme-Schicht, die sich auf ihrer Stirn zu seltsamen Hügeln zusammenschob allerdings etwas lächerlich aussah. In gefährlich leisem Ton zischte sie zurück. „Was fällt ihnen denn ein? Sie wissen genau was passiert, wenn sie nicht mitspielen. Und was wollen sie mir überhaupt unterstellen?“ Carsten musterte die Brünette, die in ihrem Morgenmantel, den flüchtig hochgesteckten Haaren und ihrem weißen Geistergesicht vor ihm stand. „Sie wollen mir doch jetzt nicht erzählen, dass sie mit dem Unfall, den wir heute hatten, nichts zu tun haben, oder? Den Fahrer, der komischerweise sofort das Weite gesucht hat, haben sie uns doch geschickt“, sagte er immer noch zornig, aber in etwas ruhigerem Ton, denn Carlas Aufzug gab ihm irgendwie das Gefühl ihr überlegen zu sein. Sie grinste hämisch zurück „Und wenn? Können sie es mir beweisen? Und überhaupt, ist doch nichts passiert ... Die Models waren doch alle bei der Pressekonferenz. Ich habe es selbst gesehen.“ Über diesen Sachverhalt war sie mehr als angefressen, das merkte man gleich und die Schuld dafür gab sie natürlich ihrem Handlanger. „Und was war denn eigentlich mit ihnen? Wollten sie sich nicht was einfallen lassen? Warum ist die Broda immer noch im Spiel?“, schoss sie zornig hinterher. Karsten schüttelte angewidert den Kopf . „Vielleicht hatte ich ja einen viel effektiveren Plan, den ich dank ihnen nicht umsetzen konnte“, konterte er wieder lauter werdend zurück. „Ich musste mich nämlich mit der Polizei rumschlagen und dann ins Krankenhaus, denn ich habe was abbekommen.“ Dabei zeigte er auf seinen Arm, den er angestrengt locker herabhängen ließ, da er, nachdem man ihm seine Schulter wieder eingerenkt hatte, elende Schmerzen hatte sobald er sich bewegte. Das mit dem eigenen Plan entsprach zwar nicht der Wahrheit, denn er hatte keine Idee und eigentlich auch keine Lust gehabt, die Mädels an ihrem Auftritt beim Foto-Call zu hindern, aber das musste er seiner Auftraggeberin ja nicht aufs Brot schmieren. „Na wer´s glaubt … Und was soll überhaupt die Dramatik, ob ich sie alle umbringen wollte? Bei diesem kleinen Schubser ist ja wohl keiner ernsthaft zu Schaden gekommen. Er sollte lediglich dafür sorgen, dass ihr nicht rechtzeitig ankommt.“ Sie war es also wirklich. Sie hat wirklich einen Unfall arrangiert, dachte Carsten geschockt. Er war sich zwar vorher schon fast sicher gewesen, aber es aus ihrem Mund zu hören, machte ihn noch wütender, als er es zuvor schon gewesen war. „Gott sei Dank ist außer mir keinem was passiert, schließlich können diese Frauen nichts für ihre dämlichen Rachegelüste“, schoss es aus ihm heraus. Er mochte seine neuen Kollegen, und dass jetzt sogar völlig Unbeteiligte mit in diesen völlig unsinnigen Kleinkrieg gezogen wurden, den Carla da veranstaltete, machte ihn rasend. Es kotzte ihn total an gegen Anna vorzugehen, aber er hatte immer noch keine Möglichkeit gefunden, sich den Strick, der um seinen Hals lag anders zu entfernen, als die Spielchen dieser intriganten Person, die ihn behandelte wie einen Fußabtreter, mitzuspielen. Aber zumindest hatte er eine Nachricht, mit der er sie heute ein wenig schockieren konnte. Da war er sich sicher und jetzt wäre doch der optimale Zeitpunkt dafür. Ein kleines Grinsen zog über sein Gesicht. „Aber sie selbst hätten fast das verloren, was sie doch soo sehr begehren", flötete Carsten schadenfroh. Carla ging zu ihrer Bar und goss sich in aller Ruhe ein Glas Wasser ein. Sie betrachtete Carsten wieder mal mit ihrem so typischen überheblichen Blick. „Und? Was sollte das sein?“ Ihre Stimme, ihre Mimik, alles verriet wie lästig es ihr war sich mit solch einem Loser wie ihm abgeben zu müssen. Carsten hielt ihrem provozierenden Gehabe aber völlig cool stand und antwortete trocken. „Es gab einen Folgeunfall, bei dem fast jemand gestorben wäre.“ Carla nahm ihr Glas, drehte sich zum Fenster und sah gelangweilt hinaus über die Dächer der Stadt. Sie maß seinen eben gesprochenen Worten keine Bedeutung zu. „Pfff, was kann ich dafür, wenn irgendwelche Idioten kein Auto fahren können“, antwortete sie ohne eine Spur von Erschrecken oder gar Mitgefühl. Carsten bedachte sie mit einem musternden Blick und sprach dann langsam und sehr deutlich „Der Idiot, der sich gerade noch retten konnte, bevor sein Auto zusammengepresst wurde wie eine Ziehharmonika, war ihr heiß geliebter Chef." Er legte eine kurze Pause ein und beobachtete die lächerliche Figur, in ihrer so langsam, sowohl äußerlich als auch innerlich bröckelnden Maske. Ihr Gesicht schoss herum. "Tom?" brach es leise aus ihr heraus. "Hätte sie das wirklich kalt gelassen, an seinem Tod Schuld zu sein?“, fragte Karsten geradeheraus. Fast triumphierend beobachtete er ihr Entsetzen. Jetzt, wo sie mit sich selbst beschäftig war, konnte er endlich mal seine Meinung äußern und das tat er mit Genuss. „Wissen sie was, sie kotzen mich an. Ich werde keinen Finger mehr für sie rühren.“ Damit ließ er sie stehen und begab sich zur Wohnungstür. „Sie wissen was sie morgen zu tun haben, ansonsten …“ Die Worte, die ihm drohen sollten, klangen fast hysterisch, was von der Unsicherheit zeugte, die er mit seiner Nachricht hervorgerufen hatte. Mit einem hämischen Lächeln auf dem Gesicht ließ Carsten sie unkommentiert im Raum verhallen und schloss leise die Tür hinter sich. Das hat doch mal Spaß gemacht!
----------------

Das Taxi hielt vor einem eisernen Tor und Tom drückte dem Fahrer schnell einen großen Geldschein in die Hand. Es war viel zu viel, aber das war ihm gerade völlig egal. Er war voller Unruhe und hatte es entsprechend eilig. Als er ausstieg, bekam er gerade noch so mit, dass der Fahrer ihn fragte, ob er auf ihn warten solle. Offenbar fragte der sich nämlich, was man abends im Dunkeln an diesem Ort wollte. Vermutlich erhoffte er sich auch eine gut bezahlte Rückfahrt, denn sein Fahrgast hatte ja gerade unter Beweis gestellt, dass es ihm auf den Euro oder auch zehn oder zwanzig nicht ankam. Aber dieser winkte schnell ab. „Nein, nein, fahren sie ruhig“, sagte Tom unwirsch und schlug die Tür, des bereits etwas in die Jahre gekommenen Mercedes, hinter sich zu. Er wartete bis das Taxi davon gerauscht war, bevor er sich dem hinter ihm befindlichen Tor zuwendete. Eigentlich war es ein großer Torbogen, der von einer alten hohen Mauer aus Bruchsteinen eingerahmt war, die im Laufe der vielen Jahre, die sie wohl schon hier stand, eine grünliche Färbung angenommen hatte. An der Mauer hing ein Schild: Parkfriedhof - Wir schließen den Zugang bei Anbruch der Dunkelheit. Tom betrachtete die Worte und dachte nur Warum eigentlich? Den Toten ist es sicherlich egal wann man kommt. Auf jeden Fall war der Einbruch der Dunkelheit lange überschritten und somit war das Tor auch lästigerweise verschlossen, wie Tom schnell feststellen musste. Er betrachtete es genauer und war erleichtert, dass das gusseiserne Kunstwerk, das unter dem Torbogen zu erkennen war, zwar in der Mitte relativ hoch zu einem verschnörkelten Kreuz zusammenlief, aber seine Höhe zu den Mauern hin verlor. Das würde gehen. Er schaute sich kurz in der kleinen Seitenstraße um, in der er sich befand, und da kein Mensch zu sehen war, umfasste er schnell die Stäbe des Tores und stieg darüber.
Er ging ein paar Schritte in die Dunkelheit hinein, die lediglich noch von der Straßenlaterne hinter sich ein wenig erhellt wurde. Das Licht warf einen Lichtkegel, in dem seine Figur einen großen Schatten malte, bis er letztlich völlig von der Dunkelheit verschluckt wurde. Von jetzt auf gleich fühlte sich Tom wie erblindet und er spürte wie der Rhythmus seines Herzschlags einen Zahn zulegte. Er blieb einen Moment stehen, damit sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnen konnte und stieß angespannt die Luft aus.
Diese stille, fast unheimliche Atmosphäre, die Friedhöfe so an sich haben, war wohl überall gleich und sie griff sofort nach ihm. Eigentlich sollten die Seelen hier ihre Ruhe und die Hinterbliebenen, einen Ort zum Trauern und Abschied nehmen finden. Es sollte ein Ort sein, der letztlich tröstete, aber Tom selbst hatte dieses Empfinden über lange Zeit in keinster Weise nachvollziehen können. Seine Gedanken flogen in die Vergangenheit, zur Fannis Beerdigung und die Gefühle der damaligen tragischen Episode seines Lebens holten ihn ein, waren so präsent, als wäre es erst gestern gewesen. Sein Herz zog sich zusammen und schmerzte in seiner Brust, dabei lag das Geschehene doch bereits viereinhalb Jahre zurück. Es war einfach grauenvoll gewesen. Diese Gewissheit, dass Fanni dort in dieser Holzkiste lag und in ein tiefes Loch hinab gelassen wurde, aus dem es kein Zurück mehr gab, hatte ihn fast in den Wahnsinn getrieben. Es war ihm so falsch vorgekommen. Alles war ihm so falsch vorgekommen. Am liebsten hätte er damals alle Menschen, die ihn auf diesem Weg des Abschiedes begleiteten, angeschrien und vertrieben. Was hatten sie für ein Recht diese Frau zu verbuddeln, was für ein Recht da zu sein? Es war seine Frau, seine Liebe, die dort lag. Er war derjenige, der den wirklichen Verlust erlitten hatte und sich unverständlicher- und ungerechterweise von allem verabschieden musste, was ihm wichtig war im Leben.
Tom schüttelte abwehrend den Kopf, um die ihn überrollenden Gedanken aufzuhalten und holte sich entschlossen zurück aus diesen erdrückenden Erinnerungen. Heute war er aus einem anderen Grund auf diesem Friedhof, heute ging es um das Leben, darum den Tod und die damit verbundene Trauer und Verzweiflung zu besiegen. Er war sich fast sicher, dass er Anna hier finden würde, und er wusste aus eigener Erfahrung wie schlecht es ihr vermutlich gerade ging.
Er selbst hatte damals einen anderen Weg gewählt, war jahrelang gar nicht auf den Friedhof gegangen, da er es einfach nicht ertragen hatte an Fannis Grab zu stehen und schließlich hatte er seine Vergangenheit, aus der sein kaltes und trostloses Leben resultierte, völlig ignoriert. Erst nachdem er Anna getroffen hatte, er ihr in dieser intensiven Begegnung auf dem Dach Dinge gesagt hatte, die scheinbar aus seinem Innersten gekommen waren; dem Bereich seines Körpers, den er seit ewigen Zeiten abgeschirmt hatte wie einen Hochsicherheitstrakt, hatte er den Weg zurück zu Fanni gefunden. Bei seinem ersten Besuch, nach ewig langer Zeit, hatte er ihr noch geschworen, sich nie wieder zu verlieben, ihr auf ewig treu zu bleiben, aber das war wohl nur sein letztes inneres Aufbegehren vor dem unaufhaltsamen Schicksal gewesen, was er aber erst einige Zeit später akzeptieren konnte. Erst als Fanni ihm auf Sardinien, dem Ort ihres Abgangs von der irdischen Bühne, ihren Segen für eine glückliche Zukunft mit auf den Weg gegeben hatte, hatte er sich endlich , auf den für ihn vorgegebenen Weg begeben.
Stop rief sich Tom gedanklich zu, als er immer weiter in seine eigene vergangene Geschichte abtriftete. Es geht hier nicht um mich. Es geht um Anna. Er holte tief Luft und besann sich auf das hier und jetzt.
Er betrachtete seine Umgebung, die sich in grautönenden Konturen um ihn herum aufbaute und nur durch die roten Grablichter, die in regelmäßigen Abständen auf den aufgereihten Gräbern standen, unterbrochen wurde. Was hatte Paloma gesagt? ’Den Hauptweg entlang, an der dritten Wegkreuzung links rein und dann das letzte Grab in der hintersten Grabreihe.’
Er ging also über den breiten, gepflasterten Weg, der im Mondenschein noch relativ gut zu erkennen war und schaute sich nach den Kreuzungen um. Die erste, die zweite, … auch wenn er ein gestandener Mann war und ein klares Ziel vor Augen hatte, musste er sich eingestehen, dass er die Situation irgendwie unheimlich fand. Es war so unnatürlich still und immer weiter in das Labyrinth der Grabfelder hineinzugehen war ein seltsames Gefühl. Er ging leise, versuchte die Ruhe nicht zu zerreißen, denn das gehörte sich wohl so auf einem Friedhof, noch dazu in dieser Dunkelheit. Er wollte den Schlaf der Toten nicht stören - welch obskurer Gedanke eigentlich.
Ah endlich, da ist die dritte Kreuzung. Erleichtert, seinem Ziel näher zu kommen, bog er ab. Aber er stockte. Der Weg, der nur noch halb so breit war, wie der vorherige, wurde auf der linken Seite von einer Baumreihe abgegrenzt, die das sowieso schon schwache Mondlicht nun völlig abschirmte. Erneut blieb er stehen und hoffte, dass seine Augen nach einer kurzen Zeit der Gewöhnung mehr erkennen würden. Langsam, fast tastend, ging Tom weiter. Sein Herz begann heftig zu schlagen, kam er dem Ort an dem er Anna finden wollte doch immer näher. Er orientierte sich an den Grablichtern und wusste letztlich, dass er seinem Ziel nur noch drei Gräber entfernt war. Hoffentlich ist sie auch hier, dachte er nervös und schritt jetzt wieder etwas zügiger voran. Aber dabei wurde er unachtsam und blieb an einer Grabumgrenzung hängen. Er konnte sich mit einem flüchtigen „Verdammt!“, so gerade noch fangen. Wild kreischend flogen einige aufgeschreckte Vögel davon und ließen ihn zusätzlich zusammenzucken. Er blieb stehen und versuchte seinen Schreck zu verdauen, schaute sich aber gleichzeitig schon suchend um. Seine Zuversicht Anna hier zu finden, wurde mit jedem Schritt den er weiter in diese Dunkelheit marschierte kleiner. Bin ich eigentlich völlig bescheuert? Was soll Anna denn hier in dieser Dunkelheit? Und wie lang soll sie schon hier sein? Plötzlich kam ihm sein Unternehmen ziemlich albern vor. Wahrscheinlich ist sie in der Zwischenzeit längst aufgetaucht, und nur ich irre hier noch herum. Aber das war Quatsch, schließlich hatte Paloma ihm extra ihr Handy mitgegeben, und das hatte bislang keinen Mucks von sich gegeben. Er sah sich um, konnte aber nichts und niemanden erkennen, fand in der Dunkelheit kein Zeichen von Annas Anwesenheit. Toms Herz wurde immer schwerer. Unsicher brachte er die wenigen Schritte hinter sich, bis er schließlich vor dem letzten Grab stand. Er versuchte die Inschrift zu erkennen. Tatsächlich, er war angekommen. „Jonas Broda“ stand da. Einen Moment schaute er weiter auf den Stein. „Zeit vergeht, Liebe bleibt“, konnte er entziffern. Tom lächelte. Diese Inschrift stammte von Anna, da war er sicher. Und er wusste, dass sie mit den Worten recht hatte. Jetzt wusste er es, nachdem er endlich Frieden mit Fanni und seiner Vergangenheit geschlossen hatte. Sie selbst hatte ihn darin unterstützt seine Vergangenheit zu akzeptieren und sich seiner neuen Liebe zu öffnen. Aber warum zweifelte jetzt scheinbar Anna daran? Er hoffte sehr, sie von der Möglichkeit ihrer glücklichen Zukunft überzeugen zu können ... so wie sie es einst geschafft hatte, ihn zu überzeugen. Aber wo war sie? Warum stand oder saß sie nicht am Grab ihres Mannes, wie er es fast vor sich gesehen hatte? Völlige Verzweiflung nahm ihn in Besitz, schnürte ihm zunehmend die Brust zusammen und nahm ihm mit einem dicken Kloß im Hals fast die Luft zum Atmen.

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
Mini_2010

avatar

Anzahl der Beiträge : 804
Anmeldedatum : 04.07.12

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mo Okt 14 2013, 22:02

Oh Mann, auch wenn ich die Teile schon kenne, die sind immer noch so traurig und deprimierend, dass es einem das Herz zusammenzieht. Wann kommt denn endlich wieder ein bisschen Licht für die beiden.

Meine Güte, du warst ja ziemlich fleissig - im Gegensatz zu anderen Schreibern hier. Ich will ja keine Namen nennen Embarassed Da muss ich wohl mal was dran ändern ...

Freu mich auf mehr, meine Liebe

Liebe Grüße, Mini 

_________________
„Vor dem Schicksal zu fliehen,
ist manchmal der beste Weg,
um zu sich selbst zu finden.“
Nach oben Nach unten
Carla3939

avatar

Anzahl der Beiträge : 217
Anmeldedatum : 09.05.13

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Mo Okt 14 2013, 23:49

Da gebe ich Mini recht ist echt traurig.Aber wie heißt es so schön,nach Regen folgt Sonne.Liebe Katha ich warte schon sehnsüchtig auf die ganz neuen Teile!!!!!!! aber ich bin ja ganz gut in Geduld üben Rolling Eyes Lg.Carla

_________________
"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Di Okt 15 2013, 15:12

Hallo ihr Beiden,
danke, dass ihr euch mal wieder meldet. Das tut gut. Offensichtlich kennen die Leser meine Geschichte tatsächlich alle schon, aber da ich keine Lust habe im Audl-Forum weiter zu schreiben, ich aber die Teile auch nicht unbearbeitet neu einstellen will, werdet ihr euch leider noch ein wenig gedulden müssen. Aber ich kann euch versichern, dass ich auch bereits an der Fortsetzung arbeite, die mir allerdings nicht so richtig von der Hand gehen will. lesemist  Von daher ist es ganz gut, dass ich noch ein wenig Zeit habe.
Ich drück euch und bitte euch weiterhin um ein bisschen Geduld Embarassed 

Liebe Grüße
Katha

Ach ja, die Lichtblicke ... Hm, ihr wisst es ja bereits, sie blitzen immer mal durch hallo  , auch wenn sie noch ein bisschen an Kraft tanken müssen ...

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
Carla3939

avatar

Anzahl der Beiträge : 217
Anmeldedatum : 09.05.13

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   Di Okt 15 2013, 17:00

Liebe Katha,ist ja nicht so schlimm ich lese einfach eure älteren FF Smile immer und immer wieder.
Liebe Grüße Carla
Und wie heißt es so schön:Vorfreude ist die schönste Freude Razz 

_________________
"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "39"   Di Okt 15 2013, 22:17

Und da geht es auch schon weiter ... Drama, sag ich da nur
*******************************

Tom ließ sich erschöpft auf den Boden sinken und bemühte sich mit regelmäßigen Atemzügen gegen seine Verzweiflung anzukämpfen. Er ließ den Tag, der schon so viele dramatische Höhepunkte gehabt hatte, nochmal Revue passieren. Erst seine morgendliche Verunsicherung durch den Blumengruß, der ihm die abstruse Idee eines Nebenbuhlers beschert hatte; dann seine Unruhe, weil Anna morgens einfach nicht im Atelier aufgetaucht war; dann die Offenlegung des Blumengrußes, als ein mehr als abscheuliches Erinnerungspaket; da war sein Unfall, den er so grade überlebt hatte, seine im Schock erfolgte Suche nach Anna und letztlich ihr panischer Abgang. Und dann hatte er auch noch erfahren müssen, dass Anna bereits zwei Schwächeanfälle erlitten hatte. Sein Körper und seiner Psyche waren ziemlich am Ende, vor allem, weil das Alles nach einer Nacht geschehen war, die ihm ebenfalls die Ruhe verwehrt hatte. Zitternd vor Sorge und Erschöpfung saß er dort und ließ die Tränen einfach laufen, die sich unaufhaltsam ihren Weg bahnten. Was soll das nur alles? Warum ergeht es uns so? fragte er sich mutlos. Haben Anna und ich nicht schon genug erlitten in unseren jeweiligen Leben, dass wir jetzt erneut mit so viel Verzweiflung kämpfen müssen. Wir haben uns doch gerade erst gefunden … Vielleicht war es bei allen Verwirrungen und Missverständnissen immer noch zu leicht, um einfach nach vorne zu schauen und glücklich zu sein? Fragen über Fragen quälten Tom und sogen ihn in einen Strudel, der ihn in die Tiefe reißen wollte. Aber kurz bevor er von seiner Verzweiflung verschlungen und der Rückweg unmöglich wurde, rief er sich in Erinnerung, dass er Anna finden musste ... Er konnte doch jetzt nicht aufgeben. Also mobilisierte er noch einmal all seine Kräfte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Als sein Blick sich langsam wieder weitete, fiel sein Blick auf das Grab vor dem er saß und er las erneut die Inschrift des Steines. "Jonas Broda" 
Er saß an Jonas Grab, seinem einstigen Kontrahenten, mit dem er sich bei ihren wenigen Begegnungen mehr schlecht als recht verstanden hatte. Tom kam sich plötzlich ziemlich mies vor, ausgerechnet an seinem Grab zu hocken und vor Sorge um seine einstige Frau zu weinen. Auch wenn er mit dem Raub der Kollektion und mit dem Überfall, bei dem Jonas zu Tode gekommen war, nichts zu tun hatte, war es doch Lanford, und allen voran Carla und er gewesen, die dem Label der Brodas den Krieg angesagt hatten. Und das hatte bis heute eine schalen Beigeschmack in seiner Beziehung zu Anna. Trotzdem flehte er den Verstorbenen an, denn er war völlig ratlos was er noch tun konnte. „Bitte hilf mir“, flüsterte er mit zittriger Stimme. "Du hast ihr gesagt, dass sie wieder lieben soll. Sogar, dass sie mit mir glücklich werden kann, hast du ihr gesagt ... obwohl wir uns nicht mochten … Verdammt wo ist sie denn nur? Was soll ich nur tun?“

Er stand mit einem tiefen Seufzer auf, ignorierte seinen schmerzenden Körper und versuchte sich wieder auf das aktuelle Problem zu konzentrieren. Paloma!, vielleicht weiß sie mittlerweile mehr, überlegte er und zog hektisch das Handy aus der Hosentasche, aber nichts. „Scheiße“, fluchte er leise, denn er musste seinen Gefühlen, die ihn zu ersticken drohten, endlich ein Ventil geben. Er warf einen letzten Blick auf das Grab, „Es tut mir leid“, flüsterte er Jonas zu und war sich dabei selbst nicht ganz sicher, ob er sich für die Aktionen gegen Zauberhaft oder für seine scheinbare Unfähigkeit Anna glücklich zu machen, entschuldigte.
Da erhellte sich plötzlich seine Umgebung und er schaute verwirrt nach oben. Die Wolken, die den Himmel bedeckt gehalten hatten, waren aufgebrochen und hatten den hellen Mondenschein durchgelassen, als wollte ihm jemand ein bisschen Licht in seine tiefe  Dunkelheit schicken. Schnell sah er sich um, vielleicht fand er ja doch noch einen Hinweis auf Anna. Er betrachtete die drei Gräber und den Weg, auf dem er stand, ehe er seinen Blick weiter über das kleine erleuchtete Wiesenstück wandern ließ, das hinter den Gräbern angelegt war und bis zur nächsten Baumreihe reichte. In der Mitte des Rasens lag etwas, vermutlich ein Gedenkstein, dachte er bei sich, und wollte sich enttäuscht abwenden, weil von Anna keine Spurz zu sehen war. Aber irgendetwas hielt ihn zurück. Anstatt den Rückweg anzutreten, betrat er die Wiese und schritt langsam auf den dunklen Fleck zu. „Anna!“ rief er schließlich aus. Er rannte die letzten Meter und tatsächlich, sie war es. Klein zusammengekauert lag sie da. Sie sah aus, als ob sie in völliger Verzweiflung eingeschlafen war, oder aber… . Sein Herz begann wild zu schlagen und seine Atmung wurde hektisch. Aber daran wollte er gar nicht denken. Er kniete sich schnell zu ihr und strich ihr vorsichtig ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Er hielt seine Hand vor ihre Nase und stieß erleichtert die Luft aus, die er in seiner Angst unbemerkt angehalten hatte. Sie atmet, dachte er erleichtert. Sanft strich Tom ihr über die Schulter den Arm hinab. „Anna, wach auf.“ Ihr Arm war schon ganz kalt, was auch nicht verwunderlich war, schließlich trug sie immernoch das ärmellose Kleid, das für einen heißen Sommertag bestimmt war. „Anna, wach doch auf“, wiederholte er seine Worte und schüttelte sie leicht, und endlich regte sie sich. „Ich will das nicht mehr“, murmelte sie und drehte sich auf den Rücken. Ihr Gesicht sah gequält aus, offenbar war sie immer noch in ihren Zweifeln und Ängsten gefangen, die sie bereits nachmittags zur Flucht getrieben hatten. Ein schmerzender Stich durchzog Toms Herz, er wollte nicht, dass sie so litt. Entschlossen legte er erneut die Hand auf ihre Schulter und schüttelte sie nun etwas energischer. „Anna, aufwachen!“ sprach er sie nun lauter an und klatschte ihr zusätzlich ein paar Mal locker auf ihre Wangen. Da riss Anna plötzlich die Augen auf und schaute völlig verwirrt in sein Gesicht. „Tom?“ krächzte sie. „Ja Anna, ich bin hier.“ Sie rieb sich die Augen und setzte sich mit seiner Hilfe auf. Ihr Blick flog umher, suchte nach Orientierung und Verständnis der Situation, und dann hatten sich ihre Erinnerungslücke scheinbar wieder geschlossen. „Nein, ich will das nicht mehr. Ich kann nicht mehr“, stieß sie heftig aus und sprang mit einem Satz auf, um erneut davonzulaufen. Tom war völlig überrumpelt, denn damit hatte er überhaupt nicht gerechnet. Ganz im Gegenteil hatte er geglaubt, dass sie viel zu schwach sei, um überhaupt zu laufen. Aber er brauchte nur einige Sekunden um die Situation zu erfassen. Schnell stützte er sich vom Boden ab und folgte ihr. Kurz bevor Anna das Ende der Wiese erreichte, hatte er sie eingeholt. Er umschlang sie von hinten und hinderte sie daran weiter zu laufen. Anna schlug wild um sich und versuchte mit aller Macht, sich aus seiner Umarmung zu winden. Tom hoffte, dass sie endlich aufgab, aber als sie einfach nicht aufhörte, und er auch schon das ein oder andere Mal schmerzhaft von ihren Armen und Beinen getroffen worden war, schnauzte er sie schließlich an, „Anna, jetzt hör auf und sprich endlich mit mir!“ Er drehte sie entschlossen zu sich herum und versuchte ihr in die Augen zu schauen, die voller Verzweiflung waren. Ihr Blick setzte ihm schwer zu und sogleich war sein kurz aufgewallter Zorn wieder verflogen. Er versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, wie er sie beruhigen konnte, während Anna weiter, wie ein in die enge getriebenes Tier, versuchte einen Ausweg zu finden.
Anna hatte ihm nur kurz in die Augen gesehen und seine wütende Stimme und sein zorniger Blick, trieben sie weiter zur Flucht. Sie wurde fast hysterisch. „Lass mich los!“, schrie sie ihn an und versuchte mit aller Macht sich aus seinem fesselnden Griff zu lösen. Da spürte sie plötzlich seine Lippen auf ihrem Mund und riss völlig verdattert die Augen auf. Tom hatte sich einfach nicht anders zu helfen gewusst. Er wollte sie aus ihrer Panik befreien und endlich mit ihr Reden und außerdem tat es ihm selbst unendlich weh, sie so fest zu halten. Aber den Griff lösen und sie erneut flüchten lassen, wollte er auch nicht. Schließlich war ihm ein einziger Gedanke in den Sinn gekommen. Ein Kuss.

Anna war für einen Moment erstarrt, schaute ihm verwirrt in die Augen, während er sie sanft aber bestimmt küsste. Langsam wurde sie von der Energie seiner Liebkosung erfasst und sie spürte, wie sich ihre quälenden Gedanken langsam in Luft auslösten. Sie schloss die Augen und gab sich dem Kuss hin, der immer intensiver wurde. Sie legte ihre Hände um seine Hüfte und zog ihn an sich. Sie suchte mit aller Leidenschaft die Befreiung aus ihrer inneren Pein. Ihr Herz klopfte, als wenn es aus ihrer Brust springen wollte, und es durchzog sie wie ein Stromschlag als Tom seinen Griff lockerte und sie seine warmen Hände auf ihren nackten Armen spürte. Anna ließ ihre Hände unter sein Shirt gleiten und nachdem sie seinen Rücken ausgiebig liebkost hatte, wanderten sie weiter zu seinem Hosenbund. Tom stöhnte leise auf bei ihren Berührungen und der energiegeladenen Leidenschaft, der er zum Ausbruch verholfen hatte, aber als sie die Initiative ergriff um den nächsten Schritt zu tun, schrillten seine Alarmglocken in den höchsten Tönen, auch wenn er alles andere als abgeneigt war, sie hier und jetzt zu spüren. Er löste sich sanft aber bestimmt von ihr und zog sich ein Stück zurück. Er hielt ihre Hände in seinen und schaute sie schwer atmend an. „Stop … Anna, nicht hier … und jetzt.“ stotterte er, noch völlig erschlagen von seinen Gefühlen und seiner Erregung, die er erst mal wieder unter Kontrolle bringen musste. Annas Brustkorb hob und senkte sich ebenfalls in schnellem Takt und ihr leidenschaftlicher, begehrender Blick wechselte übergangslos in die absolute Verzweiflung.
Sie ließ sich auf den Boden sinken und begann hemmungslos zu weinen. Sie zog die Beine an, umschlang sie mit den Armen und versteckte ihr Gesicht vor Tom. Sie war plötzlich erschrocken über sich selbst. Ihre Angst, ihre Flucht vor dem Menschen, den sie doch so sehr liebte, und vor allem dieser Gefühlsausbruch, hier mitten in der Nacht auf dem Friedhof ... Sie hatte das Gefühl sich selbst überhaupt nicht mehr im Griff zu haben und sie schämte sich für ihr Verhalten. Tom setzte sich neben sie und zog sie liebevoll in seine Arme. Er hielt sie einfach nur fest und ließ ihr den Raum, den sie brauchte um sich zu beruhigen, während er erleichtert aufatmete. Endlich lässt sie mich an sich heran. Endlich ist sie bei mir. Nach und nach wurde das Schluchzen leiser und das Beben ihrer Schulten ließ nach. Beruhigend strich er über Annas Rücken und wartete darauf, dass sie sich ihm zuwendete. Nach einiger Zeit warf sie ihm tatsächlich einen zaghaften Blick zu und ihre vom Weinen und der Verzweiflung gezeichneten Augen trieben ihm erneut einen tiefen Stich durch sein Herz. „Erzählst du mir jetzt mal, was los ist?“ fragte er sie sanft. Und Anna versuchte erst einmal selbst Klarheit über das Geschehen zu erlangen. Tom beobachtete sie aufmerksam, während er Palomas Handy zückte und ihr einen entschuldigenden Blick zuwarf. „Ich muss mal kurz Entwarnung geben, es gibt nämlich einige Menschen, die sich große Sorgen um dich gemacht haben.“ Anna nickte ihm beschämt zu. „Es tut mir leid“, presste sie leise hervor.
Sie lehnte gedankenverloren an seiner Brust, während er Paloma anrief und ihr nur kurz mitteilte, dass er Anna gefunden habe und es ihr soweit gut ging. Nachdem das erledigt war, betrachtete er die junge Frau in seinen Armen und fragte leise „Es ist alles wieder hoch gekommen, oder?“ Anna nickte. Zögerlich begann sie zu sprechen. „Es wiederholt sich … Alles wiederholt sich ... Tom was ist wenn du …?“ Anna wagte es nicht den Satz auszusprechen. Erneut liefen ihr die Tränen über das Gesicht. Sie spürte die unendliche Trauer um Jonas und außerdem eine unbeschreibliche Angst, dass auch Tom wieder aus ihrem Leben verschwinden würde. Tom drückte sie an sich „Schh, Schh“ versuchte er sie zu beruhigen. Endlich hatte er die Bestätigung aus ihrem Munde, dass es nicht nur um Jonas ging. „Anna, ich werde bei dir bleiben. Ich verspreche es dir.“ Anna schluchzte erneut auf und sah ihn vorwurfsvoll an. „Das hat Jonas auch gesagt, er wollte mich beschützen, immer für mich da sein, und dann … von jetzt auf gleich war er weg. Und du … . Ich habe heute gespürt, dass dir was passiert ist. Es war wie damals … Paule hat gesagt, du hättest tot sein können ...“ Tom stiegen mittlerweile ebenfalls die Tränen in die Augen. Bis zum heutigen Tag war er davon ausgegangen, dass Anna viel stärker war als er, dass sie Jonas Tod verarbeitet hatte. Aber sie teilte seine Ängste und seine Sorgen, die auch ihn immer wieder an seine Grenzen stießen ließen. Einerseits fand er diesen Gedanken tröstlich, aber andererseits ...
Er schüttelte energisch den Kopf, nein er wollte sein Leben und ihr gemeinsames Leben nicht mehr von Zweifeln bestimmen lassen, das war ihm nach den heutigen Geschehnissen klarer als je zuvor. „Ja Anna,“ er drehte vorsichtig ihren Kopf zu sich, so dass er sie ansehen konnte. „Paule hatte recht. Ich hätte tot sein können. Aber ich bin es nicht. Ich bin hier! ich bin bei dir!“, sagte er energisch. Dann schaute er einen Moment nachdenklich in die vereinzelten Sterne, die am Himmel leuchteten. „Was heute passiert ist, ist wohl eine Frage der Betrachtung.“ Er lächelte ihr verschmitzt zu. „Ich könnte jetzt sagen, `hätte ich deine Blumenschachtel nicht heruntergeworfen und gesehen was für eine schreckliche Nachricht sie enthält, wäre ich nicht so beunruhigt und dadurch unkonzentriert durch Berlin gefahren und wäre erst gar nicht in diese Unfallsituation geraten´ …“ Er unterbrach, und dachte einen Moment nach. „Aber ich sage, `hätte ich diese Entdeckung nicht gemacht, wäre ich nicht Hals über Kopf losgerast um zu dir zu fahren und hätte vermutlich den Sicherheitsgurt angelegt, der mich in der heutigen Situation an meiner eigenen Rettung gehindert hätte´.“ Er sah ihr ernst in die aufgerissenen Augen, hatte sie doch erstmals Bruchteile seines Unfalls erfahren und war sie auch mehr als überrascht, dass er die Friedhofsblumen als Ausgang der beschriebenen Tragödie gewählt hatte. „Ich glaube, ich hatte einen verdammt guten Schutzengel, der sich sicher ist, dass ich die Welt und vor allem dich noch nicht verlassen soll.“ Er warf wieder einen Blick in den Himmel, in dem der Mond und die vorhandenen Wolken ein faszinierendes Lichtspiel zeigten. „Vielleicht sind es Fanni und Jonas, die auf uns aufpassen. Schließlich haben sie uns ihren Segen gegeben und wünschen sich das wir glücklich werden“, überlegte er laut. Anna folgte seinem Blick und lächelte einen Moment, als sie an Jonas und seine Offenbarung dachte, aber dann wurde sie wieder von ihren ohnmächtigen Gefühlen eingeholt. „Tom ich habe so wahnsinnige Angst. Ich habe immer gedacht die Liebe macht mich stark und glücklich … aber in letzter Zeit habe ich das Gefühl, sie macht mich unendlich schwach und zerstört mich.“ Annas Worte wurden immer leiser, als wäre auch ihnen die Energie entzogen. Sie starrte mit leerem Blick vor sich hin, bis Tom sich letztlich genau in ihr Blickfeld begab und sie damit zwang ihn anzusehen. „Anna, du warst es, die mir gesagt hat, dass sie sich für die Liebe entschieden hat, die mir gezeigt hat, dass das Leben ohne Liebe kein Glück für uns bereit hält und die mir wieder gezeigt hat wie schön das Leben ist …“ Er brach ab, schaute kurz beiseite, bevor er ihr entschlossen weitere Fragen stellte.
„Anna sag es mir, willst du wirklich auf die Liebe verzichten?“ Ihre Augen ruhten unsicher in seinen und schließlich schüttelte sie zögerlich den Kopf. „Willst du, dass ich bei dir bin?“ Sie nickte, dieses Mal ein wenig bestimmter. „Dann vertrau mir, ... lass uns gemeinsam auf unsere Liebe vertrauen. Auch ich habe Angst, das weißt du. Aber …", er schüttelte energisch den Kopf. "Ich will nicht mehr ohne dich sein. Egal wie lange wir uns haben werden.“ Er sah ihr tief in die Augen. „Anna, als ich heute gedacht habe, dass es Zuende geht, war ich in Gedanken bei dir, und als ich realisiert habe, das ich alles unbeschadet überstanden habe, war mein erster Gedanke bei dir … Du warst der Gedanke, der mich im Schock durch die halbe Stadt getrieben hat ...“ Er schloss die Augen und schüttelte sich kurz, bei seinen Erinnerungen, die er gerade selbst herauf beschworen hatte, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf Anna richtete, die an seinen Lippen hing. Seine Worte erreichten und berührten sie, ließen sie langsam wieder Vertrauen fassen. Er nahm ihre Hände in die seinen. „Ich will keine Minute mehr ohne dich verbringen … und ich will jede Minute meines Lebens für dich da sein.“ Annas Gesichtszüge entspannten sich langsam und ihre Augen, immer noch voller Tränen, erlangten ganz gemächlich ihren liebevollen Ausdruck zurück. Sie sah nur noch Toms Gesicht, seinen Körper, hörte seine wohlige tiefe Stimme und spürte seine Hände in den ihren. Sie fühlte sich eins mit ihm und langsam löste sich all ihre Anspannung in Luft auf. Tom sah ihr mit glitzerndem Blick tief in die Augen und es regierte nur noch ein Gedanke in seinem Kopf. Ich will dich nie wieder verlieren. Was folgte, entsprang seinem inneren Drang, den er nicht aufhalten konnte und er spürte, dass es das einzig Richtige war. Er holte noch einmal tief Luft und drückte zärtlich ihre Hand. „Anna, willst du meine Frau werden?“ Ängstlich wartete er auf ihre Reaktion, die eine gefühlte Ewigkeit auf sich warten ließ, denn Anna war völlig überrumpelt. Aber kaum war die Frage wirklich in ihrem Hirn angekommen, gab ihr ihr Herz schon die Antwort. Es schien endlich wieder zu schlagen, vor Freude zu hüpften und ihr wurde heiß und kalt sogleich. Trotzdem konnte sie nicht frei heraus `ja´ sagen, zu viel war an dem heutigen Tag passiert und zu groß war ihre Angst in diesem Moment eine falsche Entscheidung zu treffen. Endlich sah sie ihm in die Augen und er konnte ein Leuchten in ihren Augen erkennen, das ihn glücklich machte, aber da war noch mehr, und er schallte sich einen Narr, das er ihr ausgerechnet jetzt diese Frage gestellt hatte, hatte sie ihm doch gerade erst von ihrer wahnsinnigen Angst erzählt. Bevor sie die richtigen Worte gefunden hatte, drückte er ihr einen Kuss auf ihre Handknöchel und sagte leise. „Lass dir Zeit, du musst jetzt nichts sagen.“ Sicherlich war er irgendwie enttäuscht, aber wie konnte er zu diesem Zeitpunkt erwarten, dass sie ihm freudestrahlend um den Hals fiel. Anna war erleichtert bei seinen Worten, obwohl es ihr leid tat ihn vor den Kopf zu stoßen. „Lass mir ein bisschen Zeit“, flüsterte sie leise, „aber ..." sie warf ihm einen fast beschämten Blick zu, "können wir zu dir gehen … Nimmst du mich mit? Ich möchte gerne bei dir sein.“ Tom schaute liebevoll in ihre bittenden Augen und lächelte zaghaft. „Natürlich nehme ich dich mit. Nichts anderes hatte ich im Sinn.“

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "40"   So Okt 20 2013, 09:44

So, bei uns wird es langsam wieder ruhiger, so dass ich auch wieder etwas mehr Zeit habe. :)Allen einen schönen Sonntag!
*******************************

Bruno tigerte nervös durch sein Heiligtum, durch sein Reich, das ihm fast ein besseres Heim bot, als seine eigene Wohnung. Zum wohl hundertsten Mal schaute er auf seine Armbanduhr und stieß angespannt die Luft aus. Die Zeit wollte einfach nicht vergehen. Er war schon sehr früh in die Firma gekommen, da ihm Zuhause die Decke auf den Kopf gefallen war. Er wartete auf Tom, den er seit dem letzten Mittag nicht gesehen hatte. Nach der Nachricht des Unfalls, war der Kreativchef fast wahnsinnig geworden, und es grenzte an ein Wunder, dass er nicht die komplette Firma leergefegt hatte, um nicht mit irgendwelchen, wie es ihm in diesem Moment erschient, belanglosen Dingen konfrontiert zu werden. Statt dessen hatte er sich darauf besonnen, dass seine Mitarbeiter zwei Modeschauen vorzubereiten hatten und hatte sich zum Selbst- und Fremdschutz in Toms Büro verbarrikadiert. Dem Ort, wo er sich seinem Sohn um den er verzweifelt bangte, am nächsten fühlte. Erst als Paule ihn angerufen und ihm gesagt hatte, dass Tom bei ihr sei und scheinbar außer ein paar Kratzern nichts abbekommen hatte, war er wieder ein wenig ruhiger geworden. Ja, er hatte tatsächlich völlig selbstständig telefoniert und das zeigte, wie dringend es gewesen war, sein angespanntes Nervenkostüm zu beruhigen.
Sein erleichtertes Lächeln, als er endlich wieder aus dem Büro trat, und seine kaum zu überhörende Mitteilung an Fr. Hauschke, dass es seinem Sohn gut gehe, ließ alle beruhigt aufatmen. Der Junior war bei Gesundheit und der Senior wieder bei Verstand.
Aber kaum hatte sich die gefährliche Wetterfront bei Lanford verabschiedet, war Paule in der Firma aufgetaucht und hatte von Annas Verschwinden berichtet, und somit neue Orkanböen herauf beschworen, bei denen die Mitarbeiter nie wussten, wann sie über sie hinwegziehen würden. Ganz Lanford hatte mit eingezogenem Kopf und angehaltenem Atem den Feierabend herbei gesehnt und sich schnellstmöglich verabschiedet, sobald ihre Arbeit getan war. Bruno hingegen war lange geblieben, immer mit der Hoffnung behaftet, dass er Neues erfahren würde, von Tom, von Anna, und letztlich hatte ihn seine Freundin Natascha mit Engelszungen überredet, doch endlich für seine eigene Gesundheit zu sorgen und sich auszuruhen. Aber jetzt wartete er, mit seiner Geduld nun wirklich am Ende angelangt, darauf, Tom in seine Arme nehmen zu können, sich leibhaftig von seiner Unversehrtheit überzeugen zu können und außerdem zu erfahren, was mit Anna war, denn unverschämter Weise hatte ihn keiner über die Hintergründe und den Ausgang ihrer Abwesenheit informiert. Er machte sich auch um sie unglaubliche Sorgen, und hinzu kam ja noch, dass am heutigen Tag eine wichtige Modenschau auf dem Programm stand, die ohne Anna einem Fiasko gleich käme.
Als Bruno erneut den Empfangsbereich kreuzte, sprach ihn seine Empfangsdame an, die mittlerweile ihre Tätigkeit aufgenommen hatte. „Guten Morgen Herr Lanford, ich habe hier den Pressespiegel über den gestrigen Foto-Call.“ Sie lächelte ihren Chef mit einem strahlenden Lächeln an, das jedem, der es nicht sowieso schon wusste, auf anhieb verraten hätte, dass sie hoffnungslos in ihn verliebt war. Bruno trat gedankenverloren zu ihr und nahm ihr die Mappe aus der Hand. „Danke Steffi“, und nach einem Moment, in dem ihm wohl bewusst geworden war, dass sie sich an diesem Tag noch nicht gesehen hatten, fügte er hinzu. „Auch ihnen einen guten Morgen!“ Ein flüchtiges Lächeln zog über sein in sich gekehrtes Gesicht. Er blieb am Tresen stehen und schaute sich die verschiedenen Berichte aus Internet und Zeitungen an. Er überflog sie nur, für eine intensivere Auseinandersetzung war sein Gehirn einfach nicht bereit. Soweit er sehen konnte, waren die Berichte positiv. Ein Artikel war besonders plakativ. Einige gelungene Bilder und die Überschrift „Zauberhaft by Lanford“ dominierten den einseitigen Bericht einer Zeitschrift. „Lanford präsentierte vielversprechende Modelle ihrer neuen Linie Zauberhaft. Anna Broda, die sich für die Linie und die neue Kollektion verantwortlich zeichnet, stellte sich couragiert den Fragen der Anwesenden. Bleibt abzuwarten, ob sie dem Ruf als dem neuen Stern am Modehimmel, der ihr nach den erfolgreichen Auftritten für Haokan by Lanford und in der Zusammenarbeit mit Peter Berg zugeschrieben wurde, auch weiterhin gerecht wird. Wir dürfen gespannt sein, was uns die Eröffnungsshow der diesjährigen Fashion-Days, die dem jungfräulichen Label Zauberhaft zugesprochen wurde, noch an Überraschungen zu bieten hat.“ Bruno schaute fast stolz auf die Bilder von zwei der Models und seiner lächelnden Designerin. Den Foto-Call hatte sie scheinbar noch sehr professionell erledigt, bevor sie die Flucht ergriffen hatte. Es war die richtige Entscheidung gewesen, ihre Kollektion ins Rennen zu schicken, bestätigte er sich innerlich, aber ein kleiner Zweifel blieb. Hoffen wir, dass sie wieder aufgetaucht ist und die Modenschau heute gut über die Bühne bekommt. In diesem Moment trat Paloma an den Empfang heran und fragte nach der Post für die Marketing-Abteilung. „Guten Morgen Frau Greco. Wissen sie wo Frau Broda ist?“, fragte Bruno zögerlich, und hoffte darauf, dass sie ihn beruhigen würde. Aber diese zuckte nur entschuldigend mit den Schultern. „Ich nehme an bei Tom. Zumindest hat der sie gestern Abend gefunden.“ Sie fügte noch besorgt hinzu. „Danach habe ich auch nichts mehr gehört.“ Bruno war nicht wirklich erlöst von seinen Sorgen, aber zumindest registrierte er erleichtert, dass Anna wieder da war. Er musterte die Brünette und versuchte ihre mitschwingenden Gefühle zu deuten, die wohl auch zwischen Optimismus und Zweifeln hin und her schwankten. „Glauben sie, dass Anna das heute schafft?“ Seiner Stimme war seine Besorgnis zu entnehmen, wobei Paloma nicht ganz klar war, ob es ihm um die Modenschau oder um Anna ging. „Sie bekommt das hin“, sagte sie zuversichtlich, wollte sie Anna doch vor ihrem Chef nicht doof dastehen lassen. Hoffentlich geht es Anna wirklich besser und ich rede mich hier nicht um Kopf und Kragen, dachte sie, selbst durchaus zweifelnd ob Anna den gestrigen Tag schon verkraftet hatte. Aber sie wusste, dass sich Anna, wenn es irgendwie ging, nicht davon abbringen lassen würde, ihre erste eigene Kollektion auf die Bühne zu bringen. „Danke“ verabschiedete sich Bruno und nickte ihr immer noch mit leichten Zweifeln behaftet zu. „Steffi, sagen sie meinem Sohn bitte, dass ich ihn sehen möchte.“ Damit beschloss er, sich endlich seiner Aufgaben zu widmen. Hier rumzustehen brachte ihn schließlich auch nicht weiter. Allerdings kam er nicht weit, denn als er einen Blick in den sich öffnenden Aufzug warf, blieb ihm fast die Spucke weg. Er blieb wie angewurzelt stehen, und nach einem kurzen Moment der offensichtlichen Verblüffung, zog ein Strahlen über sein Gesicht.
---------------

Anna öffnete schläfrig die Augen und nahm erleichtert wahr, wo sie sich befand. Sie war in Toms Wohnung, lag in seinem kuscheligen Bett und spürte die schützende Wärme seines Körpers an ihrem Rücken. Es war also kein Traum, dachte sie erleichtert. Sie sah durch die Fenster in einen sonnigen Morgen und nach langer Zeit schlich sich endlich mal wieder ein entspanntes Lächeln in ihr Gesicht. Sie nahm Toms Arm, der auf ihrem Oberschenkel lag, kuschelte sich noch etwas enger an seine Brust und schloss wohlig die Augen. Ich fühl mich so sicher in seinen Armen. Warum habe ich ihn die letzten Tage nur so von mir weg gestoßen? In seiner Nähe wäre es mir vielleicht nicht so schlecht ergangen, überlegte sie, während sie seine Nähe genoss. „Hmmm“, brummte es da hinter ihr und sie öffnete erneut die Augen. Langsam drehte sie sich zu ihm um und da lagen sie, die Gesichter einander zugewandt und sich tief in die Augen schauend. Still schwelgten sie in dem Gefühl beieinander zu sein. Schließlich durchbrach Tom die Ruhe. „Schön, dass du da bist“, wisperte er leise und sein Gesicht wurde noch liebevoller. Anna lächelte ihn an und sagte nach einer Weile „Schön, dass es dich gibt.“ So blieben sie einfach liegen und hingen ihren Gedanken nach, während sie sich an dem Anblick und der Nähe des anderen erfreuten. „Und ich Trottel habe tatsächlich angezweifelt, dass das mit uns richtig ist …“, sprach Anna nach einiger Zeit leise. Es war wohl eher ein lauter Gedanke, der sich da über ihre Lippen stahl, aber Tom war entsetzt. Diese Worte schienen in diesem Moment der Harmonie so deplaziert, dass er eine Sekunde überlegte, ob er sie wirklich gehört hatte. Er hob den Kopf und betrachtete sie erschrocken, aber als Anna seine Hand nahm und sie mit einem liebevollen Lächeln an ihre Lippen führte um einen zärtlichen Kuss darauf zu drücken, legte er seinen Kopf wieder ab. Sein Gesicht war jedoch nicht mehr so tiefenentspannt wie zuvor und seine Gedanken kreisten ... Was soll das bedeuten? Hat sie mir deshalb gestern keine Antwort gegeben? Aber als er sich die letzen Tage nochmal durch den Kopf gehen ließ, fand er ihre Bitte um ein wenig Zeit durchaus verständlich, obwohl es ihn fast verrückt machte, sich geduldig zeigen zu müssen. Aber warum hat sie an uns gezweifelt?, dachte er von diesen Worten tief getroffen. „War da noch mehr in den letzten Tagen? Noch mehr, von dem ich nichts weiß?“, fragte er zögerlich, nicht sicher, ob er das Thema anrühren sollte. Aber es verunsicherte und verletzte ihn immer noch, dass sie ihn nicht ins Vertrauen gezogen hatte und scheinbar sogar an ihrer Beziehung zweifelte , an ihm zweifelte, oder zumindest gezweifelt hatte . Anna senkte den Blick und überlegte einen Moment, während es sich anfühlte, als würde ihre Brust zusammen geschnürt. Sie wollte keine Geheimnisse mehr mit sich rumtragen. Sie wollte nicht mehr, dass etwas zwischen Tom und ihr stand, hatte er ihr doch gestern versichert, wie sehr er liebte und für sie da sein wollte. Er hat mir einen Heiratsantrag gemacht, ging es ihr plötzlich wieder durch den Kopf. Sie musterte eingehend sein Gesicht. Seine schmalen, schön geschwungenen Lippen, seine gerade feine Nase, sein ausgeprägtes Kinn und nicht zuletzt seine wunderschönen blaugrauen Augen, in denen sie regelmäßig zu ertrinken drohte und die sie jetzt besorgt betrachteten. Ja, ich will ihn heiraten, durchflutete es sie mit unumstösslicher Gewissheit … Aber dafür muss ich genau jetzt etwas tun, dachte sie. Also los Anna, erzähl ihm was alles passiert ist. Du weißt, dass du ihm vertrauen kannst. Also nickte sie schließlich und begann zögerlich zu sprechen. „Ja, es ist noch mehr passiert.“ Sie drehte sich auf den Rücken und überlegte, die weiße Decke über sich betrachtend, wo sie beginnen sollte und wann es überhaupt angefangen hatte. Eigentlich ging es nur um diese Woche, genau genommen nur um drei Tage, … wie verrückt. „Es gab in den letzten drei Tagen ständig Dinge, die mich an letztes Jahr erinnert haben, und es hat mich völlig verrückt gemacht", begann sie stockend zu sprechen. "Da waren die fehlenden Models am Montag. Damit ging es los. Und dann kam der Vorschlag des Street-Casting." Sie wendete sich Tom zu und schaute ihn an, während sie erzählte. "Ich weiß nicht, ob du letztes Jahr mitbekommen hast, dass das unsere rettende Idee war, nachdem wir keine professionellen Models bekommen konnten.“ Tom hatte sich auf seinen Ellenbogen gestützt und folgte ihren Worten aufmerksam. Er schüttelte ahnungslos den Kopf. Das hatte er nicht gewusst. Er verzog beschämt das Gesicht, denn ihm wurde gerade bewusst, wie sehr Lanford und er selbst in ihre emotionale Krise verwoben war. Anna drehte sich wieder auf den Rücken und dachte an den Morgen zurück, als sie in dem Lanford-Casting ihre Rettung gesehen hatte, und mit Elan die Show-Vorbereitungen in die Hand genommen hatte, bis, ja bis ... „Und dann bekam ich am nächsten Tag einen Anruf von einer Arztpraxis, die mir mitteilten, dass ich schwanger sei.“ Sie drehte ihren Kopf kurz zu ihm, um seine Reaktion zu erfassen. Ein erstaunter Blick war zu erkennen, und vielleicht ein kurzes kleines Leuchten in seinen Augen? „Soll das etwa heißen, dass… ,“ aber da sah er schon das Kopfschütteln von Anna, die angestrengt die Augen schloss und sich schließlich aufsetzte. „Wann warst du denn beim Arzt?“, fragte Tom da plötzlich, davon wusst er garnichts. „Das ist es ja. Ich war gar nicht beim Arzt, zumindest nicht dieses Jahr …“ Sie brach ab. „Aber?“ fragte Tom vorsichtig nach, als sie nicht weitersprach. Sie hatte eine zeitlang ihre Hand betrachtet, an dem immer noch der Hochzeitsring von Jonas prangte, bevor sie sich Tom zuwendete und die Luft ausstieß. „Letztes Jahr. Es war die Praxis, zu der mich Jonas letztes Jahr geschickt hat, als ich ein paar mal fast umgekippt war, und weswegen wir uns gestritten haben, bevor er … .“ Sie ließ den Satz im Raum stehen, brachte es immer noch fertig diese Worte, die das Ableben ihres Mannes beschrieben, in den Mund zu nehmen. Sie erinnerte sich für einen Moment an die zerstörerische letzte Nacht, die ihr so wirre Gedanken beschert hatte. „Ich war plötzlich total verunsichert, überlegte ob … ob es sein konnte, dass es sich um ein Versehen handelte und die Ergebnisse aus dem letzten Jahr stammten“, endete sie schließlich. Tom zog verwirrt die Stirn in Falten. Was ist das jetzt für eine komische Geschichte? Anna versuchte, die richtigen Worte zu finden, um die ihr am heutigen Tag mehr als skuril erscheinenden Gedankengänge zu erklären. „Ich dachte, ich wäre letztes Jahr vielleicht schwanger gewesen und hätte nicht nur Jonas sondern auch noch sein Kind verloren. Sein Kind unbeabsichtigter Weise abgewehrt, weil ich es in meiner Trauer nicht einmal wahrgenommen hatte.“ Ihre Stimme war nur noch ein leises wispern und begann merklich zu zittern. Tom sog leise die Luft ein. Oh Gott, meine arme Anna, ging es ihm durch den Kopf und er spürte, wie ihm das Herz vor Mitgefühl schmerzte. Er setzte sich jetzt ebenfalls auf und umklammerte ihre Hand, um ihr ein wenig Trost zu schenken. Sie sah ihm mit glitzerndem Blick dankbar in die Augen. „Und hinzu kam noch diese Blumen-Sendung. Sofort waren da wieder die Bilder von der Beerdigung ... Tom, ich war so fertig. Ich habe die ganze Nacht in meine Kissen geweint und verzweifelt nach dem Sinn gesucht ... Alles in Frage gestellt. Ich habe dich gesehen, als du vor unserem Haus standest, … aber obwohl ich mich so nach dir gesehnt habe, konnte ich dir kein Zeichen geben, habe ich dich einfach im Stich gelassen.“ Sie senkte erneut den Blick und begann herzzerreißend zu weinen. Sie konnte die Tränen einfach nicht länger aufhalten. „Es tut mir leid“, schluchzte sie leise. Tom war völlig sprachlos. Was da nicht alles zusammen gekommen war. Er wollte ihr so gerne etwas abnehmen von ihrer Last, aber das Einzige das er tun konnte, war für sie da zu sein. Er rückte ein Stück näher und nahm sie wortlos in den Arm. „Warum hast du nicht mit mir geredet? Warum hast du mich nicht für dich da sein lassen?“, stellte er leise die Frage, die ihn seit Tagen beschäftigte. Anna entzog sich mit schlechtem Gewissen seiner Umarmung und wischte sich verlegen ihre Tränen aus dem Gesicht. Dann lehnte sie ihre Stirn gegen seine Brust. Sie konnte ihn jetzt einfach nicht ansehen. „Es kam mir einfach so falsch vor. Alles drehte sich um Jonas, um meine Verzweiflung, ihn verloren zu haben, meine Schuld.“ dann hob sie den Blick und schaute ihm vorsichtig in die Augen. „Dabei habe ich völlig vergessen, was ich Wunderbares gefunden habe.“ Damit zauberte sie Tom ein zärtliches Lächeln auf das Gesicht und sie näherten sich langsam an, um sich in einem sanften Kuss zu verlieren, der die heraufbeschworene Verzweiflung langsam auflöste.
---------------

Zwei Stunden später betrat Tom relativ entspannt das Atelier. Die schlimmsten Alpträume waren aus der Welt geschafft und mit vorsichtigem Optimismus wagte er es wieder in die Zukunft zu schauen. Aber jetzt wollte er sich erst mal seinen beruflichen Aufgaben stellen, die er in den letzten Tagen ziemlich vernachlässigt hatte, und auch an diesem Tag würde er einen Spagat zwischen beruflichen und privaten Interessen hinbekommen müssen. Er trat an den Empfang, um sich bei Steffi über die aktuelle Lage zu informieren und seine Post abzuholen. Sichtlich erfreut begrüßte ihn die Empfangsdame. „Guten Morgen Herr Lanford, schön, dass sie wieder da sind. Ihre Post liegt bereits auf ihrem Schreibtisch. Oben auf liegt ein Brief, der gestern noch hier abgegeben wurde. Er schien wichtig zu sein." „Vielen Dank“, antwortete der Junior-Chef und schenkte ihr ein warmes Lächeln. Er wollte gerade in sein Büro gehen, als ihr einfiel, dass sie ihm noch was ausrichten sollte. „Ach, Herr Lanford, ihr Vater möchte sie gerne sehen.“ Tom nickte und ehe er fragen konnte, wo sich Bruno aufhielt, kam dieser bereits die Treppe herunter gelaufen. „Tom!“ rief er erfreut und nahm seinen Sohn, der ihn ziemlich verdutzt ansah, fest in den Arm,. „Geht es dir gut?“ fragte er seinen Sprössling mit besorgtem Blick. Ach ja, da war ja was, ging es ihm durch den Kopf. „Ja Papa, soweit ist alles gut.“ Bruno sah sich kurz um und betrachtete ihn skeptisch. „Soweit? Ist etwas mit Anna?“, fragte er auch sogleich besorgt nach. „Komm mit“, sagte Tom leise und wies in Richtung seines Büros. Bruno folgte und schloss die Tür, als sich Tom auch schon mit einem Seufzer in seinen Stuhl sinken ließ. Bruno setzte sich ihm gegenüber und einen Moment sahen sie sich einfach nur an. „Was ist mit Anna? Frau Greco hat gesagt, du hättest sie gefunden?“, fragte Bruno schließlich, dessen Geduldsfaden bereits wieder vor einer Zerreißprobe stand. „Ja, das habe ich“, sagte Tom leise. „Sie lag, eingeschlafen vor Erschöpfung, beim Grab ihres Mannes.“ Bruno riss die Augen auf und beobachtete Tom, der sich bei den Erinnerungen, die ihn einholten, müde über das Gesicht rieb, um dann gedankenverloren vor sich hin zu stieren. „Ohne wirklich Ahnung davon zu haben, würde ich behaupten, dass sie haarscharf an einem Nervenzusammenbruch vorbei geschrammt ist.“ Bruno stand auf, umrundete den Schreibtisch und legte seinem Sohn, der sichtlich mitgenommen aussah, tröstend die Hand auf die Schulter. „Das tut mir leid. Wie geht es ihr jetzt?“ Tom wiegte den Kopf hin und her, wohl nicht ganz sicher, wie stabil er ihre Verfassung einschätzen sollte. „Ich hoffe, dass ich sie ein bisschen auffangen konnte … . Ich habe ihr gesagt, dass ich sie erst heute Mittag hier sehen will.“ Er schaute zu seinem Vater auf, um dessen Reaktion zu beobachten. Aber der nickte nur verständnisvoll, klopfte ihm noch einmal auf die Schulter, bevor er sich mit nachdenklichem Gesicht wieder setzte. „Du hattest mit deiner Sorge wegen der Eröffnungsshow scheinbar recht. Tut mir leid, dass ich das nicht ernst genug genommen habe. Ich habe Anna da offenbar falsch eingeschätzt“, sagte er schließlich entschuldigend, was Tom zum Lächeln animierte. So viel Mitgefühl und Einsicht hätte ich ihm gar nicht zugetraut, dachte er, ehe er ihm aber die Absolution erteilte. „Mach dir keinen Kopf, das alleine ist es nicht …“ Bruno hob fragend den Kopf. „Was denn noch?“ Tom überlegte, wieviel von seinem Wissen er Preis geben wollte. Er zögerte. „Anna hatte einige unschöne Erlebnisse, die sie sehr verunsichert haben, und als ich dann gestern auch noch fast … , na ja, du weißt schon, da war es dann wohl zuviel.“ Bruno verstand nur Bahnhof „Was heißt unschöne Erlebnisse?“, ungeduldig ließ er seine Finger auf seinem Bein Klavier spielen. Tom schüttelte unwillig den Kopf. „Ich glaube, es gibt jemanden, der Anna sehr bewusst mit ihren Erinnerungen konfrontieren wollte … aber mehr weiß ich auch nicht.“ Noch nicht, dachte er und betrachtete plötzlich interessiert seine Post. Der Absender des oberen Briefes ließ hoffen, dass er bald mehr wusste. „Na gut“, lenkte Bruno ein, der merkte, dass Tom ihm nicht mehr erzählen würde. „Denkst du denn, dass sie die Modenschau packt?“, fragte er, als er bereits aufstand. Tom lächelte beruhigend. „Ich glaube schon. Aber Bruno, du musst heute die Kunden übernehmen, ich will in ihrer Nähe bleiben. Ich habe es ihr versprochen.“ Bruno schmunzelte, so kannte er seinen Sohn doch gar nicht mehr, aber es war eine schöne Wandlung seines Charakters, und in diesem Fall würde er diesen beruflichen Part, den er meist an Tom delegierte, gerne übernehmen. „Aber nur, wenn du dafür morgen Abend zum Empfang gehst.“ Er betrachtete Tom mit hochgezogenen Augenbrauen. Tom verdrehte kurz die Augen, nickte aber ergeben. „Ok, wird gemacht. Danke Papa.“ Bruno wendete sich der Tür zu, stockte und sagte schon fast im rausgehen. „Sag Anna, dass sie direkt zur Messe kommen soll, wir bekommen das hier schon hin ... Und vielleicht habe ich auch noch eine Idee, wie wir sie zusätzlich entlasten können.“ Mit einem Schmunzeln auf den Lippen, ließ er einen skeptisch schauenden Junior-Chef zurück, der ihm verwundert hinterherschaute. Was ist denn in den gefahren? Zuviel Perwoll getrunken? So weichgespült ist der doch sonst nicht, wenn so wichtige Termine anstehen?

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "41"   Di Okt 22 2013, 21:03

Hallo, auch von mir noch eine kleine Fortsetzung!
***************************

So könnten die Tage immer beginnen
, dachte Anna und zog entspannt die Beine auf den Sessel, auf dem sie sich mit einem leckeren Milchkaffee niedergelassen hatte. Ihr Körper war immer noch erschöpft und trotz des Hungers, der sie zum Essen und Trinken animiert hatte, war da immer noch ein seltsam flaues Gefühl in ihrem Bauch, aber ihr Kopf war endlich wieder frei, und das machte alles andere erträglich. Tom hatte sich nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück schweren Herzens von ihr verabschiedet und ihr ein paar freie Stunden auferlegt. Sie sog genüsslich den leckeren Duft des Kaffees ein und ließ ihren Blick durch Toms Wohnzimmer streifen. Es stellte sich mittlerweile schon ein richtiges Zuhausegefühl ein, wenn sie sich hier in seinen vier Wänden befand. Sie betrachtete seine moderne Einrichtung und überlegte, was der relativen Kühle noch ein wenig Gemütlichkeit hinzufügen könnte. Ihr gefiel seine Einrichtung, für einen Mann hatte er einen guten, und wohl auch einen teuren Geschmack, aber er hatte ja das nötige Kleingeld und insgesamt betrachtet war seine Wohnung ja noch eher bescheiden für seine Position. Was fehlte, war eine persönliche Note, die scheinbar nur eine Frau zusteuern konnte. Obwohl, eine Frau, ist wohl auch verkehrt, manche Frauen trifft es wohl eher, denn Carla hatte für solche Dinge scheinbar kein Händchen gehabt. Da fehlte vermutlich das Gefühl in ihr, genau wie bei ihren sterilen Entwürfen, denen meist das gewisse Extra fehlte. Vielleicht ein paar Bilder, dachte Anna und beschloss bei ihrem nächsten Ausflug aus dem Alltag den Fotoapparat einzupacken. Ein paar Fotos, vielleicht tolle Detailaufnahmen, Landschaften, Fotos von uns, auf jeden Fall etwas womit wir was gemeinsames Verbinden, und dann ist es hier doch fast perfekt. Als ihr Blick an dem goldenen Hasen hängen blieb, der auf dem Sims hinter der Couch stand, musste sie schmunzeln. Das war mal nicht das klassische Weihnachts-Wichtel-Geschenk gewesen, was sie Tom da besorgt hatte, aber es hatte seinen Zweck erfüllt. Das dankbare Lächeln, das er ihr zugeworfen hatte und ihr damit ein wunderbares Gefühl des gegenseitigen Vertrauens und Verstehens signalisiert hatte, und der gleichzeitige völlig missbilligende Blick von Carla, die natürlich überhaupt nicht nachvollziehen konnte, warum man ein solches, für sie völlig unsinniges, Geschenk machte, und damit ihren geliebten Tom auch noch erreichen konnte, war einfach Gold wert gewesen. Das einzige Highlight, das das letzte Weihnachten zu bieten gehabt hatte. Ich hätte niemals gedacht, dass der Osterhase einen Stammplatz in seiner Wohnung finden würde. Ein Detail zur Wohnungsgestaltung habe ich also schon beigesteuert, grinste sie amüsiert, als sie sich vorstellte, wie sehr Carla das genervt haben musste, als sie hier noch ein und aus gegangen war. Und jetzt ging sie hier nicht mehr ein und aus, und das würde sie auch nie wieder tun. In Anna stellte sich ein Glücksgefühl ein, als hätte sie in der Verlosung den Hauptgewinn gezogen, während ihre Kontrahentin leider die Niete erwischt hatte. Es war ein tolles Gefühl endlich mal wieder die Leichtigkeit der Liebe zu verspüren und sich auf der Gewinnerseite zu wähnen.

Anna hatte den Morgen, nach einem schönen Erwachen in den Armen ihres Liebsten, mit ausgiebigen Gesprächen begonnen. Es waren schwierige, belastende Themen gewesen, sie hatte gemeinsam mit Tom die letzten Tage und auch die Geschehnisse um Jonas Tod komplett aufgerollt und über ihre damit zusammenhängenden Gefühlsdramen gesprochen. Aber es hatte gut getan alles raus zu lassen, und Tom hatte reagiert, wie sie es erhofft hatte. Er hatte ihr Halt und Trost geboten und gleichsam von seinen eigenen Gefühlen berichtet, so dass sie sich Beide in ihrem gegenseitigen Verständnis enger verbunden fühlten, als je zuvor. Nach einer ewigen Zeit des wirklich anstrengenden Seelenstripties, hatte Anna das Thema endlich mit den sarkastischen Worten beendet, dass sich Tom nicht wundern solle, wenn heute noch Plagiatsvorwürfe ins Haus schneien und die Kollektion verschwinden würde, denn diese zwei Erlebnisse aus dem Vorjahr fehlten noch in dem Reigen der dubiosen Wiederholungen. Tom hatte ihren nicht ganz ernsthaften Ton mit Freuden aufgegriffen, sie mit hochgezogen Augenbrauen verschmitzt angeschaut und geantwortet: „Du willst mir jetzt nicht erzählen, dass du deine Entwürfe wirklich selbst entwirfst, oder? Das kannst du doch gar nicht.“ Und ehe er nach seiner belustigten Provokation in Deckung gehen konnte, hatte er schon ein Kissen im Gesicht gehabt und es hatte sich eine alberne Kabbelei entwickelt, die ihr Ende in einem mehr als befriedigenden Erlebnis gefunden hatte. Anna schloss genießerisch die Augen und dachte an seine warmen, unglaublich zärtlichen Hände, seine verführerischen Küsse und das unbeschreibliche Gefühl mit ihm eins zu sein. Sie wurde von Glück durchflutet und hatte sie nach seinem Heiratsantrag, eigentlich sofort gespürt, dass sie ihm ein überzeugtes „Ja“ entgegen schreien wollte, war die Gewissheit jetzt so überwältigend, dass ihr Tränen in die Augen stiegen. Wie soll ich ihm nur sagen, dass ich ihn heiraten will, und das am liebsten so schnell wie möglich? dachte sie plötzlich und riss ihre Augen wieder auf. Nachdem er so lange auf meine Antwort warten musste, kann ich doch nicht einfach zu ihm gehen und sagen. „Ja, ich will.“ Da muss mir was anderes einfallen, aber was?
Sie stierte nachdenklich vor sich hin und nachdem ihr spontan einfach nichts einfallen wollte, kehrte sie zurück in die Realität und beschloss sich jetzt erst mal dem heutigen Tag zu widmen. Ihr würde schon noch eine Idee kommen und häufig kamen diese ja am ehesten, wenn man gar nicht daran dachte.
---------------

Tom sah noch einen Moment schmunzelnd auf die Tür, durch die sein Vater gerade verschwunden war und richtete seine Aufmerksamkeit dann wieder auf den Poststapel vor sich. Schnell nahm er den obersten Umschlag in die Hand und zog den Inhalt heraus. Eine Art Lebenslauf hielt er in der Hand. Eilig überflog er die sorgsam aufgelisteten Posten und wiegte nachdenklich den Kopf.
Die eigenen Eltern mit 14 durch einen Unfall verloren, anschließender Heimaufenthalt, Gesamtschule mit Realschulabschluss absolviert und letztlich scheinbar schlechte Kumpels, die ein Abdriften auf die schiefe Bahn quasi vorhersehbar gemacht hatten. Mehrmalige Kontakte mit der Polizei, die aber glimpflich abgelaufen waren. Dann hat er es aber wohl doch nochmal gepackt. Ausbildung zum „Gestalter für visuelles Marketing“ bei Lindenberg. „Lindenberg?“ murmelte Tom plötzlich mit hochgezogen Augenbrauen. Bei unserer Konkurrenz? und … vor allem bei dem Unternehmen von Carlas Familie? Tom ließ den Zettel sinken und dacht einen Moment nach. Warum sollte sich jemand mit abgeschlossener Ausbildung bei uns für ein Praktikum bewerben? Irgendwie war ihm das alles komisch, vor allem ging ihm der Name Lindenberg nicht mehr aus dem Kopf. Er wusste zwar das Carla zu ihrer Familie keinen Kontakt mehr hatte, schließlich lebte und arbeitete sie nicht umsonst unter fremdem Namen, aber trotzdem fand er diesen Zufall seltsam und es bestärkte ihn in seinem Verdacht, dass Carsten irgendwie etwas mit Annas Erlebnissen zu tun hatte.
Er griff zum Telefon und rief in Enriques Büro an. „Hallo Tom,“ meldet sich Paloma mit hektischer Stimme und Tom fragte sich für einen kurzen Moment, ob er wohl mal wieder gestört hatte, aber da Paloma sogleich mit ihren Fragen heraus platzte, die ihr scheinbar wie ein loderndes Feuer auf der Seele brannten, wusste er dass sie aus einem anderen Grund unruhig war. „Was ist mit Anna? Geht es ihr gut? Warum ist sie nicht hier?“ Tom lächelte, als er an seine Freundin erinnert wurde. Anna hat wirklich Glück, dass sie so gute Freunde hat, dachte er, ehe er sich daran machte Paloma zu beruhigen. Er hörte, wie sie erleichtert die Luft ausstieß und hielt den Hörer ein Stück weiter weg, als er letztlich mit vielen spanischen Worten, die er sich gar nicht übersetzen wollte, zur Sau gemacht wurde, weil er sich nicht früher gemeldet hatte. Aber er ließ es über sich ergehen, schließlich kannte er Palomas Temperament mittlerweile ganz gut und hatte sie ja auch nicht ganz Unrecht. Aber er wollte ihr auch nicht erklären, womit er die Zeit am Morgen verbracht hatte. Seine Gedanken schlichen sich zurück in seine Wohnung, genauer gesagt in sein Bett und er hätte fast laut aufgeseufzt, bei der Erinnerung, die weniger seine Gedanken als seine Gefühle in ihren Bann zogen. Aber er konnte sich gerade noch bremsen und sich wieder auf die energische Stimme im Hörer konzentrieren, die dann aber plötzlich abbrach. Hatte sie was gefragt? Er hatte es nicht mitbekommen. Verdammt, wie peinlich, ging es ihm durch den Kopf. Hilfe! Rettung!? Was wollte ich denn eigentlich? Gott sei Dank, waren seine Gedanken wieder im hier und jetzt angekommen, und als sein Blick auf den Zettel fiel, den er immer noch in der Hand hielt, war auch sein eigentliches Anliegen wieder präsent. „Paloma schickst du mir bitte Carsten runter, und er soll seine Bewerbung und seinen Praktikantenvertrag mitbringen,“ sprach er nach einer vermutlich etwas zu langen Pause in den Hörer und hörte sich jetzt wieder ganz nach dem Geschäftsführer an. Dann versicherte er sich noch, dass für die Modenschau alles vorbereitet war und legte schnell auf.

Kurze Zeit später betrat der hergebetene junge Mann auch schon zögerlich sein Büro. „Guten Morgen Hr. Lanford, sie wollten mich sprechen?“ Er blieb unsicher abwartend an der Tür stehen, bis Tom ihm mit etwas uneindeutiger Mimik zunickte und ihm mit einem Handzeig gebot, sich zu setzen. Carsten setzte sich also und versuchte die Stimmung zu erfassen, die seinen Chef umschwebte, aber er blieb verunsichert. Tom wirkte nicht unfreundlich, aber trotzdem irgendwie skeptisch. „Carsten, wie geht es ihnen? Haben sie den gestrigen Vorfall gut überstanden?“ Reflexmäßig strich sich der Praktikant über die Schulter, die nach dem Einrenken Gott sei Dank kaum noch weh tat. Er spürte noch ein unangenehmes Gefühl, aber eher wie nach einen Muskelkater oder einer Verspannung. „Ja, scheint soweit alles wieder in Ordnung zu sein, danke.“ Er schaute seinem Chef vorsichtig in die Augen, die erstaunlicherweise sehr entspannt aussahen. „Geht es ihnen denn auch gut? … wenn ich fragen darf“, fügte er schnell hinzu. Er hätte nicht gewusst, was er getan hätte, wenn sich Tom tatsächlich den Kopf abgefahren hätte. Tom nickte und lächelte beruhigend. „Ja, danke der Nachfrage. Aber eigentlich wollte ich mich bei ihnen bedanken“, fuhr Tom fort, nach dem er eine ganze Zeit mit sich gehadert hatte, wie er es anstellen sollte mit dem Praktikanten ins Gespräch zu kommen. Da er keine Beweise gegen Carsten hatte und sich seine Vermutungen nur von Indizien ableiten ließen, hatte er beschlossen sein Gespräch diplomatisch anzugehen. Vielleicht würde sich sein Praktikant ja irgendwie verraten und es würde so zu einer Auflösung der Geschehnisse kommen.
Carstens Blick zeigte jetzt echtes Erstaunen. Er hatte wohl mit vielem gerechnet, aber nicht mit einem Dank, vor allem weil ihm nicht ganz klar war wofür. „Sie wollen mir danken? Wofür?“, fragte er deshalb erst einmal nach. „Dafür, dass sie bei dem Unfall so besonnen reagiert und sich um alles gekümmert haben.“ Carstens Blick senkte sich unmittelbar auf seine Hände, die die Unterlagen in seiner Nervosität unbemerkt zu einer Röhre gerollte hatten, nur um irgendwie beschäftigt zu sein. Erschrocken ließ er das gerollte Papier wieder los und legte es schnell auf den Tisch vor sich. Er bedankt sich bei mir … schoss es ihm durch den Kopf, als wenn man ihm schmerzhaft einen Pfeil ins Gehirn gerammt hätte. Da Carsten sich meist in der Nähe von Paloma und Enrique aufhielt, war er über Annas und Toms Erlebnisse und auch deren gesundheitliche Verfassung gut informiert. Er hatte es bislang vermieden, direkt nach ihnen zu fragen, aber bei all der Dramatik, die die letzten Tage überschattet hatte, war das junge Paar natürlich trotzdem immer präsent in den Gesprächen, vor allem weil auch die Arbeit dadurch beeinträchtigt war. Wenn der wüsste, dass ich in den ganzen Mist verwickelt bin, dass er wegen eines dummsinnigen Rachefeldzugs seiner gehirnamputierten Ex-Verlobten fast zu Tode gekommen wäre und seine Freundin von einem Schwächeanfall in den nächsten trudelt, würde er mir wohl nicht mehr danken. Er schämt sich in Grund und Boden, aber er musste irgendwie cool bleiben, deshalb richtete er sich auf und versuchte möglichst gelassen zu reagieren. Er lächelte Tom zaghaft an „Ja, kein Problem. War wohl eher Reflex, als irgendwas anderes.“ Tom versuchte das Verhalten seines Gegenübers zu deuten, aber bislang war außer einer kurzen Schrecksekunde, die aber auch aufgrund der Erinnerung an den Unfall heraufbeschworen sein konnte, nichts erkennbar. „Wir haben uns ja schon einmal unterhalten, aber ich wollte doch nochmal nachfragen. Wie geht es ihnen hier? Sind sie mit uns zufrieden?“ Carsten fühlte sich reichlich unwohl. Der Mann, der ihm da gegenüber saß, überraschte ihn immer wieder mit solch schrecklich netten Momenten. Er war erneut erstaunt, dass es offenbar Menschen gab, die an ihm interessiert waren. Eigentlich ein tolles Gefühl, wenn da nicht dieser beschissene Kontext wäre, der die Situation bestimmte. „Danke Herr Lanford, ich finde es toll bei ihnen. Es macht riesig Spaß hier zu arbeiten“, antwortete er wahrheitsgemäß und fügte in Gedanken hinzu endlich mal.

Tom hatte in der Zwischenzeit nach der Bewerbungsmappe gegriffen und sie überflogen. Er war überrascht, was er da im Lebenslauf las, und nahm nochmal die vor ihm liegenden Zettel zur Hand um ein / zwei Punkte abzugleichen. In der Bewerbung stand, dass Carsten seine Ausbildung nicht beenden konnte, weil die Werbeagentur, in der er gearbeitet hatte, noch in seiner Lehrzeit Insolvenz anmelden musste. Tom runzelte einen Moment die Stirn und versuchte schnellstmöglich seine Schlüsse zu ziehen. Lindenberg wurde mit keinem Wort erwähnt, Carstens Berufsabschluss auch nicht. Warum hat er eine andere Firma angegeben, und warum sollte jemand freiwillig seinen Berufsabschluss verheimlichen? … Er ist das faule Ei hier, ich bin mir sicher. Er hat bestimmt was mit den ganzen Geschichten zu tun. Wie sollte auch jemand von außerhalb Anna den Entwurf untergejubelt haben, Jonas Bild auf ihren Tisch gestellt haben, das Street-Casting war seine Idee ... Aber warum? Was hat er mit Anna zu tun? Tom sah erneut auf die Zettel, auf denen der von ihm beauftragte Privatdetektiv die Daten zu Carsten zusammengetragen hatte. Wie viele Daten einer Person an einem Tag gesammelt werden können - ganz schön erschreckend, dachte er als er auch die restlichen Posten überflog.

Am letzten Absatz blieb er hängen. Das Wort Schulden und Kredithai waren wohl die gewichtigsten Worte, die ihm ins Auge vielen. Er hat 10.000 € Schulden an zwielichtige Typen aus seiner Vergangenheit? Das ist für jemanden, der gerade seine Ausbildung beendet und offensichtlich gerade keine Anstellung hat, ein bisschen happig. Tom bemühte sich einen gelassenen Ausdruck beizubehalten, während seine Gedanken die überraschenden Informationen gleich einzubinden versuchten. Vielleicht erledigt er hier irgendwelche Drecksarbeiten, um sich Geld zu verschaffen ...
Tom ließ die Papiere sinken und dachte einen Moment nach, während er den jungen Mann vor sich genau musterte. Der sah sehr angespannt aus und wartete völlig verunsichert auf irgendeine Reaktion oder Anweisung seines Chefs, während er den Eindruck erweckte, lieber jetzt als gleich diesem Büro zu entfliehen, und das obwohl doch bislang alles sehr entspannt verlaufen war. Tom versuchte sich an Einzelheiten des letzten Gespräches in der Ego-Bar zu erinnern. Aber seitdem war so viel passiert, dass er sich kaum noch erinnern konnte. Er wusste noch, dass Carsten irgendwie seltsam in sich gekehrt gewirkt hatte. Verunsichtert, wie auch jetzt … Und ihm fiel wieder ein, dass er beobachtet hatte, wie der Praktikant mit Carla gesprochen hatte, sie aber angeblich nicht kannte. Ist das wirklich alles Zufall? Carla, das Auftauchen von Lindenberg in seinem Lebenslauf aber nicht in seiner Bewerbung, der Zeitpunkt seines Praktikumbeginns? Bei Tom kamen schlimmste Befürchtungen auf.
Das war doch alles sehr seltsam, aber immer noch kein Beweis, obwohl es Fragen aufwarf und natürlich reichen würde, um den Praktikanten vor die Tür zu setzen und somit vermutlich die Bedrohung im engeren Sinne zu bannen. Aber damit wäre Tom in seinem Wunsch der Aufklärung auch nicht weiter. Also legte er die Unterlagen wieder beiseite und versuchte sich auf das Gespräch zu konzentrieren. „Und, wissen sie mittlerweile, was sie im Anschluss an das Praktikum machen möchten?“ Die Mimik seines Gegenübers wechselte innerhalb einer Sekunde in erneutes Erstauenen und in der Hoffnung den jungen Mann ein Stück weit zu überrumpeln fuhr Tom einfach fort. „Ich habe überlegt, ob wir sie nicht einstellen sollten. Die Marketingabteilung könnte wirklich Unterstützung gebrauchen. Aber ich habe gerade gesehen, dass sie ihre Ausbildung noch gar nicht beendet haben. Wir könnten ihnen bestimmt ermöglichen, ihren Abschluss nachzuholen. Wie viele Monate fehlen ihnen denn noch?“ Carsten knetete unruhig seine Hände während sein Hirn auf Hochtouren lief. Er war völlig überfordert mit diesem Gespräch. Der Plan war, dass er nächste Woche wieder verschwinden und Lanford nie wieder betreten würde. Das dumme war nur, dass er liebend gerne weiterhin hier beschäftigt wäre. Das wäre endlich mal eine Perspektive, um die Fehler der Vergangenheit hinter sich zu lassen und wieder richtig Fuß zu fassen. Wie viele Monate fehlen mir noch? Oh Gott, wenn er jetzt noch auf die Idee kommt mich nach der Agentur zu fragen fliege ich sowas von auf. Lass dir war einfallen, mach schon … trieb er sich an. „Ein gutes Jahr.“ log er schließlich mit knappen Worten und vermied es Tom direkt in die Augen zu schauen. Dieser merkte, dass es Carsten mehr als unangenehm war, auf diese Dinge angesprochen zu werden, also machte er weiter im Text. „Na, das hört sich doch gut an. Ein Jahr bekommen sie doch schnell über die Bühne, und wenn sie dafür die Aussicht auf eine Festanstellung bekommen, ist das doch eine echte Perspektive, oder? Wir wissen loyale Mitarbeiter sehr zu schätzen, und nach meinem Eindruck können wir uns auf sie verlassen“, fügte er mit Pathos geschwängerter Stimme hinzu. Carsten wand sich auf seinem Stuhl, fühlte sich so unglaublich beschissen, dass er in Gedanken flehte aus dieser Situation erlöst zu werden und wie herbeigerufen klingelte sein Telefon. Er zog es unter den aufmerksamen Augen seines Gesprächspartners aus der Tasche und warf einen schnellen Blick darauf. Einem kurzen Augenrollen folgte ein unsicherer Blick zu seinem Chef. Dieser nickte ihm verstehend zu und zeigte Richtung Tür. „Wir reden nächste Woche nochmal“, sagte er kurz und entließ den Praktikanten damit.
Als Carsten hinter der Tür verschwunden war, ging Tom jedoch schnell hinterher und konnte noch einige Worte auffangen, bevor sich die Stimme von seiner Tür entfernte und sich im Gewirr des Ateliers verlor. „… Ja, ist ja gut. Ich soll was? Ja, ich versuch´s, aber wie …“
Tom ging gedankenverloren zurück zum Schreibtisch. Er war sich mittlerweile sicher, dass Carsten nur ein kleiner Handlanger war, aber wer steckte dahinter? Würden sich seine Vermutungen bestätigen? Und wie bekam er das heraus?

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "42"   Fr Okt 25 2013, 22:41

Von den gerade erhaltenen Informationen, oder eher Hinweisen, verunsichert, griff Tom zum Telefon, um Annas Stimme zu hören und sich so mit einer Portion Liebe und Harmonie zu versorgen. Nach den katastrophalen letzten Tagen und der Erfahrung der belebenden und erfüllenden Morgenstunden in Annas Armen, gierte er einer Sucht gleich danach. Vor allem, weil sein vor kurzem noch so positives Gefühl, durch die wirren Gedanken um Intrigen, Verschwörungen und kriminelle Potentiale, gerade einer erneut aufkeimenden Unruhe gewichen war. Daher wollte er sicher gehen, dass Anna wohl auf war. Als gute Rechtfertigung sich schon wieder bei ihr zu melden diente außerdem die Notwendigkeit, mit ihr abzuklären, wann er sie wo abholen sollte, um höchstpersönlich dafür zu sorgen, dass sie bei der Modenschau ankam und ihr dort nichts zustieß, denn irgendetwas hatte dieser Carsten vor, da war er sich sicher.

„Hey Tom,“ meldete sich Anna und auf Toms Gesicht erschien prompt ein helles Strahlen. „Hallo mein Schatz, was machst du und wie geht es dir?“ „Ich bin gerade auf dem Weg in die Ego-Bar. Ich will noch einen Tee mit Paloma trinken, bevor ich ins Atelier komme. … Ach ja, und mir geht es soweit gut. Wie sollte es auch nicht, nach diesem Tagesbeginn ...“ Tom sah ihr verschmitztes Lächeln quasi vor sich und erfreute sich an der guten Laune, die aus Annas Stimme drang. „Da hast du wohl recht. Aber was heißt soweit?“ Diese Einschränkung ihrer Ausführungen war ihm als aufmerksamen Zuhörer nicht entgangen. „Mir ist ein wenig flau im Magen, aber hey, ich habe meine erste eigene Modenschau vor mir, da werde ich wohl ein wenig nervös sein dürfen,“ versuchte sie Tom und gleichsam sich selbst zu beruhigen. Tom sah etwas skeptisch durch sein Büro, bis sein Blick schließlich an ihrem verwaisten Arbeitsplatz hängen blieb, dessen Anblick für ihn eigentlich nur erträglich war, da er die Frau die dieses jetzt so triste Bild ansonsten belebte, gerade am Hörer hatte. „Hm,“ brummte er nicht ganz zufrieden, mit ihrer Antwort „bist du sicher, dass es nur das ist? Ich finde, dir ist ganz schön oft komisch.“ Er hörte das genervte Ausatmen seiner Freundin und wollte nicht gleich wieder für schlechte Stimmung sorgen, also gab er klein bei. „Ist ja schon gut …", stieß er hervor und hoffte innerlich, dass sie mit ihrer Einschätzung recht behielt. „Ich habe auf jeden Fall eine gute Nachricht für dich. Du brauchst nicht herkommen. Ich hole dich später ab und bringe dich höchstpersönlich zur Messe. Bruno selbst hat dir bis dahin frei gegeben.“ Tom hörte skeptisch in den Hörer, und musste einen Moment warten bis vom anderen Ende eine Reaktion kam. „Seid ihr sicher?“ fragte Anna zweifelnd nach und Tom vermutete, dass sie gerade abwägte, ob sie bis dahin wirklich alles aus der Hand geben wollte und konnte. „Anna, wir schaffen das, und wenn du jetzt Paloma noch triffst, dann kannst du ihr ja die letzten Anweisungen mit auf den Weg geben,“ versuchte er klarzustellen, dass er keine Widerrede dulden würde. „Wo bist du denn nachher, bei mir oder bei deinen Eltern? Ich bin um halb eins da.“ Da kicherte es in sein Ohr und er zog argwöhnisch die Augenbrauen zusammen. „Waaas?“ fragte er gedehnt. „Ich stell mir gerade vor, wie du mich auf deinen muskulösen Armen höchstpersönlich von der Else zur Messe trägst, oder hast du mittlerweile ein Auto?“ „Oh verdammt, du hast recht, ich muss mich sofort um einen Mietwagen kümmern, sonst kann ich mir das Taxi-Unternehmen auch bald kaufen, so viel Geld wie die mit mir verdienen. Also um halb eins, ne schon ein bisschen früher. Um viertel nach 12 in der Else?“ Anna gab sich geschlagen. „Ok, dann kann ich Mama noch davon überzeugen, das es mir gut geht. Also bis später.“ Tom grinste zufrieden, und stellte sich dieses mal vor, wie sie leicht genervt die Augen verdrehte. „Ich habe gleich noch eine Überraschung für dich. Bis gleich, und Anna ... Ich liebe dich.“ „Auch so. Bis gleich!“, hörte er sie noch leise sagen, bevor er im Hintergrund Palomas aufgeregte Stimme vernahm. Offenbar war sie in der Ego-Bar angekommen. Tom legte das Telefon beiseite und gönnte sich noch einen kurzen Gedankenausflug zu seiner Liebsten, auf die er sich jetzt schon freute, ehe er aufsprang und sich an die noch zu erledigenden Aufgaben begab. Bis er los musste, war es nicht mehr lang hin.

Um halb 12 sah er das nächste Mal auf die Uhr. Er hatte mit seinem Vater die Gästeliste durchgesehen, letzte Absprachen bezüglich potentieller Kunden getroffen und einige Telefonate erledigt. Jetzt machte er sich noch schnell auf, um die Überraschung für Anna zu besorgen. Er öffnete die Tür des Stofflagers und wollte mit gezielten Schritten auf die Kartons zugehen, die Annas erste Zauberhaft-Kollektion enthielten, und im Zusammenhang mit der Haokan-Affäre aufgetaucht waren. Es war zwar ein gewagtes Unterfangen sich diesem ungeklärten Thema zu nähern, aber er hatte sich überlegt, dass es ein Vertrauensbeweis seinerseits wäre, ihr ein Kleid ihrer eigenen Kollektion mitzubringen. Denn auch wenn er immer noch keine Ahnung hatte was passiert war, wusste er doch mit hundertprozentiger Sicherheit, dass Anna Lanford und ihn nicht hintergangen hatte.
Nach drei Schritten in den ziemlich angefüllten Raum stockte der Junior-Chef und sah sich stirnrunzelnd um. „Was ist denn hier los?“ murmelte er vor sich hin. Die Ständer mit den Stoffen, die Kleiderstangen, die Kartons, alles stand in einem heillosen Durcheinander im Raum. Na, da hat die Hektik der letzten Tage wohl ihre Spuren hinterlassen. Ich sollte am Montag mal jemanden abstellen, um hier für Ordnung zu sorgen. Er sah sich suchend um und erkannte verwundert, dass die Zauberhaft-Kollektion, die er eigenhändig in der hintersten Ecke des Stofflagers verbannt hatte, da er noch nicht wusste, was damit passieren sollte und er sie auch nicht vor Augen haben wollte, jetzt mitten im Raum stand. Zumindest war das anzunehmen, denn ansonsten waren keine Kartons zu ersehen. Er öffnete vorsichtig das erste Paket und schaute hinein. Ja, es war Annas Kollektion und da hing es das zitronengelbe Kleid, an das er gedacht hatte. Es war wunderschön, eine Mischung aus Sommer- und Cocktailkleid, aus Leichtigkeit und Eleganz. Er fand es so passend um Annas Persönlichkeit zu betonen, dass er sofort darauf gekommen war, als er überlegt hatte, welches  Kleid ihrer eigenen Kollektion das richtige sein könnte. Er betrachtete es und strich vorsichtig über den luftig fallenden Stoff, als sich ihm prompt die unangenehmen Bilder, der damit verwobenen Betrugsvorwürfe aufzwangen. Er war so enttäuscht gewesen, als er die Rechnung für die Produktion der Kollektion in der Hand gehalten hatte. Aber was hätte er auch denken sollen? Annas Kollektion, von ihr entworfen um dem gemeinsamen Traum des Ehepaares Broda zur Realität zu verhelfen. Tom war so sauer gewesen, hatte Lanford betrogen gesehen, aber das Schlimmste war für ihn gewesen, dass er davon ausgehen musste, dass sie immer noch an Jonas festhielt, anstatt sich auf Lanford und vor allem auf ihn einzulassen. Diese Enttäuschung hatte ihn tief getroffen und ihn blind gemacht für irgendwelche anderen Gefühle. Obwohl es ihm das Herz zerrissen hatte sie so verzweifelt zu sehen, weil ihre Unschuldsbekundungen auf verschlossene Ohren stießen, hatte er sich hinter dem angeblichen Vertrauensbruch ihrerseits versteckt, auf die Fakten gepocht und ihr gekündigt. Sie hatte sich letztlich mit den Worten von ihm verabschiedet, dass er sich bei ihr entschuldigen müsse und hätte es ihn damals schon nachdenklich machen müssen, wusste er heute, wie recht sie hatte, und dass diese Entschuldigung lange überfällig war. Er hoffte, dass er mit dieser Geste einen ersten Schritt in diese Richtung gehen konnte.
Er nahm das Kleid heraus und schloss den Karton wieder. Er lächelte zufrieden, war aber gleichzeitig ein wenig aufgeregt bei seinem Vorhaben. Vorsichtig legte er sich das Kleid über den Arm und verließ das Chaos, um es sich einpacken zu lassen. Am Empfang stolperte er über Paloma, die ihren Blick auf eine lange Liste gerichtet, auf Steffi zustürmte. „Hoppla,“ sagte Tom, als er ihr gerade noch ausweichen konnte. Palomas Blick flog zu ihm hinauf und sie starrte ihn einen Moment an, als überlege sie welcher Außerirdische denn da gerade ihren Weg kreuzte, bis sie sich wieder gefangen hatte. „Oh, Hallo Tom, entschuldige bitte. Ist grad alles ein bisschen hektisch. Wir müssen los.“ Tom nickte ihr verstehend zu. „Schon gut, ich bin auch auf dem Sprung. Ich hole Anna noch ab und dann kommen wir zur Messe. Sag mal, habt ihr die Kollektion nochmal überprüft, bevor sie raus gegangen ist?“ Nachdem er das Stofflager verlassen und nochmal darüber nachgedacht hatte, warum man die Kartons wohl aus dem hinteren Teil des Lagers geholt hatte, waren ihm Annas sarkastischen Worte über mögliche Plagiatsvorwürfe und die verschwundene Kollektion wieder eingefallen. Paloma sah ihn erneut ziemlich verwirrt an. „Jaa, ich habe die Kleider persönlich eingepackt und die Kartons an den Spediteur übergeben. Sie müssten schon in unserem zugeteilten Raum stehen.“ Tom nickte erleichtert. „Schön. Dann sehen wir uns gleich.“
---------------

Eine halbe Stunde später betrat Tom die Goldelse und sah sich suchend um. Anna war nicht anwesend, also war sie wohl oben in der Wohnung, aber bevor er die Treppe hinauf gehen konnte, kam Susanne hinter dem Tresen hervor geschossen und umarmte ihn überschwänglich. Tom drückte sie, beladen mit seiner Schachtel und völlig verdattert, unbeholfen an sich. Was ist denn jetzt los? Habe ich was verpasst?, fragte er sich verwirrt, aber ihre Worte waren Erklärung genug. „Tom ich danke dir. Ich bin so glücklich, dass du Anna gefunden hast und vor allem, dass sie wieder lächelt. ... Ich weiß nicht, wo sie heute ohne dich wäre.“ Sie löste sich von ihrem zukünftigen Schwiegersohn, zumindest hoffte sie sehr, dass er das werden würde, zuppelte ihm etwas verschämt den Anzug zurecht und wies ihm verlegen lächelnd den Weg nach oben. „Anna ist oben. Du kennst ja den Weg.“
Schnell stieg Tom mit wackeligen Beinen die Stufen hinauf. Er war nervös, als wäre es das erste Date, zu dem er sich begab und nicht eine Modenschau, bei der Anna und er vor allem professionell harmonieren sollten. Aber ganz so einfach war das halt nicht, schließlich hatten sie ja keine rein professionelle Beziehung zueinander. Und das Schlimmste war seine irrsinnige Idee ihr dieses Kleid mitzubringen. Er war in der Zwischenzeit etliche Male kurz davor gewesen, es in irgendeiner Mülltonne oder bei irgendeiner auf dem Bürgersteig flanierenden Frau zurück zu lassen, aber solch einen Frevel konnte er dann doch nicht betreiben. Schließlich handelte es sich um ein Unikat, noch dazu von seiner Liebsten entworfen, und zu allem Überfluss hatte er auch noch angekündigt eine Überraschung mitzubringen.
Jetzt stand er also mit pochendem Herzen und diesem Präsent, das ihm solches Kopfzerbrechen bereitete, weil er Angst vor Annas Reaktion hatte, vor ihrer Tür. Nun mach schon, forderte er sich auf und hob entschlossen die Hand, um anzuklopfen, aber genau in diesem Moment öffnete sich schwungvoll die Tür und Anna prallte mit voller Wucht gegen Tom, der ins Wanken geriet, und unter Aufbringung aller Selbstbeherrschung gerade so verhindern konnte, dass sie gemeinsam Bekanntschaft mit dem Bodenbelag des Flures machten. Nur die Schachtel auf seiner Hand war nach einer gescheiterten Jongleursnummer doch nicht aufzuhalten. Mit einem lauten Knall flog sie gegen die Wand und fiel dann zu Boden. Anna schaute verdutzt auf und traf auf Toms überraschtes Gesicht. „Das nenne ich mal eine stürmische Begrüßung“, grinste Tom nachdem er sich wieder gefangen hatte. Er lockerte seinen etwas verkrampften Griff um Annas Arme und zog sie an sich. „Ist das schön dich zu sehen.“ Anna lächelte nun auch verliebt zu ihm auf und gab ihm einen zärtlichen Kuss. „Hmmm, wenn wir jetzt nur nicht weg müssten“, seufzte sie leise. Aber dann kehrte das Leben in sie zurück und sie löste sich von Tom. „Was hast du denn da eben so kunstvoll gegen die Wand geschmissen?“, fragte sie frech und versuchte einen Blick hinter Tom zu werfen. Aber dieser versperrte ihr die Sicht und schob sie amüsiert in ihr Zimmer zurück. „Möchtest du das wirklich wissen?“ fragte er und sah sie ernst an. Und nachdem er Annas neugierige Zustimmung erhalten hatte, holte er tief Luft und holte die Schachtel herein. Er schloss die Tür hinter sich und legte sein Präsent auf das Bett. „Bitte! Ich hoffe, es war eine gute Idee.“ Seine letzten Worte waren eher ein Murmeln, als deutliche Worte, aber Anna hatte sie wohl vernommen. Er erntete einen kurzen verwunderten Blick, bevor sie sich neben die Schachtel setzte und fast ehrfürchtig darüber strich. „Lanford“, las sie leise den Schriftzug auf der Schachtel und warf Tom einen kurzen Seitenblick zu. Vorsichtig hob sie den Deckel an und erstarrte für einen kurzen Moment, als sie den gelben Stoff erblickte. Sie wand sich erneut Tom zu und sah ihn fragend an. „Das ist doch … . Das soll ich tragen, bist du sicher?“ Ihr flogen tausend Gedanken durch den Kopf. Erinnerungen an ihre Zeit in L.A., als sie dieses Kleid voller Enthusiasmus entworfen hatte, an die Fashion Days des letzten Jahres und besonders präsent war ihr das Desaster, als ihre erste Zauberhaft-Kollektion plötzlich in der Else aufgetaucht war und sie beschuldigt wurde Lanford betrogen zu haben. Und nun lag dieses Kleid aus eben dieser Kollektion vor ihr und sie war sich nicht ganz sicher, was sie fühlen sollte. Aber wenn sie ehrlich war, freute sie sich. Tom beobachtete Anna gebannt, während sein Herzschlag bis in seine Ohren dröhnte. „Ich dachte, es könnte das Richtige sein, wenn du deine erste Zauberhaft-Kollektion präsentierst“, sagte er unsicher. „Freust du dich?“ Seine Stimme wollte ihm versagen, sie krächzte eher, als dass sie die volle, dunkle Klangfarbe hatte, die Anna so liebte. Sie wendete ihre Aufmerksamkeit erneut dem Kleid zu, zog es langsam aus der Schachtel und legte es neben sich auf das Bett. Vorsichtig strich sie darüber und ihr Herz machte einen kleinen Sprung. Sie freute sich tatsächlich. Dieses Kleid hatte für sie Aufbruch bedeutet, Hoffnung, die Verwirklichung eines Traumes, und auch wenn die Umstände, dass sie es bisher nicht tragen und auch nicht zeigen konnten, mehr als tragisch waren, würde sie es heute gerne anziehen, denn erneut stand sie vor einem Aufbruch und einem Traum. „Das ist wirklich eine Überraschung“, sagte sie leise, stand auf und betrachtete Tom nachdenklich. „Aber eine Frage musst du mir noch beantworten ... Glaubst du immer noch, dass ich diese Kollektion in China in Auftrag gegeben habe?“ Ihre Augen fixierten Toms Gesicht, wollten keine Regung verpassen, denn wenn es nur den leisesten Zweifel an ihrer Unschuld zeigen würde, würde sie diesen Mann mitsamt diesem Kleid zum Teufel jagen. Einzig sein Vertrauen und seine Liebe würden es ihr ermöglichen die Vergangenheit mit der Gegenwart zu vereinen. „Tom sah einen Moment beschämt beiseite, ehe er seine Augen in ihre heftete. „Nein Anna, ich bin mir absolut sicher, dass du diesen Auftrag nicht erteilt hast, und es tut mir unendlich leid, dass ich dir nicht geglaubt habe. … Ich hätte auf mein Gefühl hören, oder ...“ er verzog ironisch das Gesicht „zumindest meinem besten Freund Glauben schenken sollen.“ Seine Augen waren voller Liebe und Reue, so das die Skepsis aus Annas Augen gewichen war, aber bei seinem nächsten Satz konnte sie nur empört losprusten. „Anna ich verspreche dir, dass ich herausfinden werde, wer wirklich dafür verantwortlich war.“ „Das kann ich dir sagen, ich weiß nur nicht, wie ich es beweisen soll“, schossen energische Worte aus ihr heraus und sie war bemüht ihren aufkeimenden Ärger zurück zu drängen. Für dieses Thema war gerade nun wirklich keine Zeit. Tom trat auf die Blondine zu und neigte seinen Kopf ganz nah zu ihr. „Lass uns das gemeinsam herausfinden, aber jetzt sag mir erst ob du dich freust, oder ob meine Idee völlig bescheuert war. Die Frage stelle ich mir nämlich schon seit einer Stunde, und sie macht mich wahnsinnig.“ Anna stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen kurzen Kuss bevor sie ihn liebevoll anstrahlte. „Ich freu mich, vor allem über dein Vertrauen.“ Erleichtert blies Tom die Luft aus und ließ sich auf das Bett fallen. „Gott sei Dank. Dann zieh es schnell an. … Oh, passt es dir überhaupt?“ Er setzte sich schnell wieder auf. „Da habe ich gar nicht drüber nachgedacht.“ Anna lächelte, „Es wird passen, ... es ist für mich gemacht. Ich wollte es letztes Jahr bei der Modenschau tragen und nun kommt es endlich zu seiner Bestimmung.“ Schnell schlüpfte sie aus ihren Klamotten und zog sich das Kleid über. Es saß tatsächlich wie angegossen und Tom blieb glatt die Luft weg. „Wow. Ich wusste es ja. Du siehst fantastisch darin aus.“

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "43"   Sa Okt 26 2013, 18:38

Als Tom und Anna die Wohnung der Polaukes in Richtung Goldelse verließen, riss Susanne die Augen auf und hielt sich gerührt die Hand vor den Mund. Das Paar, welches da zusammen Schritt für Schritt die Stufen herunter kam, sah so elegant und vornehm aus. Wieder kam sie hinter dem Tresen hervor, und eilte zu ihren Lieben. „Ihr seht toll aus“, sagte sie bewundernd, als sie mit etwas Abstand zu den Beiden zum Stehen kam und sie begeistert von oben bis unten musterte. Anna strahlte erst Tom und dann ihre Mutter an, ehe sie sich präsentierend im Kreis drehte. „Du meinst also, so kann ich mich in der Welt der High-Society sehen lassen?“, fragte sie nach. Aus Susannes Augen strahlte der Stolz. „Und ob. Du kannst es mit jeder Frau aus einer dieser Modezeitschriften aufnehmen.“ Tom lächelte bei dieser herzerwärmenden Situation, war er doch ebenfalls stolz, diese besondere und schöne Frau seine Freundin nennen zu dürfen, auch wenn er sich nichts sehnlicher wünschte, als dass er sie seine Frau nennen könnte. Aber trotz seiner Ungeduld bemühte er sich, nicht um eine Antwort auf seine alles entscheidende Frage zu betteln.
Er schallte sich immer noch einen Narr, dass er Anna in dieser emotional so völlig katastrophalen Situation gebeten hatte seine Frau zu werden, denn er hätte eigentlich wissen müssen, dass er keine Antwort bekommen würde. Aber er selbst hatte sich eben auch in einer emotionalen Ausnahmesituation befunden, und die Worte hatten sich ohne jegliche Beteiligung seines Gehirns aus seinem Herzen aufgemacht um sich der einzig wahren Adressatin zu offenbaren.
„Ihr seid wirklich ein schönes Paar“, sagte Susanne lächelnd und Tom meinte ein Glitzern in ihren Augen zu erkennen. Ihm wurde abermals bewusst, wie sehr man sich doch an Dingen erfreuen konnte, und wie albern es war in der luxuriösen Welt der Schönen und Reichen herum zu laufen, als wäre alles gottgegeben. Er fühlte sich unglaublich wohl in der Gesellschaft dieser, wie Carla es vermutlich nennen würde, ‘einfachen Menschen’ die ihn so herzlich in ihrem Kreise aufgenommen hatten. Völlig verkehrte Welt, wo doch immer alle der Meinung sind, dass es eine Ehre sei in die Kreise der Reichen, Erfolgreichen und Adligen aufgestiegen zu sein. Andersrum wurde ein Schuh raus. Diese Familie hier glänzte durch ihre Verbundenheit, Liebe und herzliche gegenteilige Anteilnahme heller, als es alle Familien taten, die mit ihrem Geld kaufen konnten, was immer sie wollten. Aber nun war es trotzdem Zeit sich der Welt der Schönen und Reichen zu stellen. Tom riss sich aus seinen philosophischen Gedanken, lächelte Susanne dankend zu und bot Anna die Hand. Amüsiert sagte er. „Schöne Frau, darf ich sie hinaus geleiten?“ Anna warf ihrer Mutter eine Kusshand zu und winkte nochmal kurz, als sie dargebotene Hand ergriff und die Lokalität verließ. „Toi, toi, toi flüsterte Susanne hinter ihnen her.

Als Anna und Tom kichernd den Bürgersteig betraten sah Anna sich suchend um. „Und? Wo steht deine Luxuskarosse?“ Tom zog erstaunt die Brauen in die Höhe. „Welche Luxuskarosse? Hauptsache ein Auto fährt, oder?“ „Du willst mir doch nicht erzählen, dass du irgendeinen fahrbaren Untersatz besorgt hast. Das passt doch gar nicht zu dem Junior-Chef des großen Mode-Unternehmens Lanford.“ Sie grinste ihn provozierend an. Tom stellte sich vor sie und nahm sie in den Arm. „Willst du mir etwa sagen, dass ich einer dieser schnöseligen Mode-Typen bin, der sich nur über Statussymbole definiert?“ Hatte er sich nicht gerade erst Gedanken über Reichtum und die häufig damit verbundene Herz- oder vielleicht auch Hirnlosigkeit gemacht? Sollte er etwa dazu gehören? Wenn er ehrlich war, hatte er in den letzten Jahren wohl genau nach diesem Prinzip gelebt. Nicht aus dem Grund, dass er mit seinem Reichtum protzen wollte, oder sich als etwas Besseres betrachtet hätte, aber um sich hinter der Fassade des typischen erfolgreichen Geschäftsführers zu verstecken. „Bist du nicht?“ Sie schaute sich um und zeigte auf das nächstbeste Auto, was am Straßenrand stand. Ein unauffälliger Polo. „Dann ist das hier bestimmt dein Mietwagen.“ Tom zog sie hinter sich her und blieb davor stehen. „Warum nicht?“ Jetzt erntete er tatsächlich einen überraschten Blick. „Wie jetzt, echt?“ fragte Anna und betrachtete den Wagen erneut. „Na ja, nicht ganz“, gab Tom kleinlaut zu. Er zog sie ein Stück weiter und blieb beim nächsten Auto stehen. „Aber den hier nehmen wir wirklich.“ Wie zur Bestätigung drückte er auf den Öffnen-Mechanismus auf dem Autoschlüssel, den er in der Hand hielt und die Rücklichter des Wagens leuchteten kurz auf. Anna warf Tom einen enthusiastischen Blick zu. „Ein Mini?!“, rief sie gleichsam fragend, wie begeistert. „Na das hätte ich dir jetzt wirklich nicht zugetraut. Ich hätte zumindest mit einem BMW oder Mercedes gerechnet.“ Tom brummte unwillig. „Du glaubst wirklich, dass ich so was brauche, oder?“ Anna sah jetzt amüsiert zu ihm auf. „Wer hat denn bislang einen Porsche sein eigen genannt?“ „Ja, ein zwanzig Jahre altes Schätzchen. Das war ein echtes Liebhaber-Stück“, sagte er deprimiert, als er daran dachte, dass sein Auto wohl mittlerweile ein kleines quadratisches Paket geworden war. „Na gut, da gebe ich dir schon recht, dein Porsche hatte schon was.“ Anna ging ein Stück näher an das schicke, schwarze Mini-Cabrio heran und betrachtete es fasziniert. „Den fahre ich“, sagte sie bestimmt und hielt sogleich die Hand auf. Tom sah sie völlig perplex an, mit den emanzipierten Frauen dieser Zeit hatte er hin und wieder doch so seine Probleme. „Warum?“, fragte er nach. „Na, weil ein Mini definitiv ein Frauen-Auto ist und mir viel besser steht als dir. Ist doch ganz klar.“ Sie steuerte, auch wenn sie den Schlüssel immer noch nicht in der Hand hielt, auf die Fahrertür zu, als Tom sie zurückhielt. „So so, der steht dir besser … Soviel zu Statussymbolen,“ spottete er grinsend bevor er sie in seine Arme zog und ihr ein Kuss auf die Lippen hauchte. Gegen ein paar Annehmlichkeiten, die man sich mit Geld beschaffen konnte, war also doch nichts einzuwenden. „Hier, mein Schatz, dann bring uns mal wohlbehalten zur Messe.“ Er drückte Anna den Schlüssel in die Hand und stieg tatsächlich auf der Beifahrerseite ein. Anna sah ihm verwundert hinterher und wurde nervös, denn damit hatte sie nun gar nicht gerechnet. Und außerdem hatte sie schon ganz schön lang nicht mehr hinter einem Lenkrad gesessen. Hoffentlich blamier ich mich nicht sofort dachte sie, als sie betont gelassen auf dem Fahrersitz Platz nahm.
---------------

Es war eine gute Idee gewesen, die Autofahrt selbst in die Hand zu nehmen, so hatte Anna unterwegs zumindest keine Zeit gehabt, sich Gedanken über die ihr bevorstehende Aufgabe und möglichen Komplikationen zu machen. Nachdem sie den Mini ordnungsgemäß auf den dafür vorgesehenen Parkplätzen abgestellt hatte, stieg sie entspannt aus und frozelte gut gelaunt. „Und? Überlebt?“ Tom wischte sich über die Stirn und atmete tief aus. „Erinnere mich daran, dass ich nie wieder bei dir ins Auto steige“, sagte er mit gespielter Erschöpfung. „Ey, Vorsicht“ kam sogleich die protestierende Reaktion zurück und Tom lachte auf. "War doch nur ein Witz", beschwichtigte er Anna und beugte sich zu ihr um seine Lippen kurz auf ihre zu senken. „Und jetzt genug davon. Lass uns mal sehen wo wir hin müssen. Kennst du die Raumnummer?“ Anna schüttelte den Kopf und so langsam schob sich die Realität vor ihre rosarote Brille der Verliebtheit, mit der sie die Zeit bis hierher glänzend überbrückt hatten.
Einige Minuten später, hatte die Nervosität Anna dann doch eingeholt und sie voll in Besitz genommen. Sie stockte einen Moment unsicher, als sie vor ihrem Raum 3 ankamen. Sie war froh, dass Tom ihre Hand hielt und sie ein wenig Sicherheit daraus ziehen konnte. Gemeinsam betrat das junge Paar den Raum, der eher einer umfunktionierten Halle glich und Anna sah sich sofort ängstlich um. Die grauen Wände, die Schminktische, die digitale Uhr an der Wande, die sie sogleich mit ihren Zahlen bedrohte ... Bilder, Gefühle und Gedanken drängten sich ihr auf und sie konnte sie nur schwer zurück drängen. Anna spürte, wie ihr Herz heftig begann zu pochen und ein leichtes Zittern ihre Hände überfiel. Genauso hatte sie es in Erinnerung. Es waren die gleichen Räumlichkeiten, mit der gleichen Ausstattung und der gleichen Kühle wie im vorangegangenen Jahr. Die Räume, in denen sie verzweifelt auf das Eintreffen der Kollektion gewartet hatte, und in dem sie letztlich, genau zu dem Zeitpunkt, als Jonas den Tod fand, umgekippt war. Vermutlich war die gleiche Raumzuweisung kein Zufall, sondern darin begründet, dass das Label, welches die Fashion Days eröffnete, am nächsten an der Bühne angesiedelt wurde, aber für Anna war es ein erneuter Schlag in die Magengegend, die sich doch seit gestern endlich ein wenig entspannt hatte. Tom spürte sogleich, wie Anna zögerte. „Was ist denn los?“, fragte er besorgt und versuchte Annas Augenmerk, das sich scheinbar wirr durch den Raum bewegte, auf sich zu richten. Anna sah nun endlich zu ihm auf und Tom zuckte ein wenig zusammen. Da war sie wieder, die Panik, die er gehofft hatte, endlich vertrieben zu haben. „Hier… , wir waren letztes Jahr auch hier“, flüsterte Anna kaum verständlich und sah ihn hilfesuchend an. Tom nahm ihre Hände in die seinen und neigte sich zu ihr. „Hey, das war letztes Jahr … und heute ist alles anders. Ich bin bei dir, und ich bleibe auch bei dir. Du bist stark, du schaffst das.“ Tom sah seiner Liebsten tief in die Augen. „Und jetzt atmest du nochmal tief durch, und dann legen wir los, ok?“ Anna sah ihn, mit immer noch leiser Verzweiflung im Gesicht an, schloss aber dann für einen kurzen Moment die Augen und atmete einige Male tief ein und aus. Tom hat recht, letztes Jahr ist vorbei und heute geht’s um heute, um meine Kollektion, versuchte sie ihre Gedanken auf die Gegenwart zu richten. Dann suchte sie erneut Toms Augen und darin seine Bestätigung, dass alles in Ordnung war. Sie nickte ihm entschlossen zu.
Tom hoffte, dass seine Nähe Anna die nötige Sicherheit geben würde, um den Tag zu überstehen, als er sie an der Hand zu einem kleinen Stehtisch zog, auf dem ein paar Getränke bereit standen. „Du trinkst jetzt mal einen Schluck und ich ruf die anderen her, damit wir wissen wo wir stehen.“ Damit ließ er sie nach einem letzten zärtlichen Händedruck zurück um nur ein paar Minuten später die Verantwortlichen beisammen zu haben. „Also, wie siehts aus?“, fragte er. Paloma schaute Anna beruhigend an und zeigte in die Richtung der Schminktische. „Die Visagisten haben bereits alles vorbereitet und sind bereit, und die Models trudeln gerade ein.“ Enrique übernahm entspannt das Wort. „Die Bühne wird gerade vorbereitet, Sound steht, und Licht ist in Arbeit, Carsten ist bei ihnen.“ Tom sah die Beiden zufrieden an, auch wenn sich bei der Erwähnung des Praktikanten wieder ein unbehagliches Gefühl in ihm einstellte. Beruhigend legte er seine Hände auf Annas Schultern. „Gut. Dann macht weiter. Anna, macht ihr noch einen Probelauf?“ Anna nickte in die Runde. Die kleine Besprechung hier, tat ihr gut. Langsam aber sicher waren alle schlechten Erinnerungen verdrängt und sie spürte wie ihre Konzentration sich auf die jetzt zu erledigenden Arbeiten richtete. „Enrique, sag bitte Bescheid, wenn die Bühne frei ist, dann machen wir das spontan. Aber bitte innerhalb der nächsten dreiviertel Stunde, danach müssen wir die Models fertig stylen.“ Anna sah sich suchend um und wendete sich dann Paloma zu. „Wo sind denn die Kleider?“ fragte sie, mit dem Elan den man eigentlich von ihr kannte. Paloma warf Enrique einen unsicheren Blick zu, der diesen aber nur mit einem Schulterzucken beantwortete. Sie schaute einen Moment gequält, besann sich dann aber eines besseren und sagte, ohne dem Tatbestand besonderes Gewicht verleihen zu wollen. „Die Kollektion ist uns noch nicht gebracht worden.“ Tom spürte wie Anna bei den Worten erschrocken zusammenzuckte. Er drückte beruhigend ihre Schultern und zwang sich völlig ruhig zu bleiben, obwohl er, gleichsam wie Paloma wusste, welche Tragödie es wäre, wenn die Kollektion nicht auftauchen würde. „Paloma, du hast gesagt die Kleider sind ordnungsgemäß an den Lieferanten übergeben worden?“ Paloma nickte. „Ja, sie müssten auf jeden Fall schon hier vor Ort sein.“ Die Beiden sahen sich mit einem flehenden Einvernehmen an, dass sich die Kleider schnell einfinden müssten und bis dahin möglichst keine Angst geschürt werden sollte. Anna bekam das aber schon gar nicht mehr mit. Ihre Ohren dröhnten und ihre Knie wurden weich. Sie trat unsicher einen Schritt zurück und war froh, Toms Körper zu spüren, der ich Halt gab und ihr die Sicherheit vermittelte, dass Tom sie im Notfall auffangen würde.

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
katha

avatar

Anzahl der Beiträge : 921
Anmeldedatum : 05.07.12

BeitragThema: "44"   Sa Okt 26 2013, 20:16

So, falls sich jemand wundert, dass es hier so schnell vorangeht ...
Ich bin einfach zunehmend frustriert  schmoll
Zum einen gibt es hier im Forum kaum noch was zu lesen, und zum anderen gibt es  offenbar tatsächlich keine neuen Leser
(also welche, die diese FF noch nicht im anderen Forum gelesen haben), die interessiert, was ich hier schreibe.
Da schwindet so langsam jegliche Motivation - was das Schreiben nicht leichter macht. lesemist 

Die fehlende Zeit und/oder Motivation anderer Schreiber kann ich nicht beeinflussen, also versuche ich bei mir etwas zu ändern. Wink 

Ich habe beschlossen, meine Überarbeitungen zu reduzieren, damit es hier schneller voran geht.

Ich hoffe einfach, dass ihr alten Hasen euch dann bald freut, weil ich was Neues poste und ich vielleicht etwas glücklicher bin, weil ich zumindest mal wieder ein paar Rückmeldungen zum Lesen bekomme.
hallo
*******************************


Tom legte seine Hände an Annas Hüften und drehte sie zu sich. „Anna,“ versuchte er sie zu erreichen und aus ihrer Welt heraus zu holen, die ihre Verfassung bedrohte. Sie schaute ihn an, und versuchte sich auf ihn zu konzentrieren, was ihr aber in Anbetracht des inneren Kampfes, den sie gerade ausfocht, sehr schwer fiel. „Anna, schau mich an“, intensivierte Tom seinen Versuch, und endlich hatte er den Eindruck, dass sie ihn ansah, wenn auch nicht mit vollem Bewusstsein. Aber zumindest nahm sie ihn wahr. „Es ist nichts passiert, hörst du. Die Kollektion steht bestimmt noch in der Logistik-Abteilung rum und ist einfach noch nicht zugewiesen worden.“ Er hielt sie immer noch umklammert, hatte immer noch Angst sie nicht erreichen zu können. Erneut forderte er sie auf ihn anzusehen und beugte sich ein Stück hinab, damit sie seinem Blick nicht ausweichen konnte. „Hast du mich gehört?“, fragte er nach und wartete auf ein Zeichen von ihr. Langsam schienen sich die Wolken vor ihren Augen wirklich zu verziehen, langsam wurde ihr Blick wieder intensiver. Aber sie schauten immer noch ängstlich zu ihm auf. Tom spürte, dass etwas passieren musste. Er musste Annas Kampfgeist wecken, damit sie nicht erneut unter der Last ihrer Vergangenheit kapitulieren würde. „Anna, du schließt jetzt die Augen und hörst mir gut zu“, sagte Tom in bestimmendem Ton, der nicht mehr voller Mitgefühl war, sondern eher der rigiden Art seiner Chef-Position entsprach. Erinnerst du dich noch daran, wie du mir die Deko-Kugeln für den Weihnachtsbaum vor die Nase gepfeffert hast, … wie du mich zur Sau gemacht hast, als ich Frau Hauschke entlassen wollte, … wie du gekämpft hast, als ich dir unterstellt habe, dass du Lanford betrogen hast? Anna, das will ich sehen. Das hier heute, ist dein Tag, es geht um deine Kollektion, und ich will, nein ich fordere, dass du deine Aufgabe hier verfolgst. Voller Energie, zielgerichtet und kämpferisch, so wie ich dich kenne.“ Anfangs hatte sie noch lächeln müssen, bei den von ihm aufgezählten Situationen. Sie hatte ihm tatsächlich mehr als einmal sehr energisch den Kopf gewaschen, aber dann hatte er mit seiner fordernden Art ihren Zorn herauf beschworen. Wie redet der denn mit mir? Er weiß doch warum mich das so mitnimmt?, ging es ihr durch den Kopf und sie öffnete empört die Augen, aber dann merkte sie, dass die Gefühlswallung gut tat. Sie zeigte ihr, dass da noch Energie und Kräfte waren, die nur darauf warteten genutzt zu werden, und wenn sie ehrlich war, ging ihr die jämmerliche Anna ja auch irgendwie auf die Nerven. Sie hasste es eigentlich schwach zu sein. Und sich in die Enge treiben zu lassen behagte ihr normalerweise gar nicht und entsprach in keiner Weise ihrer Natur. Sie war im Normalfall offensiv, handelte lieber als dass sie abwartete, war stur und stolz, wenn es um ihre Ehre ging. Darauf würde sie sich endlich wieder besinnen. Sie hatte doch gewusst auf was sie sich hier eingelassen hatte und alle Anwesenden würden sie in ihrem Job unterstützen, das wusste sie. Er hat recht. Es geht hier um meine Kollektion, und die werde ich auf die Bühne bringen, komme was wolle dachte sie schließlich entschlossen. Ein zaghaftes Lächeln kehrt auf ihr Gesicht zurück und Tom, der ihre Mimik die ganze Zeit genauestens beobachtet hatte, wusste, dass er sie erreicht hatte, und dass sie es ihm nicht übel nahm. Er war erleichtert, denn er hatte fast damit gerechnet, dass er das erste Opfer ihrer neu gewonnenen Energie werden würde, wenn er es denn schaffen sollte, diese zu mobilisieren. Er sah sie immer noch ernst an, aber seine Augen waren voller Gefühl. Er schaute kurz auf und suchte Palomas Gesicht um sich ihrer Zusammenarbeit zu versichern. Diese schaute ihn, in Anbetracht seiner Ansage, etwas verschreckt an, signalisierte aber, dass sie sich weiter um Anna kümmern würde. „Anna, du gehst jetzt mit Paloma deiner Arbeit nach, kümmerst dich um die Models und schaust das hier alles läuft. Ich werde die Kollektion auftreiben, ok?“ Sie nickte und Tom drückte sie kurz an sich. „Es wird alles gut.“ flüsterte er ihr ins Ohr.
Sie hob den Kopf und sah Tom in die Augen. „Danke“ sagte sie leise, um sich dann von ihm zu lösen und sich in die Arbeit zu stürzen. „Los Paloma, lass uns anfangen.“ Paloma stieß erleichtert die Luft aus und strahlte Anna an. „Gut so“, sagte sie und strich ihrer Freundin über den Arm. „Ach übrigens, … du siehst super aus. Ist das nicht ein Kleid aus …“ Anna nickte zustimmend, bevor Paloma ihren Satz beendet hatte. „Tom hat es mir mitgebracht, als Entschuldigung so zu sagen.“ raunte sie Paloma zu, die sie mit hoch gezogener Augenbraue immer noch bewundernd betrachtete, zu, ehe sie bei den Visagistinnen und Models zu stehen kam.

Es dauerte nicht lange, bis Tom wieder auftauchte und Entwarnung geben konnte. „Die Kollektion wird uns sofort gebracht. Die Logistiker waren wohl etwas überfordert … „ Er zwinkerte den Frauen, die gerade zwischen Models und Visagisten hin und her sprangen, aufmunternd zu und begab sich auf die Bühne um dort nach dem rechten zu sehen. Nur wenige Minuten später erschien er, gemeinsam mit Enrique und Carsten erneut auf der Bildfläche. „So, die Bühne ist vorbereitet, der Probelauf kann starten“, gab er für alle hörbar bekannt. Anna sah sich um und rief alle Models zusammen. Es war ein lustiges Bild, das sich da bot, denn die Visagisten waren noch mitten in ihrer Arbeit und so erschienen die Models in schlunzigen Klamotten oder in einen Morgenmantel gehüllt, zum Teil fertig geschminkt und frisiert, während andere aussahen, wie Vogelscheuchen, da die Frisuren noch in der Vorbereitung waren oder die Schminke erst einen Teil des Gesichtes verzierte. Anna sah von einer zur anderen und lächelte entschuldigend. „Sorry, aber wir müssen die Gelegenheit nutzen, bevor die ersten Gäste die Halle stürmen, also macht euch nichts raus, dass ihr grade kein ganz so glorreiches Bild abgebt.“ Als sie nochmal die einzelnen Positionen und Auftritte durchsprachen, fiel Anna auf, dass ein Model fehlte, natürlich das Wichtigste. Sie sah sich suchend um aber im Raum war keine weitere Frau auszumachen. „Hat jemand Lena gesehen?“ fragte sie besorgt in die Runde. „Ist sie auf Toilette?“ Aber die anderen sahen sich ratlos an und schüttelten betreten die Köpfe. „Paloma, hast du irgendeine Information?“ Aber auch diese hob nur entschuldigend die Schultern. „Ok, ich besetzte bei der Probe ihre Position, sie muss es dann so hinbekommen. Also los, lasst es uns probieren“ Sie startete, gefolgt von einem stolzen Blick Toms, in Richtung Bühne. Das war es was er liebte. Anna in ihrem Element, voller Enthusiasmus, gut organisiert und nicht verlegen Lösungen zu finden. Er griff zum Telefon und rief Frau Hauschke an um sich über den Verbleib des Models zu erkundigen. Er kannte die junge Frau, die nicht nur irgendein Kleid präsentieren sollte, sondern ausgerechnet das Prunkstück der Kollektion. Sie war eine Angestellte aus der Einkaufsabteilung, die ihm schon bei der ersten Begegnung aufgefallen war. Sie hatte etwas Besonderes an sich, was Anna wohl auch dazu bewogen hatte, sie in das Brautkleid zu stecken, obwohl sie nicht gerade Modelmaße besaß. Sie war eigentlich zu klein und auch etwas zu üppig gebaut, aber mit ihren roten Locken, ihren tiefgründigen grünen Augen und ihrer Art des Auftretens, umschwebte sie eine Aura eines besonderen Selbstbewusstseins, der nichts mit dem schönen Schein vieler Frauen zu tun hatte. Sie zog die Menschen in ihren Bann und konnte damit definitiv vielen professionellen Models die Schau stehlen.
Tom stieg die Stufen zur Bühne hinauf während er Steffi den Auftrag gab, sich um den Verbleib des Models zu kümmern. Er steckte sein Telefon in die Tasche und blieb halb versteckt hinter dem Vorhang stehen um die Probe zu beobachten. Was er sah, gefiel ihm. Es sah vielversprechend aus, wie die jungen Damen ihren Job meisterten, und wenn sie erst mal in den passenden Kleidern steckten, würde die Show ihre Wirkung erzielen, da war er mit seiner Erfahrung, die er im Laufe der Jahre gesammelt hatte, relativ sicher. Die Musik brandete auf und ging über in den Hochzeitsmarsch, und Tom schaute fasziniert zu, wie Anna, die als einzige in ihrem wunderschönen Kleid steckte, den Catwalk entlang schwebte. Spontan breitete sich eine Gänsehaut auf seinem Körper aus. Er seufzte leise auf. Ob ich das wohl bald erleben darf?, fragte er sich und spürte, wie sein Herz begann nervös zu pochen und die Ungewissheit ihrer Antwort hart an ihm zerrte. Er riss sich los von Annas faszinierendem Anblick und begab sich zurück in den Garderobenbereich. Gerade wurden die Kartons mit der Kollektion abgestellt und er war froh sich wieder anderen Dingen zuwenden zu können, denn Arbeit war doch immer noch die beste Ablenkung von unerfüllten Wünschen. Er nickte den jungen Männern dankend zu, und öffnete das erstbeste Paket. Er warf einen Blick hinein und wollte ihn gerade wieder zufrieden schließen, als er stockte. Habe ich das Kleid nicht schon mal gesehen? Er zog ein beigefarbenes Kleid heraus, das mit den zugehörigen Accessoires an die 20er Jahre erinnerte, und sofort wurde er von einem Bild heimgesucht, das ihn aus heutiger Sicht unglaublich schmerzte, weil es ihn an seine Verfehlung erinnerte. Die Situation, wie er Anna mit den Kartons, die ihr von Haokan geliefert wurden, in der Else stehen sah. Auch da hatte er einen schnellen Blick hineingeworfen und spontan dieses Kleid in der Hand gehalten. Das Kleid gehörte zur 1. Zauberhaft-Kollektion, aber nicht zur aktuellen. Er verdrehte genervt die Augen. Das kann doch alles nicht wahr sein ging es ihm durch den Kopf. Er schloss das Paket schnell und sah sich suchend um. Diese Kollektion muss hier verschwinden, bevor Anna völlig die Krise bekommt, aber da war es schon zu spät. Seine jungen Angestellten und Anna betraten gerade aufgeregt plappernd den Raum. Wie kann ich diese Situation nur retten? überlegte er abermals, als zu allem Überfluss auch noch sein Telefon klingelte.

Paloma strahlte als sie Tom bei den Kartons stehen sah und kam eilig auf ihn zu, während Anna mit den Models noch über vereinzelte Kleinigkeiten der Präsentation sprach. Die Brünette stutzte jedoch, als sie Tom gequältes Gesicht betrachtete. Sie trat unruhig von einem Bein aufs andere, während Tom sein Telefonat beendete. „Was ist los?“ fragte sie leise, denn das hier schon wieder irgendwelche Komplikationen am Start waren, schien bei Toms Anblick offensichtlich. „Zwei Probleme: Lena ist bislang nicht erreichbar und … „ er sah Paloma mit fast verzweifeltem Blick in die Augen. „Das hier ist die Zauberhaft-Kollektion vom letzten Jahr.“ Paloma riss die Augen auf und zog ihn ein Stück weiter beiseite. „Aber das kann nicht sein. Ich habe die Kleider selbst eingepackt und versendet …“ sagte sie ratlos. „Hast du eine Idee was wir tun können?“ Tom überdachte die Situation. „Diese Kartons hier standen noch im Lager als ich Lanford verlassen habe. Ich habe ja selbst das Kleid für Anna dort heraus genommen. Also können sie erst im nachhinein her gebracht worden sein. Das heißt doch, dass die Kartons, die von dir hergeschickt wurden auch hier sein müssen. Sie wurden erst hier ausgetauscht, wahrscheinlich gab es deshalb auch diese Verzögerung.“ Paloma hing an seinen Lippen, als hinge der Weltfrieden von seinen Ausführungen ab, aber so ähnlich fühlte sie sich auch, schließlich ging es um ihre beste Freundin, und um ihren Job, denn sie war für die Lieferung verantwortlich gewesen. „Wer tut denn so was?“ fragte sie fassungslos und ehe sie sich in diesen unglaublichen Gedanken vertiefen konnte, schoss es aus Tom heraus. „Wo ist eigentlich Carsten?“ Paloma verzog das Gesicht zu einem großen Fragezeichen. Was will er denn jetzt mit unserem Praktikanten? Den Chef muss man auch nicht verstehen. Paloma betrachtete Tom irritiert, ehe sie genauso wie Tom ihren Blick durch den Raum gleiten ließ. Sie erblickte den Praktikanten als erstes. „Da hinten.“ Sie zeigte in die Richtung der Tür, durch die Carsten nach einem kurzen Blick in Toms und ihre Richtung, gerade verschwunden war. „Er ist raus gegangen, auf den Korridor.“ sagte sie. Tom konnte gerade noch erkennen, wie sich die Tür schloss. „Paloma, halte Anna von dieser Kollektion fern. Ich besorge die richtige … „ zischte er ihr schnell zu, ehe er wie ein angestochener Stier durch den Raum fegte, und ebenfalls aus der Tür verschwand.
Paloma schüttelte wieder einmal unverständig den Kopf. Männer, man muss sie einfach nicht verstehen, ich hoffe wenigstens er weiß, was er tut, ging es ihr durch den Kopf, als ihr Blick auf die große Wanduhr fiel. 40 Minuten blieb ihnen noch bis zum Auftritt und sie hatten ein Model zu wenig und vor allem noch nichts zum Anziehen. Sie zog tief die Luft ein und hielt sie angespannt an, während sie überlegte, wie sie Anna von diesen Kleidern fern halten könnte. Außerdem schickte sie ein Stoßgebet gen Himmel, dass Tom das Unmögliche möglich machte, und die richtige Kollektion früh genug auftreiben würde.

Tom blieb vor der Tür stehen und schaute hektisch von rechts nach links. Da hinten, eng an die Wand gedrückt, scheinbar versucht, möglichst wenig aufzufallen, konnte er Carsten erkennen. Er nahm die Füße in die Hand und lief den Gang hinunter. Carsten hatte ihn offenbar nicht kommen hören, denn er war entspannt stehen geblieben und hatte seinen Blick auf sein Handy gerichtet.
„So, mein Freund und jetzt reden wir Klartext“, wurde er da plötzlich wie aus dem nichts angefahren. Erschrocken schoss sein Kopf in die Höhe und er sah in die vor Wut funkelnden Augen seines Chefs. Mist. Wenn der nicht mal Bescheid weiß … Was mache ich denn jetzt? Carsten schaute panisch hin und her und lotete seine Fluchtmöglichkeiten aus, aber Tom umfasste seinen Arm und machte ihm so sehr schnell klar, dass er ihn nicht abhauen lassen würde. „Du besorgst mir jetzt sofort die richtige Kollektion …“ Carsten unterbrach Tom und versuchte ihn von seiner Ahnungslosigkeit zu überzeugen. „Was wollen sie von mir?“ Er schüttelte empört den Kopf und versuchte Toms Hand wegzuschieben, was ihm aber nicht gelang, da dieser überhaupt nicht daran dachte ihn aus seinem eisernen Griff zu entlassen. „Die Kollektion steht doch in der Garderbobe.“ Tom war mittlerweile stinkesauer. Hatte er sich ja lange zurück gehalten und auch nichts unternommen, da er keine Beweise gegen den jungen Mann hatte, war er jetzt hundertprozentig sicher, dass er hinter diesen erneuten Problemen steckte. Es gab überhaupt keine andere Möglichkeit. „Wo ist unsere Kollektion?“, fragte Tom noch einmal bedrohlich, während seine Wut noch durch dieses Schmierentheater seines Gegenübers genährt wurde. Aber Carsten reagierte immer noch nicht. „Ich werde nicht zulassen, dass Anna erneut eine Modenschau absagen muss, und wenn du nicht sofort mit der Sprache rausrückst, dann werde ich dir eine Schadensersatzklage an den Hals hängen, dass du für den Rest deines Lebens an mich denken wirst. Dagegen sind deine Schulden, die du zur Zeit hast, Peanuts, glaub´s mir.“ Carsten schaute schockiert in das zornige Gesicht des Junior-Chefs und glaubte jedes dahingezischte Wort, das an sein Ohr drang. Völlig übermannt von der Ausweglosigkeit seiner Situation ließ er sich erschöpft an der Wand hinabgleiten und versteckt sein Gesicht in seinen Armbeugen. „Ich kann doch nicht …“ stammelte er. Tom war jedoch gar nicht nach diskutieren. „Mir ist gerade völlig egal, welche Probleme du hast. Wir können später über alles reden, aber jetzt, jetzt zeigst du mir wo diese verdammten Klamotten sind, und zwar zügig.“ Bedrohlich schloss er die Hände zur Faust, was allerdings eher ein Versuch war, nicht völlig auszuticken. Carsten realisierte diese Drohgebärde nur kurz vor seinem Gesicht und sah vorsichtig auf. Er drückte sich an der Wand hoch und nickte ängstlich. „Kommen sie.“ Er ging voran den Korridor hinab. „Schneller, los lauf! Wir haben keine Zeit mehr“, sagte Tom und folgte dem jungen Mann, der nach einem weiteren ängstlichen Blick in seinen Richtung in einen Laufschritt verfallen war. Tom hatte das Gefühl, dass sie das halbe Messegelände durchquerten und ihm kam der Gedanke, ob Carsten ihn weiterhin nur an der Nase herum führte. „Wenn du mich hier verarschst, dann sag ich dir, dass ich dich eigenhändig zu Mus verarbeite, da musst du gar nicht auf die Handlanger deines Kredithais warten“, fauchte er ihn erneut an. Carsten hob abwehrend die Hände, was in seinem schnellen Lauf, der seine nicht vorhandene Kondition ganz schön forderte, gar nicht so leicht war. „Wir sind gleich da“, stieß er hektisch atmend hervor. Und dann blieb er auch schon stehen und schaute sich verwirrt um. „Wo sind die Kartons?“ Tom blieb ebenfalls stehen und beobachtete Carsten, der versuchte zu Atem zu kommen, während er sich weiterhin panisch umsah. „Hier habe ich sie abgestellt." keuchte er hervor. Ich bring ihn um, schoss es dem Lanford-Junior durch den Kopf, während auch er sich suchend im Kreis drehte. Er konnte keine Pakete sehen. Tom rieb sich verzweifelt über das Gesicht, versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, als er sich der gelassenen Stimme zuwendete, die hinter ihm aufgetaucht war. Ein älterer Herr, der scheinbar die Ruhe für sich gepachtet hatte, stand vor ihnen. „Was suchen sie denn?“ wiederholte er seine bereits gestellte Frage. Carsten sprang auf ihn zu. „Wo sind die Kartons die hier standen?“ Er zeigte in die Ecke der Halle. „Sie meinen die falsche Lanford-Lieferung? Die sind gerade abgeholt worden“, antwortete der Herr, der sich scheinbar gerade fragte, warum die Jugend nur immer so aufgeregt war. „Wann? Wer hat sie abgeholt?“, schoss es aus Toms Mund. Der Logistiker wies auf den Parkplatz. "Da, der Transporter hat sie gerade geladen." Tom folgte seinem Fingerzeig und konnte den Fahrer des Fahrzeugs beim Einsteigen beobachten. Er rannte, gefolgt von Carsten, der jedoch vor der Halle stehen blieb, los und versuchte mit wildem Winken und lautem Gebrüll auf sich aufmerksam zu machen. Aber der Motor des Transporters startete und bevor Tom ihn mit seinem Sprint erreichen konnte, nahm er seine Fahrt auf und beschleunigte. Tom rannte noch ein Stück hinterher, bevor er mit einem lauten „Scheiße!“ stehen blieb und vornüber gebeugt nach Luft schnappte.

_________________
Manche Dinge brauchen einfach keine Worte ...
Nach oben Nach unten
merlin79

avatar

Anzahl der Beiträge : 9
Anmeldedatum : 06.09.13

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Okt 27 2013, 09:44

Super klasse geschrieben ich lese deine FF total gerne und würde mich freuen wenn du schnell weiter schreibst.... Irgendwie hab ich gerade ein Déjà-vu super klasse geschrieben....

LG Merlin
Nach oben Nach unten
Carla3939

avatar

Anzahl der Beiträge : 217
Anmeldedatum : 09.05.13

BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   So Okt 27 2013, 13:38

Liebe Katha,nicht frustriert sein Embarassed ich freue mich immer wenn es was zu lesen gibt,von dir natürlich sehhhhhhhhr Smile .Bitte schreib du schön weiter für uns (deine Fans gib5 ) die anderen werden bestimmt bald wieder mehr Zeit zum schreiben haben.Ich lese die ältern ff auch gern 2 oder 3
mal.Wenn ich so schön schreiben könnte wie Mini oder Du würde ich es ja tun habe aber leider nicht so diese Begabung.Sei nicht traurig No  wird bestimmt wieder besser.Ich freue mich wenn es bei dir weiter geht Razz ich wünsche dir noch ein schönen Restsonntag fühl dich gedrückt. Liebe Grüße Carla flowers 

_________________
"Jemand der einem nicht nur das Leben rettet sondern auch die liebe." -Anna, über Tom
Nach oben Nach unten
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"   

Nach oben Nach unten
 
AnTom II "Ein Neubeginn! Neue Wege - ewiges Glück?"
Nach oben 
Seite 4 von 13Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3, 4, 5 ... 11, 12, 13  Weiter

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
SCHREIBERTREFF :: KREATIVES SCHREIBEN :: Fanfiktion-
Gehe zu: